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Krypto-Betrug beim Dating: So läuft Pig Butchering ab

Krypto-Betrug beim Dating erkennen: wie Pig Butchering mit Trading-Apps und Schein-Gewinnen abläuft, welche Warnzeichen zählen und was du jetzt tun kannst.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
Redakteur für Datenschutz und Sicherheit · 7. Oktober 2026 · 22 Min. Lesezeit

Krypto-Betrug beim Dating fällt vielen erst auf, wenn das Geld schon weg ist, weil er ganz anders aussieht als der bekannte Liebesbetrug. Niemand erzählt von einer Notoperation oder einem festgehaltenen Paket. Dein Match bittet dich nie um Geld. Stattdessen erzählt die Person beiläufig, wie gut es mit ihren Investments in Kryptowährung läuft, zeigt Screenshots von Gewinnen und bietet irgendwann an, dir zu zeigen, wie das geht. Du zahlst auf einer Plattform ein, die echt aussieht, siehst dein Guthaben wachsen und legst nach. Erst beim Versuch, Geld abzuheben, kommt die Wende: Plötzlich sollen Steuern, Gebühren oder eine Sicherheitsleistung fällig sein. Die Plattform ist gefälscht, die Gewinne existieren nur auf dem Bildschirm, und das eingezahlte Geld ist längst bei den Tätern. Wer die einzelnen Schritte kennt, erkennt die Masche früh genug.

Krypto-Betrug beim Dating: Was hinter der Masche steckt

Die Masche hat mehrere Namen, die alle dasselbe Muster beschreiben. Wer die Begriffe kennt, findet bei Polizei, Aufsichtsbehörden und Medien schneller die passenden Warnungen.

Pig Butchering

Sophos und andere Sicherheitsforscher verwenden für die Masche auch den chinesischen Namen „Sha Zhu Pan“, Pig Butchering ist die englische Entsprechung, sinngemäß „Schweineschlachten“. Das Bild ist drastisch, trifft den Ablauf aber genau: Das Opfer wird zuerst „gemästet“, mit Aufmerksamkeit, Zuneigung und später mit scheinbaren Gewinnen, und am Ende „geschlachtet“, also finanziell ausgenommen. Das Internet Crime Complaint Center des FBI hat 2022 öffentlich vor diesem Schema gewarnt. Es beschreibt Täter, die sich als erfolgreiche Krypto-Trader ausgeben, über soziale Medien oder Dating-Apps Kontakt aufnehmen, sich als potenzieller Partner oder als alte Bekanntschaft ausgeben und ihre Opfer dann Schritt für Schritt durch Einzahlungen auf gefälschten Websites und Apps führen. Die Plattformen zeigen dabei wachsende Gewinne an. Wer auszahlen will, soll erst Einkommensteuer oder zusätzliche Gebühren zahlen.

CryptoRom

Unter dem Namen CryptoRom hat das Sicherheitsunternehmen Sophos eine Variante untersucht, bei der der Kontakt über bekannte Dating-Apps wie Tinder oder Bumble beginnt. Das Besondere daran sind die gefälschten Trading-Apps: Sie werden nicht über den normalen Weg im App Store installiert, sondern zum Beispiel als Web-Verknüpfung auf dem Startbildschirm oder über Apples Testprogramm TestFlight, das eigentlich für das Ausprobieren unfertiger Apps gedacht ist. Laut Sophos wurden Konten eingefroren, sobald Betroffene ihr Geld abziehen wollten, und für die Freigabe wurde eine angebliche Gewinnsteuer verlangt.

Cybertrading-Betrug

In Deutschland verwenden Polizei und Verbraucherschützer häufig den Oberbegriff Cybertrading-Betrug oder Trading-Scam. Gemeint sind betrügerische Online-Handelsplattformen, die hohe Renditen mit Kryptowährungen, Devisen oder Differenzkontrakten (CFD) versprechen. Laut Polizeilicher Kriminalprävention findet auf solchen Plattformen in der Regel gar kein Handel statt, die Software zeigt nur erfundene Transaktionen und Gewinne. Der Dating-Kontakt ist bei dieser Form nur einer von mehreren Zugängen. Andere Opfer werden über Werbeanzeigen, WhatsApp-Gruppen oder angebliche Börsenclubs angelockt.

Der Unterschied zum klassischen Romance Scam

Der wichtigste Punkt für die Selbstprüfung: Beim klassischen Romance Scam steht am Ende eine Bitte um Geld, verpackt in eine Notlage. Wie du dieses Muster erkennst, steht ausführlich im Ratgeber Romance Scam erkennen. Beim Krypto-Betrug im Dating fehlt diese Bitte. Die Täter verkaufen dir eine Chance. Du überweist das Geld scheinbar auf dein eigenes Konto, auf deinen Namen, für deinen Gewinn. Genau deshalb greifen die bekannten Warnsignale hier oft nicht.

