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Romance Scam: Anzeige erstatten und richtig reagieren

Romance Scam Anzeige erstatten: Beweise sichern, Bank informieren, Polizei einschalten. Konkrete Schritte, realistische Erwartungen und Hilfe bei Scham.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
Redakteur für Datenschutz und Sicherheit · 30. September 2026 · 19 Min. Lesezeit
frau telefoniert besorgt mit der bank

Romance Scam Anzeige erstatten heißt vor allem: nicht abwarten. Ob der Betrug gerade erst aufgeflogen ist oder schon eine oder mehrere Zahlungen geflossen sind, die ersten Stunden und Tage entscheiden darüber, ob sich überhaupt noch etwas retten lässt und wie gut sich der Fall später dokumentieren lässt. Dieser Artikel setzt genau dort an, wo die Erkennung endet: Er beschreibt, was konkret zu tun ist, sobald du weißt oder stark vermutest, dass du Opfer eines Romance Scams, auch als Liebesbetrug bekannt, geworden bist.

Wie sich diese Betrugsmasche überhaupt zeigt, an welchen Warnsignalen du sie erkennst und warum Videoanrufe fast immer vermieden werden, erklärt der Artikel Romance Scam erkennen ausführlich. Hier geht es um die Zeit danach: Beweise sichern, Bank und Konto schützen, Anzeige bei der Polizei erstatten, das Profil bei der Plattform melden, realistisch mit den Erfolgsaussichten umgehen und die emotionale Seite nicht unter den Tisch fallen lassen.

Warum schnelles Handeln zählt

Bei einem Romance Scam läuft nach der Entdeckung eine Art doppelte Uhr. Die eine betrifft das Geld: Solange eine Überweisung noch nicht beim Empfänger gutgeschrieben und abgehoben ist, besteht wenigstens eine kleine Chance, dass die eigene Bank sie noch aufhält. Diese Chance schrumpft mit jeder Stunde, die du wartest, und ist nach ein bis zwei Tagen bei einer klassischen Überweisung meist verschwindend gering.

Die andere Uhr betrifft die Beweise. Ein Profil, das gerade noch aktiv war, kann jederzeit gelöscht werden, sobald die Täter merken, dass du misstrauisch geworden bist oder eine Meldung angekündigt hast. Chatverläufe verschwinden mit dem Account, und manche Apps löschen Nachrichten nach einer gewissen Zeit automatisch. Was du heute in Ruhe als Screenshot sichern kannst, ist morgen möglicherweise unwiderruflich weg.

Beide Gründe zusammen sprechen für denselben Ablauf: erst sichern, dann handeln, und zwar in dieser Reihenfolge so schnell wie möglich, aber ohne Panik. Eine überstürzte Reaktion, etwa eine wütende Abschlussnachricht an die Täter, bringt nichts und kann sogar dazu führen, dass diese das Profil sofort löschen, bevor du alles gesichert hast. Ruhe und Tempo schließen sich hier nicht aus, im Gegenteil: Ein klarer Ablauf, den du einfach abarbeitest, nimmt dir in dieser aufwühlenden Situation sogar etwas Druck.

Wichtig ist außerdem, dass keiner dieser Schritte davon abhängt, wie sicher du dir schon bist. Auch bei einem starken Verdacht, aber noch ohne endgültige Gewissheit, lohnt sich dieselbe Vorgehensweise. Im schlimmsten Fall hast du unnötig ein paar Screenshots gemacht, im besten Fall hast du wertvolle Zeit gewonnen, die sich später nicht mehr nachholen lässt.

Schritt 1: Kontakt abbrechen und Beweise sichern

Bevor du irgendeine Stelle informierst, brauchst du etwas, das du vorzeigen kannst. Polizei, Bank und Plattform können nur mit konkreten Belegen etwas anfangen, nicht mit einer bloßen Schilderung aus der Erinnerung.