MerkmalKlassischer Romance ScamKrypto-Betrug beim Dating
Wofür fließt Geld?Für eine Notlage der anderen PersonFür deine eigene angebliche Geldanlage
Wer fragt?Das Match bittet direktDas Match empfiehlt, du entscheidest scheinbar selbst
Rolle der PersonHilfsbedürftig, in SchwierigkeitenErfolgreich, wohlhabend, hilfsbereit
Was du siehstGeschichten, Fotos, DokumenteEin Konto mit wachsendem Guthaben
Wann es kipptBei der nächsten, größeren ForderungBeim Versuch, Geld auszuzahlen
Typischer NachschlagWeitere NotfälleSteuern, Gebühren, Kaution für die Auszahlung

Der Ablauf von Pig Butchering in sieben Schritten

Die einzelnen Fälle unterscheiden sich in Details, das Grundmuster wiederholt sich aber erstaunlich genau. Polizei, BaFin, Verbraucherzentrale und FBI beschreiben die gleichen Etappen.

1. Ein Match, das gut zu dir passt

Der Kontakt beginnt auf einer Dating-App, in sozialen Netzwerken oder mit einer scheinbar falsch adressierten Nachricht („Hallo Anna, steht unser Termin morgen noch?“), auf die du freundlich antwortest. Die Profile wirken gepflegt: gute Fotos, ein interessanter Beruf, häufig etwas mit Finanzen oder einem eigenen Unternehmen. Viele Profile zeigen einen Lebensstil mit Reisen, Restaurants und Autos, ohne dabei angeberisch zu wirken. Wie sich gestohlene Bilder und erfundene Profile allgemein entlarven lassen, steht im Artikel Fake-Profile erkennen.

2. Schneller Wechsel in einen Messenger

Nach wenigen Nachrichten kommt der Vorschlag, auf WhatsApp, Telegram oder einen anderen Messenger umzusteigen. Für die Täter hat das einen klaren Vorteil: Die Dating-Plattform kann das Profil dann nicht mehr sperren und den Verlauf nicht mehr prüfen. Ein solcher Wechsel ist für sich genommen oft harmlos. Wann er zum Warnsignal wird, erklärt der Beitrag Match will sofort zu WhatsApp wechseln.

3. Vertrauen über Alltag, nicht über Dramatik

Es folgen Tage oder Wochen mit vielen Nachrichten. Guten Morgen, Fotos vom Essen, Fragen nach deinem Tag, nach deiner Arbeit, deiner Familie, deinen Plänen. Die Verbraucherzentrale beschreibt, dass angebliche Profi-Trader gezielt ein persönliches Verhältnis aufbauen, um Vertrauen zu schaffen. Beim Dating übernimmt diese Rolle das Match selbst. Auffällig ist, wie wenig Druck in dieser Phase herrscht. Das macht die Person glaubwürdig.

4. Das Thema Geld kommt beiläufig

Irgendwann erwähnt dein Gegenüber, dass es nebenbei mit Kryptowährung handelt. Vielleicht hilft ein Onkel, eine Tante oder ein Mentor mit „Insiderwissen“, vielleicht gibt es eine Strategie, die angeblich zuverlässig funktioniert. Es folgen Screenshots mit Gewinnen. Anfangs gibt es kein Angebot, nur Andeutungen. Häufig fragt die Person nach deinen finanziellen Zielen, nach deiner Rente oder danach, ob du mit deinem Job zufrieden bist. So erfährt sie, wie viel Geld vorhanden ist und welcher Wunsch sich ansprechen lässt.

5. Der Einstieg mit kleinem Betrag

Sobald du Interesse zeigst, kommt das Angebot, dir alles zu zeigen. Du sollst eine bestimmte Plattform oder App nutzen, oft über einen Link, den nur dein Match kennt. Die Einzahlung läuft meist so: Du kaufst bei einer echten, bekannten Krypto-Börse eine Kryptowährung und schickst sie an eine Adresse, die dir die Plattform anzeigt. Damit verlässt das Geld deine Kontrolle. Der erste Betrag ist klein, und manchmal klappt sogar eine erste Auszahlung. Diese Auszahlung ist Teil des Plans: Sie soll beweisen, dass alles echt ist.

6. Schein-Gewinne und Druck zum Nachlegen

Jetzt wächst das Guthaben auf dem Bildschirm schnell. Dein Match lobt dich, plant vielleicht schon gemeinsame Urlaube oder ein Leben zusammen, das von den Gewinnen bezahlt werden soll. Dazu kommen Gelegenheiten, die angeblich nur kurz offen sind: ein besonderes Handelsfenster, ein VIP-Status ab einer bestimmten Einzahlung, ein Bonus. Wer dafür Ersparnisse auflöst oder sogar einen Kredit aufnimmt, setzt immer mehr aufs Spiel. Das FBI beschreibt genau dieses Coaching zu immer neuen Einzahlungen als Kern der Masche.

7. Die Auszahlung scheitert

Wenn du größere Summen abheben willst, tauchen Hindernisse auf. Die BaFin nennt als typische Begründungen angebliche Steuern, Liquiditätsnachweise oder Gebühren. Eine weitere Variante ist die sogenannte Spiegeltransaktion: Du sollst den gleichen Betrag noch einmal einzahlen, um dein Handelskonto mit deinem Bankkonto zu „verknüpfen“, und bekommst angeblich beides zurück. Auch Hinweise auf Geldwäschevorschriften, eine verdächtige Aktivität oder eine notwendige Kontoverifizierung gegen Gebühr sind verbreitet. Zahlst du, folgt die nächste Forderung. Zahlst du nicht mehr, bricht der Kontakt ab, das Konto wird gesperrt oder die Plattform verschwindet. Oft verschwindet auch das Match.

Trading-App-Betrug beim Dating: So erkennst du die gefälschte Plattform

Die Plattformen sind der eigentliche Kern des Betrugs, und sie sind gut gemacht. Laut Polizei wirken sie seriös und werden professionell beworben. Ein schickes Design sagt deshalb nichts aus. Diese Merkmale helfen eher weiter.

Wie du an die App kommst

Eine seriöse Handelsplattform erreichst du über ihre eigene, bekannte Adresse oder über die offizielle App im App Store oder bei Google Play, die du selbst suchst. Bei CryptoRom-Fällen kamen die Apps dagegen über Umwege aufs Handy: als Verknüpfung zu einer Website, die wie eine App aussieht, über Testprogramme oder über Installationsdateien, die du außerhalb des Stores laden sollst. Sophos berichtet außerdem von gefälschten Apps, die es zeitweise sogar in die offiziellen Stores geschafft haben. Der Store allein ist also kein Echtheitsbeweis. Eine App, die dir jemand per Link schickt und die du selbst nirgends findest, ist aber ein klares Warnzeichen.

Wer dahintersteht

Prüfe das Impressum. Die Verbraucherzentrale rät, auf einen vollständigen Firmennamen, eine echte Adresse, Angaben zur Registrierung und zur zuständigen Aufsichtsbehörde zu achten. Fehlt das, ist die Adresse ein Bürodienstleister oder ein Briefkasten, oder steht dort eine Firma in einem Land ohne jede Verbindung zum Angebot, solltest du die Finger davon lassen. Achte auch darauf, ob sich der Name der Plattform leicht von einem bekannten Unternehmen unterscheidet. Ähnlich klingende Namen sind ein verbreiteter Trick.

Wie der Kontakt läuft

Bei echten Banken und Börsen meldest du dich bei Fragen beim Kundenservice. Bei Fake-Plattformen meldet sich jemand bei dir: ein „persönlicher Berater“, ein „Kontomanager“ oder dein Match selbst, das dir erklärt, wann du kaufen sollst. Die Verbraucherzentrale beschreibt diese Berater ausdrücklich als Teil der Masche. Sie drängen zum Investieren oder spähen Daten aus.

Fernzugriff auf dein Gerät

Ein besonders ernstes Warnzeichen ist die Bitte, eine Fernwartungssoftware zu installieren, damit dir jemand „beim Trading helfen“ kann. Laut BaFin nutzen Kriminelle diesen Zugang, um auf Laptop, Tablet oder Smartphone zuzugreifen, teils auch auf das Online-Banking, und um in deinem Namen Krypto-Konten oder Wallets zu eröffnen. Polizei und Verbraucherzentrale sind sich hier einig: Kein seriöser Anbieter verlangt Zugriff auf dein Gerät.

Merkmale im Überblick

Seriöse HandelsplattformGefälschte Plattform
Du findest sie selbst, sie ist breit bekanntDu kennst sie nur über dein Match oder einen Link
Vollständiges Impressum, prüfbare ErlaubnisImpressum fehlt, ist vage oder führt ins Ausland ins Leere
Auszahlungen ohne Vorab-ZahlungAuszahlung erst nach Steuern, Gebühren, Kaution
Kundenservice auf AnfrageBerater melden sich ungefragt und drängen
Keine GewinnversprechenHohe, sichere Rendite in kurzer Zeit
Kein Fernzugriff auf deine GeräteFernwartungssoftware soll „helfen“

Warnzeichen im Chat, bevor überhaupt Geld fließt

Viele Hinweise zeigen sich schon im Gespräch, lange bevor du eine App installierst. Einzeln sind sie kein Beweis. Mehrere zusammen ergeben ein Bild, das du ernst nehmen solltest.