Geh dabei systematisch vor, am besten in dieser Reihenfolge:

  1. Screenshots vom gesamten Chatverlauf. Von der ersten Nachricht bis zur letzten, inklusive Datum und Uhrzeit, sofern die App diese anzeigt. Ein einzelner Screenshot der Geldforderung reicht nicht, das Muster über die Zeit ist entscheidend.
  2. Das Profil selbst sichern. Profilbild, angegebener Name, Alter, Beruf, Standort und Profiltext, ebenfalls als Screenshot, bevor es gelöscht wird.
  3. Zahlungsbelege zusammensuchen. Kontoauszüge, Überweisungsbestätigungen, Screenshots von Gutscheincodes oder Transaktions-IDs bei Kryptowährung, jeweils mit Datum und Betrag.
  4. Kontaktdaten der Gegenseite notieren. Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Namen von angeblichen Anwälten oder Speditionen, die im Verlauf der Geschichte aufgetaucht sind, auch wenn sie erfunden wirken.
  5. Eine eigene Zeitleiste erstellen. Ein kurzes Dokument mit Stichpunkten, wann der Kontakt begann, wann welche Geschichte erzählt wurde und wann welche Zahlung erfolgte. Das wirkt am Anfang nach unnötigem Aufwand, erleichtert aber sowohl der Polizei als auch der eigenen Bank die Einordnung erheblich.

Sichere alles an einem Ort, den du auch nach dem Löschen des Kontakts noch erreichst, etwa in einem eigenen Ordner auf dem Computer oder in der Cloud, nicht nur als Chatverlauf in der App selbst. Erst wenn diese Sicherung abgeschlossen ist, blockierst du den Kontakt. Ein zu frühes Blockieren kann dazu führen, dass du auf einen Teil des Verlaufs gar nicht mehr zugreifen kannst.

Nutze, wo vorhanden, auch die Exportfunktion der jeweiligen App oder Chat-Anwendung, statt dich allein auf Screenshots zu verlassen. Viele Messenger und Dating-Apps bieten eine Funktion, mit der sich ein kompletter Chatverlauf als Datei sichern lässt, teils inklusive genauer Zeitstempel. Eine solche Datei ist als Beleg oft aussagekräftiger als eine Reihe einzelner Bildschirmfotos, weil sich an ihr nachträglich nichts verändern lässt und der zeitliche Ablauf lückenlos erkennbar bleibt. Sollte dir eine solche Exportfunktion nicht zur Verfügung stehen, reichen sorgfältige Screenshots völlig aus, wichtig ist nur, dass Datum und Uhrzeit mit auf dem Bild zu sehen sind.

Verzichte in dieser Phase auf eine Konfrontation. Eine letzte Nachricht mit Vorwürfen bringt keine Aufklärung, sie kostet nur Zeit und gibt den Tätern die Gelegenheit, das Profil vorher noch zu löschen oder eine neue, ablenkende Geschichte nachzuschieben.

Denk außerdem daran, dass der Austausch selten nur über einen einzigen Kanal lief. Neben der Dating-App selbst tauchen oft eine private Handynummer, ein Messenger wie WhatsApp oder Telegram und eine eigene E-Mail-Adresse auf, weil Täter absichtlich auf mehrere Kanäle ausweichen, sobald eine Plattform ihnen zu unsicher wird. Sperre nach der Beweissicherung jeden dieser Kanäle einzeln, eine Blockierung allein in der Dating-App reicht nicht, wenn dieselbe Person dich danach ungehindert per SMS oder über einen Messenger weiter erreichen kann.

Schritt 2: Bank und Konto schützen

Sobald bereits eine Zahlung erfolgt ist oder du befürchtest, dass Kontodaten in falsche Hände geraten sind, ist deine Bank die Stelle, bei der Tempo am meisten zählt.

Ruf bei einer klassischen Überweisung so schnell wie möglich bei deiner Bank an und verlange ausdrücklich einen Überweisungsrückruf. Nenne dabei Betrag, IBAN des Empfängers, Datum der Buchung und den Grund, also den Betrugsverdacht. Die eigene Bank kann daraufhin die Empfängerbank kontaktieren und um eine Rückbuchung bitten. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob das Geld dort noch auf dem Konto liegt oder bereits abgehoben wurde, eine Garantie gibt es nicht, aber je früher der Rückruf erfolgt, desto größer ist die Chance.