  • Geld ist früh ein Thema. Über Investments, Rendite, finanzielle Freiheit oder den „richtigen Zeitpunkt“ zu sprechen, ist in einer frischen Kennenlernphase ungewöhnlich, vor allem wenn das Thema immer wieder auftaucht.
  • Das Match hat ein Erfolgsrezept. Ein Familienmitglied mit Insiderwissen, ein Analyseprogramm, eine Strategie mit angeblich garantierter Rendite. Niemand mit echtem Wissen über Märkte verspricht sichere Gewinne.
  • Es gibt Screenshots statt Belegen. Bilder von Kontoständen lassen sich leicht fälschen. Echte Nachweise würde niemand einer Online-Bekanntschaft schicken.
  • Treffen werden verschoben, aber die Pläne werden größer. Gemeinsame Zukunft, Reisen, ein Haus, finanziert aus den Gewinnen, während ein einfaches Treffen oder ein Videoanruf nie klappt.
  • Zeitdruck. Ein Handelsfenster schließt heute Nacht, ein Bonus gilt nur noch bis Freitag. Die Verbraucherzentrale nennt Formulierungen wie „nur heute“ oder „nur jetzt“ als typisches Signal.
  • Diskretion. Du sollst niemandem davon erzählen, weil die Strategie geheim sei oder deine Familie es „nicht verstehen“ würde.
  • Gekränkte Reaktion auf Skepsis. Wenn du zögerst, wirkt dein Match enttäuscht, verletzt oder zieht sich zurück, bis du nachgibst.
  • Gesprächsverlauf wie aus einem Skript. Manche Antworten passen nicht zu deiner Frage, der Tonfall schwankt, Nachrichten kommen zu ungewöhnlichen Zeiten. Hinter solchen Konten stehen oft Teams mit Gesprächsvorlagen, laut Sophos teils auch mit Hilfe von KI-Chatprogrammen. Mehr dazu im Beitrag über KI-Chatbots in Dating-Apps.

Eine einfache Faustregel fasst das zusammen: Investiere nicht auf Rat einer Person, die du nur online kennst.

Prüfen, bevor du investierst: Schritt für Schritt

Vielleicht bist du dir unsicher und willst nicht vorschnell urteilen. Dann hilft eine nüchterne Prüfung, die keine Fachkenntnisse braucht. Sie dauert weniger als eine Stunde.

  1. Kein Geld, solange die Prüfung läuft. Sag deinem Match, dass du dir Zeit nimmst. Eine ehrliche Person akzeptiert das. Wer dich jetzt drängt, liefert dir die Antwort selbst.
  2. BaFin-Unternehmensdatenbank durchsuchen. Wer in Deutschland Bankgeschäfte, Finanzdienstleistungen oder Dienstleistungen mit Kryptowerten anbietet, braucht dafür grundsätzlich eine Erlaubnis. Ob ein Unternehmen eine hat, zeigt die Unternehmensdatenbank auf der Website der BaFin. Zugelassene Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen veröffentlicht die BaFin außerdem im MiCAR-Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA, das auch Anbieter mit Zulassung aus anderen EU-Staaten aufführt. Findest du die Plattform weder dort noch in der BaFin-Datenbank, ist das ein starkes Warnzeichen. Ein Eintrag allein beweist allerdings nichts, denn Betrüger geben sich gern als echte, zugelassene Unternehmen aus.
  3. Verbraucherwarnungen der BaFin lesen. Die BaFin veröffentlicht laufend Warnungen vor Websites und Plattformen, die ohne Erlaubnis Geschäfte betreiben. Viele betrügerische Plattformen treten in Serien mit wechselnden Adressen auf. Suche deshalb nach dem Namen, aber auch nach Bestandteilen wie dem Werbeversprechen.
  4. Fake-Check Geldanlage nutzen. Die Verbraucherzentralen bieten ein kostenloses Online-Werkzeug an, das dich mit Fragen durch die typischen Merkmale unseriöser Angebote führt, auch für Trading-Plattformen und Krypto-Anlagen.
  5. Impressum und Adresse prüfen. Gibt es eine echte Firmenanschrift? Ist sie über eine Kartensuche als Bürogebäude dieses Unternehmens erkennbar? Stimmt der Firmenname im Impressum mit dem Namen der Plattform überein?
  6. Namen und Adresse der Plattform suchen. Gib den Namen zusammen mit Begriffen wie „Betrug“, „Erfahrungen“ oder „Warnung“ in die Suchmaschine ein. Fehlen Ergebnisse, beruhigt das nicht: Neue Plattformen gibt es oft erst seit wenigen Wochen.
  7. Die Person prüfen. Mach eine Bilderrückwärtssuche mit den Fotos deines Matches und bitte um einen spontanen Videoanruf. Ein Videoanruf ist zwar kein endgültiger Beweis, aber eine dauerhafte Weigerung ist ein deutliches Signal.
  8. Mit jemandem außerhalb sprechen. Erzähl einer Person, der du vertraust, von dem Angebot. Ein Blick von außen erkennt Widersprüche, die dir in der emotionalen Nähe entgehen.