Dabei macht es einen Unterschied, wie die Zahlung ausgeführt wurde. Bei einer normalen Überweisung, die noch bis zum nächsten Bankarbeitstag verarbeitet wird, bleibt zumindest ein kleines Zeitfenster, in dem ein Rückruf technisch ansetzen kann. Bei einer Echtzeitüberweisung ist der Betrag dagegen innerhalb weniger Sekunden beim Empfänger gutgeschrieben, ein Stoppen der Ausführung ist danach nicht mehr möglich. In diesem Fall kann deine Bank nur noch eine Rückrufanfrage an die Empfängerbank schicken, die auf eine freiwillige Zustimmung der Gegenseite angewiesen ist und bei einer Betrugsmasche entsprechend selten zum Erfolg führt. Weißt du nicht genau, welche Art von Überweisung du genutzt hast, hilft ein Blick in die Buchungsbestätigung deiner Banking-App, oder du fragst direkt bei der Bank nach.

Lief die Zahlung stattdessen über einen Bardienst, einen Gutscheincode oder eine digitale Münzeinheit, greift ein Rückruf in aller Regel ins Leere, sobald die Gegenseite den Betrag abgeholt oder eingelöst hat, und genau deshalb werden diese Wege bei dieser Betrugsform so gezielt eingesetzt. Ein Anruf bei der eigenen Bank schadet trotzdem nicht, die Erwartung an ein positives Ergebnis solltest du dabei aber von Anfang an niedrig ansetzen.

Neben dem Versuch, eine einzelne Zahlung aufzuhalten, lohnt sich ein Blick auf den Schutz des gesamten Kontos. Hast du im Verlauf des Kontakts jemals Kontodaten, eine Ausweiskopie oder Zugangsdaten für Online-Banking geteilt, informiere deine Bank auch darüber unabhängig von der konkreten Zahlung. Manche Romance-Scam-Fälle gehen in eine Richtung, die über eine einzelne Überweisung hinausgeht: Täter bitten irgendwann darum, fremdes Geld über das eigene Konto weiterzuleiten, angeblich weil sie selbst kein Konto in Deutschland hätten. Wer darauf eingeht, riskiert nicht nur den Verlust der eigenen Ersparnisse, sondern gerät selbst in die Nähe einer Geldwäsche-Ermittlung, auch wenn er oder sie selbst getäuscht wurde. Sag deiner Bank deshalb auch dann Bescheid, wenn eine solche Bitte im Raum stand, selbst wenn du nicht darauf eingegangen bist.

Hast du im Verlauf des Kontakts eine Kopie deines Personalausweises verschickt, lohnt sich zusätzlich ein Blick über das eigene Konto hinaus. Mit einer Ausweiskopie lässt sich unter Umständen ein Kredit beantragen oder eine Bestellung auf fremden Namen aufgeben, ohne dass du davon zunächst etwas mitbekommst. Fordere in diesem Fall bei der Schufa eine kostenlose Selbstauskunft an und sieh nach, ob dort Anfragen oder Verträge auftauchen, die du nicht selbst veranlasst hast. Findest du einen solchen Eintrag, kannst du einen Identitätsbetrug direkt bei der Schufa melden, am besten zusammen mit dem Nachweis über deine bereits erstattete Anzeige.

Hast du stattdessen mit Kreditkarte bezahlt, etwa weil eine angebliche Versand- oder Zollgebühr über eine externe Zahlungsseite abgerechnet wurde, prüfe zusätzlich, ob sich die Buchung über ein Chargeback-Verfahren deiner kartenausgebenden Bank rückgängig machen lässt. Dabei reklamierst du die konkrete, nicht autorisierte oder erschlichene Abbuchung direkt bei der Bank, die die Karte ausgegeben hat, meist mithilfe eines eigenen Reklamationsformulars. Diese Möglichkeit besteht unabhängig von einer laufenden Anzeige und ist in vielen Fällen der praktikabelste Weg, wenn Kartendaten im Spiel waren.

Ändere zusätzlich dein Online-Banking-Passwort, falls du es jemals, und sei es nur versehentlich, außerhalb der offiziellen Banking-App oder -Webseite eingegeben hast. Wie sich ein ähnliches Muster bei gefälschten Verifizierungslinks in Dating-Apps zeigt und was dort im Ernstfall zu tun ist, beschreibt der Artikel Phishing bei der Dating-App erkennen, falls neben dem Romance Scam auch ein Link oder eine angebliche Systemnachricht im Spiel war.

Schritt 3: Anzeige bei der Polizei erstatten

Eine Anzeige ist unabhängig davon sinnvoll, ob bereits Geld geflossen ist oder du nur knapp einer Zahlung entgangen bist. Rechtlich handelt es sich bei einem Romance Scam in aller Regel um Betrug nach Paragraf 263 des Strafgesetzbuchs, weil die Täter dich durch eine vorgetäuschte Identität und erfundene Notlagen gezielt zu einer Vermögensverfügung bewegen. Diese Einordnung ist der Grund, warum die Polizei den Vorgang überhaupt als Straftat aufnimmt und nicht als bloßen zivilrechtlichen Streit behandelt.

So läuft die Anzeige praktisch ab

Eine Strafanzeige kannst du bei jeder Polizeidienststelle in Deutschland erstatten, unabhängig davon, wo du wohnst oder wo die Tat begonnen hat. Alternativ bieten die meisten Bundesländer eine Online-Wache an, über die sich Internetbetrug ohne persönlichen Termin anzeigen lässt. Beides ist kostenlos.

Nimm zur Anzeige mit, was du im ersten Schritt gesichert hast: Screenshots des Profils und des Chatverlaufs, Zahlungsbelege, deine eigene Zeitleiste und, falls vorhanden, Kontodaten des Empfängers. Du musst dabei nicht den echten Namen des Täters kennen, eine Anzeige gegen Unbekannt ist der Normalfall bei dieser Betrugsform. Schildere den Ablauf so genau wie möglich, aber ohne Umschweife: wann der Kontakt begann, welche Geschichte erzählt wurde, wann und wie viel Geld gefordert und überwiesen wurde.

Am Ende der Aufnahme erhältst du eine Bestätigung mit einem eigenen Aktenzeichen. Notiere dir diese Nummer sorgfältig, denn du brauchst sie später, wenn du dich mit dem Vorgang an deine Bank, deine Versicherung oder eine Beratungsstelle wendest, und ebenso für einen Antrag auf Auskunft über den weiteren Verlauf des Verfahrens.

Anzeige oder Zivilklage: der Unterschied

Diese beiden Begriffe werden oft durcheinandergebracht, meinen aber grundsätzlich verschiedene Dinge. Eine Strafanzeige setzt ein staatliches Ermittlungsverfahren in Gang, das im besten Fall zu einer Verurteilung der Täter führt. Sie bringt dir dabei selbst kein Geld zurück, auch nicht bei einer erfolgreichen Verurteilung, es sei denn, im Rahmen des Verfahrens lässt sich tatsächlich etwas bei den Tätern pfänden, was bei Auslandstätern in der Praxis selten vorkommt.

Eine Zivilklage dagegen ist der Weg, über den du selbst eine Rückzahlung einklagen könntest. Dafür brauchst du allerdings eine bekannte, tatsächlich verklagbare Person, an die du dich mit einem Anspruch wenden kannst. Bei einem anonymen Profil mit erfundener Identität und einem Aufenthaltsort im Ausland lässt sich diese Voraussetzung fast nie erfüllen. In der Praxis bleibt deshalb bei den allermeisten Romance-Scam-Fällen nur die Strafanzeige als gangbarer Weg, eine Zivilklage scheitert schon daran, dass niemand feststeht, gegen den sie sich richten könnte.

MerkmalStrafanzeigeZivilklage
Richtet sich anDen Staat, konkret die StaatsanwaltschaftEine bekannte, benennbare Person
ZielErmittlung und StrafverfolgungRückzahlung des Geldes
VoraussetzungVerdacht auf eine StraftatBekannter, verklagbarer Gegner
Kosten für dichKeineGerichts- und ggf. Anwaltskosten, mit Kostenrisiko
Realistisch bei Romance ScamJa, unabhängig vom Ausgang sinnvollFast nie umsetzbar, da Täter meist unbekannt bleiben