Bleibt nach dieser Prüfung auch nur ein Zweifel, investiere nicht. Wenn du dein Geld anlegen möchtest, kannst du das jederzeit über deine Hausbank oder einen Anbieter tun, den du selbst ausgewählt und geprüft hast, ohne dass dein Match davon erfährt.

Warum auch vorsichtige Menschen darauf hereinfallen

Wer von dieser Masche hört, denkt oft: Auf so etwas würde ich nie hereinfallen. Die Masche ist aber gerade darauf gebaut, Menschen zu erreichen, die bei klassischen Betrugsversuchen misstrauisch würden. Wie gut das gelingt, zeigt eine Angabe des FBI: Im Rahmen der Operation Level Up warnen US-Ermittler Menschen, die gerade auf einen solchen Krypto-Anlagebetrug hereinfallen. Rund 77 Prozent der Angesprochenen wussten laut FBI nicht, dass sie betrogen werden.

Es gibt keine Bitte, die abzulehnen wäre

Viele Menschen haben gelernt: Wenn jemand aus dem Internet nach Geld fragt, ist Schluss. Hier fragt niemand. Du triffst scheinbar eine eigene Anlageentscheidung, das Geld fließt scheinbar auf dein eigenes Konto. Der innere Alarm, der bei „Kannst du mir 2.000 Euro leihen?“ sofort losgeht, bleibt still.

Der Gewinn ist sichtbar

Auf der Plattform steht schwarz auf weiß, dass dein Geld sich vermehrt. Vielleicht hat sogar eine erste kleine Auszahlung funktioniert. Diese Bestätigung wirkt stärker als jede Erklärung. Jede neue Einzahlung fühlt sich deshalb wie eine vernünftige Entscheidung an, nicht wie ein Risiko.

Die Person wirkt kompetent und großzügig

Das Match will dir ja helfen. Es teilt sein Wissen, investiert vielleicht scheinbar sogar eigenes Geld auf deinem Konto, um dir den Einstieg zu erleichtern. Wer so großzügig ist, dem misstraut man ungern. Und wer nicht viel von Kryptowährung versteht, vertraut der Person, die scheinbar Ahnung hat.

Der Ausstieg wird immer teurer

Je mehr Guthaben auf dem Bildschirm steht, desto schwerer fällt es, eine weitere Gebühr zu verweigern. Wer 40.000 Euro angezeigt bekommt, zahlt leichter noch einmal 4.000, um „sein“ Geld freizubekommen. Die Täter wissen das und setzen die Nachforderungen genau so an.

Scham ist deshalb fehl am Platz. Hinter diesen Plattformen stehen nach Recherchen von Sophos gut organisierte Gruppen, die arbeitsteilig vorgehen und die Chats von eigens dafür eingesetzten Schreibern führen lassen. Wer darauf hereinfällt, war nicht naiv, sondern einem professionell geplanten Betrug ausgesetzt.

Investmentbetrug im Online-Dating: Was tun, wenn du schon eingezahlt hast?

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dein Match oder deine Plattform genau so funktioniert, ist das ein schwerer Moment. Die folgenden Schritte helfen, weiteren Schaden zu begrenzen. Sie ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Sofort: nichts mehr nachzahlen

Zahle keine Steuern, Gebühren, Kautionen oder Verifizierungsbeträge, egal wie dringend die Forderung klingt und egal, mit welchen Konsequenzen gedroht wird. Polizei, BaFin und Verbraucherzentrale beschreiben die Auszahlungssperre mit Nachforderung als typisches Kennzeichen des Betrugs. Jede weitere Zahlung geht in dieselbe Tasche.

Beweise sichern, bevor alles verschwindet

Plattformen und Profile können innerhalb von Stunden offline gehen. Sichere deshalb zuerst:

  • Screenshots aller Seiten der Plattform, besonders Kontostand, Ein- und Auszahlungsübersicht, Impressum und Adresse der Website
  • den kompletten Chatverlauf mit dem Match, auf der Dating-App und im Messenger, inklusive Profilname, Telefonnummer und Profilbildern
  • Kontoauszüge, Überweisungsbelege und bei Krypto-Zahlungen die Transaktions-IDs und die Wallet-Adressen, an die du gezahlt hast
  • E-Mails und Nachrichten der angeblichen Berater, Kontoverwalter oder des Supports

Wie du Chats und Belege so ablegst, dass sie für eine Anzeige taugen, beschreibt der Leitfaden Romance Scam: Anzeige erstatten Schritt für Schritt.

Bank und Krypto-Börse informieren

Ruf umgehend deine Bank an. Frische Überweisungen lassen sich in manchen Fällen noch stoppen oder zurückrufen, je früher, desto eher. Hast du über eine echte Krypto-Börse gekauft und von dort weitergeschickt, informiere auch diese Börse. Deine Angaben dort und die Transaktionsdaten können bei den Ermittlungen helfen. Krypto-Transaktionen selbst lassen sich in der Regel nicht rückgängig machen, deshalb ist eine realistische Erwartung wichtig.

Geräte und Zugänge absichern

Falls du eine Fernwartungssoftware installiert hast, trenne das Gerät vom Internet, deinstalliere die Software und lass das Gerät im Zweifel fachkundig prüfen. Ändere von einem sauberen Gerät aus die Passwörter für Online-Banking, E-Mail und Krypto-Börsen und schalte die Zwei-Faktor-Anmeldung ein. Lösche gefälschte Trading-Apps und entferne Profile, die über Testprogramme installiert wurden. Prüfe deine Kontoauszüge in den nächsten Wochen auf unbekannte Bewegungen. Wenn du über die Plattform Ausweisdokumente hochgeladen hast, informiere die Polizei bei der Anzeige darüber, weil damit Missbrauch deiner Identität möglich ist.

Anzeige erstatten

Erstatte Anzeige bei der Polizei, persönlich bei jeder Dienststelle oder über die Online-Wache deines Bundeslandes. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt diesen Schritt ausdrücklich. Auch wenn die Täter oft im Ausland sitzen: Ohne Anzeige kann niemand ermitteln, und deine Angaben können helfen, Muster und Plattformserien zu erkennen.

Profil melden

Melde das Profil, über das der Kontakt begann, bei der Dating-App. Auch wenn ihr längst im Messenger geschrieben habt, kann die Plattform das Konto sperren und so andere schützen. Im Messenger kannst du die Nummer ebenfalls melden und blockieren, nachdem du die Beweise gesichert hast.

Nicht allein bleiben

Ein solcher Verlust trifft doppelt: das Geld und das Vertrauen in eine Person, an der dir etwas lag. Sprich mit Menschen, denen du vertraust. Wenn dich die Situation stark belastet, erreichst du die Telefonseelsorge kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Auch die Verbraucherzentrale in deinem Bundesland berät bei Anlagebetrug.

Die zweite Falle: Recovery Scam und Fake-Kanzleien

Kurz nach dem Verlust oder auch Monate später kann sich jemand melden, der dir helfen will, dein Geld zurückzuholen. Das kann ein angebliches Ermittlerteam sein, eine Kanzlei für Kryptobetrug, eine „Rückholagentur“, eine Behörde oder ein Unternehmen, das per Blockchain-Analyse dein Geld aufspüren will. Manche finden dich über Online-Werbung, andere schreiben dich direkt an. Gerade wenn sie direkt auf dich zukommen, ist Vorsicht nötig: Woher sollten sie von deinem Fall wissen?

Vor dieser sogenannten Recovery-Scam-Masche warnen BaFin und Polizei ausdrücklich. Sie richtet sich gezielt an Menschen, die bereits Opfer geworden sind. Die Polizeiliche Kriminalprävention warnt vor Fake-Kanzleien, die Geschädigten schnelle Hilfe von angeblichen Spezialisten versprechen. Die BaFin warnt davor, dass Betrüger sich als Helfer ausgeben, teils sogar im Namen der BaFin oder anderer vertrauenswürdiger Stellen auftreten und Geschädigten erzählen, ihr Geld sei gefunden oder gesichert worden. Für die Auszahlung sollen sie dann vorab Steuern, Gebühren oder ähnliche Kosten zahlen.

Daran erkennst du die zweite Falle:

  • Die Helfer melden sich von selbst, obwohl du sie nie kontaktiert hast.
  • Sie kennen Details zu deinem Fall, die eigentlich nur die Täter kennen.
  • Sie versprechen eine sichere oder sehr hohe Rückholquote.
  • Sie verlangen Geld im Voraus, in Kryptowährung oder per Überweisung ins Ausland.
  • Sie wollen Fernzugriff auf deinen Computer, um „die Transaktionen nachzuverfolgen“.
  • Sie berufen sich auf die BaFin, Europol, Interpol oder ein Gericht. Die BaFin stellt klar, dass sie Verbraucher nur in Ausnahmefällen selbst kontaktiert und keine Dritten damit beauftragt.