Was die Polizei tatsächlich tun kann

Es hilft, die Erwartungen an das, was nach einer Anzeige passiert, realistisch zu halten. Die Polizei nimmt deine Anzeige auf, sichert die von dir vorgelegten Beweise und leitet den Vorgang an die zuständige Staatsanwaltschaft weiter. Von dort aus können, je nach Lage, Auskunftsersuchen an Banken oder Plattformbetreiber gestellt werden, um an weitere Informationen zu den beteiligten Konten oder Accounts zu kommen. Ob daraus tatsächlich ein konkreter Ermittlungserfolg für deinen Einzelfall entsteht, hängt stark davon ab, wo die Täter tatsächlich sitzen und wie gut sich Spuren wie Konten oder IP-Adressen international nachverfolgen lassen.

Was die Polizei nicht leisten kann, ist eine Garantie auf Rückerstattung deines Geldes oder eine schnelle Festnahme. Das ist keine Nachlässigkeit einzelner Beamter, sondern eine Folge der internationalen Struktur dieser Kriminalität. Trotzdem hat deine Anzeige einen Wert, der über deinen eigenen Fall hinausgeht: Sie fließt in ein größeres Lagebild ein, in dem wiederkehrende Kontodaten, Formulierungen oder Vorgehensweisen über viele Anzeigen hinweg sichtbar werden. Genau darüber gelingen der Polizei gelegentlich doch Ermittlungserfolge, etwa wenn ein Konto identifiziert wird, über das mehrere Betrugsfälle gleichzeitig laufen.

Als Geschädigter oder Geschädigte hast du außerdem das Recht, auf Antrag über den weiteren Stand deines Verfahrens informiert zu werden, etwa über eine Einstellung des Verfahrens oder den Ausgang einer Hauptverhandlung. Dieses Auskunftsrecht ist in Paragraf 406d der Strafprozessordnung geregelt. Gib bei der Anzeige am besten gleich an, dass du über den Fortgang informiert werden möchtest, sonst bekommst du unter Umständen monatelang gar keine Rückmeldung, ohne dass das etwas über den tatsächlichen Bearbeitungsstand aussagt.

Warum Täter oft im Ausland sitzen

Ein wesentlicher Grund, weshalb sich Romance-Scam-Fälle so schwer aufklären lassen, liegt in der Struktur der Täterschaft selbst. Häufig handelt es sich um organisierte Gruppen mit Sitz außerhalb Deutschlands, oft in Staaten, in denen deutsche Behörden keine eigene Zugriffsmöglichkeit haben und auf eine langwierige Zusammenarbeit mit ausländischen Stellen angewiesen sind. Eine Akte kann dadurch formal offen bleiben, ohne dass sich in absehbarer Zeit etwas an der Sache selbst bewegt.

Diese Distanz erklärt auch, weshalb bei dieser Betrugsform so konsequent auf schwer nachvollziehbare Auszahlungswege gesetzt wird: Sie funktionieren unabhängig vom tatsächlichen Aufenthaltsort und lassen sich über Ländergrenzen hinweg kaum zurückverfolgen. Eine deutsche Bank oder Polizeidienststelle hat gegenüber einem Konto oder einer Auszahlungsstelle jenseits der eigenen Landesgrenze naturgemäß weniger Zugriff als innerhalb Deutschlands. Das ändert nichts an der Sinnhaftigkeit der Meldung, dämpft aber die Erwartung an einen raschen, sichtbaren Ermittlungserfolg im eigenen Einzelfall.

Schritt 4: Das Profil und die Plattform informieren

Parallel zur Anzeige bei der Polizei gehört eine Meldung an die Dating-Plattform oder das soziale Netzwerk, über das der Kontakt zustande kam. Diese beiden Schritte ersetzen sich nicht gegenseitig, sie ergänzen sich: Die Polizei kann strafrechtlich ermitteln, die Plattform kann das konkrete Profil sofort sperren und damit verhindern, dass die nächste Person auf denselben Trick hereinfällt.

Nutze dafür die Meldefunktion, die praktisch jede seriöse Plattform direkt im Profil oder im Chat anbietet. Melde sowohl das Profil als Ganzes als auch, wo möglich, die konkreten Nachrichten mit der Geldforderung, damit der Anbieter den Vorgang nachvollziehen kann. Beschreibe kurz, worum es geht, also den Verdacht auf Romance Scam mit Geldforderung, und füge, falls die Plattform das zulässt, Screenshots bei.