Wenn du anwaltliche Hilfe suchst, wende dich selbst an eine Kanzlei, die du über die zuständige Rechtsanwaltskammer prüfen kannst, oder an die Verbraucherzentrale. Gib keine Daten heraus, wenn dich jemand ungefragt kontaktiert, und lass dich nicht auf ein Gespräch ein. Auch solche Kontaktversuche kannst du bei der Polizei anzeigen.

Typische Fehler, die den Schaden vergrößern

Manche Reaktionen sind verständlich, machen die Lage aber schlimmer. Die folgenden Fehler tauchen in den Warnungen von Polizei und Verbraucherschützern immer wieder auf.

FehlerWarum er schadetBesser
„Nur noch diese eine Gebühr“ zahlenNach jeder Zahlung folgt die nächste ForderungKeine Zahlung mehr an die Plattform
Dem Match von deinem Verdacht erzählenDie Täter löschen dann oft Konten und BeweiseErst Beweise sichern, dann Kontakt beenden
Fernwartung weiterlaufen lassenZugriff auf Gerät und Online-Banking bleibt bestehenSoftware entfernen, Passwörter ändern
Einen Kredit aufnehmen, um auszuzahlenDer Verlust wächst, das Geld kommt trotzdem nichtMit Bank und Verbraucherzentrale sprechen
Einem Rückholdienst Vorkasse zahlenRecovery Scam, zweiter VerlustNur selbst gewählte, geprüfte Hilfe
Aus Scham schweigenFristen bei der Bank verstreichen, keine AnzeigeBank und Polizei so früh wie möglich

Ein weiterer Fehler betrifft dein Umfeld: Wenn Freunde oder Familie dich vorsichtig auf Zweifel ansprechen, ist der erste Impuls oft Verteidigung. Gerade bei dieser Masche lohnt es sich, solche Hinweise ernst zu nehmen und gemeinsam die Plattform zu prüfen.

Sonderfälle und verwandte Maschen

Nicht jeder Krypto-Betrug beginnt mit einem Herz-Emoji. Einige verwandte Varianten solltest du kennen, weil sie mit denselben Werkzeugen arbeiten.

Die falsch verbundene Nachricht

Eine fremde Nummer schreibt dir auf WhatsApp oder per SMS, scheinbar versehentlich. Du weist freundlich auf den Irrtum hin, die Person entschuldigt sich charmant, und ein Gespräch entsteht. Das FBI nennt genau diesen Einstieg, also den Kontakt unter dem Vorwand einer alten Bekanntschaft oder eines Irrtums, als Variante desselben Schemas. Hier gilt dieselbe Prüfung wie bei einem Dating-Match.

Investment-Gruppen in Messengern

Statt eines einzelnen Matches lädt man dich in eine WhatsApp- oder Telegram-Gruppe ein, in der ein angeblicher Experte Tipps gibt und viele Mitglieder von ihren Gewinnen schwärmen. Die BaFin und die Verbraucherzentrale warnen vor diesen Gruppen. Oft sind die anderen Mitglieder Teil der Inszenierung. Manchmal führt ein Dating-Kontakt direkt in eine solche Gruppe.

Gefälschte Login-Seiten echter Börsen

Statt einer erfundenen Plattform bekommst du einen Link zu einer Seite, die wie eine bekannte Krypto-Börse aussieht. Gibst du dort deine Zugangsdaten ein, haben die Täter Zugriff auf dein echtes Konto. Das ist im Kern Phishing. Wie du solche Links erkennst, steht im Ratgeber Phishing bei Dating-Apps erkennen.

Das Match ist keine Person, sondern ein Team

Bei professionellen Gruppen schreiben oft verschiedene Menschen unter einem Profil, unterstützt durch Vorlagen und Übersetzungsprogramme. Deshalb wirken manche Antworten plötzlich anders, oder der Kontakt kennt Details, die du nie erzählt hast, vergisst dafür andere. Solche Brüche sind ein Hinweis, kein Beweis. Zusammen mit dem Thema Geld sind sie aber ein ernstes Signal.

Jemand aus deinem Umfeld ist betroffen

Wenn du den Verdacht hast, dass ein Freund oder ein Familienmitglied gerade in eine solche Masche gerät, hilft Druck selten. Frag nach, interessiere dich für die Plattform und schlage vor, gemeinsam die BaFin-Datenbank oder den Fake-Check Geldanlage zu nutzen. Eine nüchterne Prüfung überzeugt oft mehr als ein Streit darüber, ob die Person „echt“ ist. Wie du das Gespräch aufbaust und welche Grenzen deine Hilfe hat, beschreibt der Ratgeber zu Love Scamming bei Angehörigen.

Wie Dating-Plattformen helfen können

Auf seriösen Dating-Plattformen hast du Werkzeuge, die im Messenger fehlen: Melde- und Blockierfunktionen, Moderation, oft auch eine Profilverifizierung. Es spricht deshalb viel dafür, ein neues Match erst einmal dort kennenzulernen und den Wechsel in einen Messenger nicht zu überstürzen. Achte bei der Wahl deiner Plattform auf solche Funktionen. Einen Überblick über Anbieter und ihre Leistungen findest du im Anbietervergleich. Kein Schutzmechanismus erkennt allerdings jede Masche. Die Grundregel bleibt deshalb bei dir: Geldanlage und Partnersuche gehören nicht zusammen.

Fazit

Krypto-Betrug beim Dating funktioniert, weil er die bekannten Warnsignale umgeht. Niemand bittet um Geld, niemand erzählt von einer Notlage. Stattdessen bietet ein sympathisches, erfolgreiches Match dir eine Chance an, und eine professionell gestaltete Plattform zeigt dir wachsende Gewinne. Das Geld ist dennoch ab der ersten Einzahlung weg, und die angeblichen Steuern und Gebühren bei der Auszahlung sind nur der letzte Teil desselben Betrugs.

Schutz bieten wenige, klare Regeln. Investiere nie auf Empfehlung einer Person, die du nur online kennst. Prüfe jede Plattform in der Unternehmensdatenbank und den Warnungen der BaFin. Lass niemanden per Fernwartung auf deine Geräte. Und zahle niemals Geld, um eigenes Geld freizubekommen. Wenn es schon passiert ist: Beweise sichern, Bank anrufen, Anzeige erstatten, keine Nachzahlung und keine Vorkasse an angebliche Rückholer. Wer so handelt, verhindert weiteren Schaden und hilft dabei, dass andere nicht in dieselbe Falle geraten.

Häufige Fragen

Was ist Pig Butchering?

Pig Butchering ist ein Name für Anlagebetrug mit Kryptowährung, bei dem die Täter zuerst über Dating-Apps oder soziale Medien eine Freundschaft oder Beziehung aufbauen. Danach überreden sie ihr Gegenüber, auf einer gefälschten Plattform zu investieren. Das Bild dahinter: Das Opfer wird erst gemästet, mit Aufmerksamkeit und Schein-Gewinnen, und dann ausgenommen.

Was ist CryptoRom?

CryptoRom ist die Bezeichnung, unter der das Sicherheitsunternehmen Sophos eine Variante dieser Masche beschrieben hat: Kontakt über Dating-Apps wie Tinder oder Bumble, dann die Installation einer gefälschten Krypto-Trading-App. Inhaltlich meint CryptoRom dasselbe Muster wie Pig Butchering, nur mit dem Schwerpunkt auf den gefälschten Apps.

Kann ich mein Geld von einer Fake-Trading-Plattform zurückbekommen?

Das ist schwierig, und eine Garantie gibt es nicht. Je schneller du deine Bank informierst und Anzeige erstattest, desto eher lassen sich frische Überweisungen manchmal noch stoppen. Kryptowährung, die bereits an eine fremde Wallet gegangen ist, lässt sich in aller Regel nicht einfach zurückholen. Misstraue jedem, der dir gegen Vorkasse genau das verspricht.

Woran erkenne ich, ob eine Trading-Plattform seriös ist?

Ein erster Schritt ist die Unternehmensdatenbank der BaFin: Wer in Deutschland Finanz- oder Kryptowerte-Dienstleistungen anbietet, braucht in der Regel eine Erlaubnis. Dazu kommen die Verbraucherwarnungen der BaFin, ein vollständiges Impressum mit echter Adresse und der Fake-Check Geldanlage der Verbraucherzentralen. Eine Plattform, die nur über einen privaten Link oder eine Test-App erreichbar ist, solltest du nicht nutzen.

Muss ich wirklich Steuern zahlen, bevor ich meine Gewinne auszahlen kann?

Nein. Die Forderung, vor einer Auszahlung Steuern, Gebühren oder eine Sicherheitsleistung an die Plattform zu überweisen, gehört zu den typischen Zeichen dieser Betrugsmasche. Polizei, BaFin und Verbraucherzentrale nennen sie ausdrücklich als Warnsignal. Zahle nichts nach, sondern sichere Beweise und erstatte Anzeige.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 7. Oktober 2026

Sven Albrecht
Über die Autorin / den Autor
Sven Albrecht

Sven prüft, was Dating-Plattformen mit den Daten ihrer Mitglieder machen: Wie lange wird gespeichert, wie leicht lässt sich ein Konto löschen, wie ernst wird Sicherheit genommen. Er kennt die gängigen Maschen von Fake-Profilen und erklärt, woran man sie erkennt.

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