Erwarte dabei keine Rückmeldung im Detail. Aus Datenschutzgründen teilen die meisten Anbieter nicht mit, ob und wie ein gemeldetes Profil gesperrt wurde. Das bedeutet nicht, dass die Meldung wirkungslos verpufft, größere Plattformen werten solche Meldungen aus, um wiederkehrende Muster, etwa dieselben Fotos unter verschiedenen Namen, systematisch zu erkennen und zu sperren.

Lösche dein eigenes Profil oder den Chatverlauf erst, nachdem du sowohl die Beweise gesichert als auch die Meldung abgeschickt hast. Ein bereits gemeldetes fremdes Profil kann aus deiner eigenen Ansicht verschwinden, sobald es gesperrt wird, und dann fehlt dir womöglich ein Beleg, den du eigentlich noch gebraucht hättest.

Ist der Austausch, wie so oft, irgendwann auf einen zusätzlichen Kanal wie Instagram, Facebook oder einen Messenger übergesprungen, gilt dieselbe Meldepflicht auch dort. Jedes größere soziale Netzwerk hält ein eigenes Meldeformular für gefälschte Konten und Betrugsversuche bereit, meist über das Drei-Punkte-Menü direkt am Profil oder an der jeweiligen Unterhaltung. Die Bearbeitung solcher Meldungen richtet sich nach den Community-Richtlinien des jeweiligen Anbieters und läuft unabhängig von deiner Meldung bei der ursprünglichen Dating-Plattform. Es lohnt sich deshalb, wirklich jeden Kanal einzeln zu melden, statt sich auf die Dating-App allein zu verlassen.

Realistisch bleiben: Chancen auf Rückerstattung

So unbefriedigend es klingt: Bei den meisten Romance-Scam-Fällen bleibt das überwiesene Geld verloren. Diese Einschätzung ist kein Grund, auf die vorangegangenen Schritte zu verzichten, sie soll aber verhindern, dass zur finanziellen Enttäuschung noch eine zweite, vermeidbare Enttäuschung über falsche Erwartungen hinzukommt.

Am ehesten lässt sich noch etwas retten, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Die Zahlung erfolgte als klassische, nicht als sofort ausgezahlte Überweisung, die Bank wurde innerhalb weniger Stunden informiert, und das Geld wurde beim Empfänger noch nicht abgehoben. Je mehr dieser Bedingungen fehlen, desto geringer die Chance. Bei den schwer rückverfolgbaren Auszahlungswegen, die bei dieser Betrugsform besonders häufig zum Einsatz kommen, ist eine Rückerstattung in der Praxis fast ausgeschlossen.

Eine gesonderte Überlegung betrifft die eigene Bank als möglichen Ansprechpartner für Ersatzansprüche, wenn zum Beispiel eine ungewöhnlich hohe Überweisung ohne jede Rückfrage durchgeführt wurde. Ob und in welchem Umfang eine Bank in einem solchen Einzelfall überhaupt haftet, ist eine Frage, die sich nur anhand der konkreten Umstände beantworten lässt und die eine allgemeine Ratgeberseite nicht seriös beantworten kann. Für eine solche Einschätzung ist eine individuelle Rechtsberatung der richtige Weg, nicht ein pauschaler Text wie dieser.

Was dagegen jeder Betroffene sofort und ohne Kosten nutzen kann, ist die Beratung der Verbraucherzentralen. Sie ordnen Zahlungswege ein, erklären, welche Schritte gegenüber der eigenen Bank sinnvoll sind, und helfen dabei, die eigene Situation realistisch einzuschätzen, ohne dass du dich dafür rechtfertigen musst. Bleib zusätzlich vorsichtig gegenüber Angeboten, die dir gegen eine Vorabgebühr eine sichere Rückholung deines Geldes versprechen. Solche Versprechen sind bei dieser Art von Betrug ein bekanntes Muster für einen zweiten, sogenannten Nachbetrug durch angebliche Geldrückholer, der gezielt Menschen anspricht, die bereits einmal Opfer wurden.

Mit der emotionalen Seite umgehen

Der finanzielle Schaden ist bei einem Romance Scam oft nicht das Einzige, was bleibt. Viele Betroffene beschreiben, dass sie eine echte Beziehung erlebt haben, mit echten Gefühlen auf ihrer eigenen Seite, auch wenn die Person auf der anderen Seite von Anfang an nicht existierte. Dieser Vertrauensbruch wiegt oft schwerer als der Geldverlust allein, und es ist eine normale, nachvollziehbare Reaktion, damit eine Weile zu ringen.

Scham ist dabei eines der größten Hindernisse, überhaupt etwas zu unternehmen. Viele Betroffene schweigen, weil sie befürchten, als leichtgläubig oder naiv zu gelten, und genau dieses Schweigen kommt am Ende nur den Tätern zugute, weil es die Anzeige verzögert oder ganz verhindert. Dabei ist dieser Betrug gezielt so aufgebaut, dass er genau die Reaktionen auslöst, die in einer echten, aufkeimenden Beziehung ganz natürlich wären: Vertrauen, Vorfreude, der Wunsch, jemandem in einer angeblichen Notlage zu helfen. Wer darauf hereinfällt, ist nicht dumm, sondern Ziel eines Systems, das genau für diesen Zweck entwickelt wurde und routinemäßig auch erfahrene, gebildete Menschen trifft.

Es hilft, mit mindestens einer Person außerhalb des eigenen Kopfes über das Geschehene zu sprechen, sei es aus der Familie, dem Freundeskreis oder einer Beratungsstelle. Der WEISSER RING bietet als bundesweite Opferhilfeorganisation kostenlose und auf Wunsch anonyme Unterstützung für Menschen an, die Opfer einer Straftat geworden sind, dazu gehört auch Betrug. Diese Unterstützung reicht von einer ersten Einordnung des eigenen Falls bis zur Begleitung bei Behördengängen, ohne dass du dafür etwas bezahlen musst.

Wenn die emotionale Belastung über das hinausgeht, was sich im Gespräch mit Familie, Freunden oder einer Opferhilfeorganisation auffangen lässt, etwa weil Schlaf, Alltag oder Konzentration merklich leiden, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Grund, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die Telefonseelsorge ist unter den Nummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, ganz gleich, ob es dabei konkret um den Romance Scam geht oder allgemein um die Belastung danach.

Gib dir außerdem Zeit. Weder die Anzeige noch das Gespräch mit der Bank oder der Plattform lösen das Vertrauensproblem, das ein solcher Betrug hinterlässt, von einem Tag auf den anderen. Das ist normal und sagt nichts darüber aus, wie gut du mit der Situation umgehst.

Manche Betroffene zögern zusätzlich, weil sie befürchten, bei einer Anzeige oder im Gespräch mit Familie und Freunden auch private Dinge offenlegen zu müssen, etwa eine bestehende Beziehung, von der der Kontakt zur betrügerischen Person eigentlich ablenken sollte. Für die Polizei zählt für die Anzeige ausschließlich der Betrugsvorgang selbst, nicht deine private Lebenssituation, und sie ist an die Verschwiegenheit gebunden, die für Ermittlungsakten allgemein gilt. Wem eine Anzeige aus genau diesem Grund schwerfällt, dem hilft oft schon das anonyme Gespräch mit einer Opferhilfeorganisation als erster, niedrigschwelliger Schritt, bevor überhaupt eine Entscheidung über die Anzeige selbst ansteht.

Fazit: Handeln statt schämen

Romance Scam Anzeige erstatten bedeutet in der Praxis eine klare Abfolge: Beweise sichern, bevor irgendetwas gelöscht wird, die Bank informieren, solange noch eine kleine Chance auf einen Rückruf besteht, Anzeige bei einer beliebigen Polizeidienststelle oder Online-Wache erstatten, und das Profil bei der Plattform melden, damit die nächste Person nicht in dieselbe Falle läuft. Keiner dieser Schritte hängt davon ab, wie sicher du dir schon bist oder wie viel Geld bereits geflossen ist.

Die Anzeige bringt dir selten dein Geld zurück, das ist eine ehrliche, keine entmutigende Feststellung. Sie kostet nichts, dokumentiert den Vorfall offiziell und trägt zu einem größeren Bild bei, das anderen Betroffenen und künftigen Ermittlungen helfen kann. Für die eigene finanzielle Situation sind Bank und Verbraucherzentrale die richtigen Ansprechpartner, für die emotionale Seite die Telefonseelsorge oder eine Opferhilfeorganisation wie der WEISSER RING.

Was am wenigsten hilft, ist Schweigen aus Scham. Diese Betrugsform ist professionell aufgebaut und darauf ausgelegt, echte Gefühle auszunutzen, nicht auf Naivität zu treffen. Wer die Schritte aus diesem Artikel abarbeitet, hat nach einem Romance Scam getan, was in der eigenen Macht steht, und kann sich danach wieder auf das konzentrieren, was zählt: sich zu erholen und, mit dem gewonnenen Wissen über die Warnsignale aus dem Artikel Romance Scam erkennen, neue Kontakte beim Online-Dating künftig etwas wacher anzugehen, etwa mit den Vorsichtsmaßnahmen aus dem Artikel Sicheres erstes Treffen nach dem Online-Dating oder, falls Profil und Fotos schon vorab misstrauisch wirken, mit den Prüfmethoden aus dem Artikel Fake-Profile erkennen. Wer sich danach neu orientieren möchte, findet eine Einordnung seriöser Anbieter im Vergleich der Singlebörsen und Dating-Apps.

Häufige Fragen

Wie erstatte ich Anzeige wegen Romance Scam?

Du gehst mit deinen gesicherten Beweisen, also Chatverlauf, Profil, Zahlungsbelegen und Kontodaten des Empfängers, zu einer beliebigen Polizeidienststelle oder nutzt die Online-Wache deines Bundeslandes. Die Anzeige richtet sich gegen Unbekannt, ein echter Name ist dafür nicht nötig, und sie kostet nichts.

Bekomme ich mein Geld nach einem Romance Scam zurück?

Die Chancen sind meist gering, weil die Täter fast immer im Ausland sitzen und mit kaum rückverfolgbaren Zahlungswegen arbeiten. Am ehesten lässt sich noch etwas retten, wenn du deine Bank innerhalb weniger Stunden nach einer klassischen Überweisung informierst und einen Rückruf verlangst, eine Garantie gibt es dafür aber nicht.

Muss ich mich schämen, wenn ich auf Romance Scam hereingefallen bin?

Nein. Die Masche ist gezielt darauf ausgelegt, Vertrauen und echte Gefühle auszunutzen, und trifft Menschen unabhängig von Bildung oder Erfahrung im Netz. Scham hält viele davon ab, überhaupt Anzeige zu erstatten, dabei hilft genau das, weitere Fälle aufzuklären.

Was ist der Unterschied zwischen einer Anzeige und einer Zivilklage bei Romance Scam?

Die Strafanzeige richtet sich an den Staat und kann zu Ermittlungen und einer Verurteilung führen, ohne dass du selbst Geld zurückbekommst. Eine Zivilklage müsstest du selbst gegen eine bekannte, verklagbare Person führen, um eine Rückzahlung zu erstreiten. Bei anonymen Tätern im Ausland ist das in der Praxis kaum umsetzbar, weshalb die Anzeige meist der einzige gangbare Weg bleibt.

Was passiert, nachdem ich die Anzeige bei der Polizei abgegeben habe?

Die Polizei nimmt die Anzeige auf, sichert die von dir übergebenen Beweise und gibt den Vorgang an die zuständige Staatsanwaltschaft weiter. Bei Tätern im Ausland bleiben die Ermittlungen oft ohne konkretes Ergebnis für deinen Einzelfall, die Daten fließen aber in ein größeres Lagebild ein und können anderen Ermittlungen helfen.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 30. September 2026

Sven Albrecht
Über die Autorin / den Autor
Sven Albrecht

Sven prüft, was Dating-Plattformen mit den Daten ihrer Mitglieder machen: Wie lange wird gespeichert, wie leicht lässt sich ein Konto löschen, wie ernst wird Sicherheit genommen. Er kennt die gängigen Maschen von Fake-Profilen und erklärt, woran man sie erkennt.

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