Love Scamming bei Angehörigen: Wie du helfen kannst, ohne zu verletzen
Love Scamming bei Angehörigen erkennen und richtig reagieren: Warnzeichen, ein Gespräch ohne Vorwürfe, Bank, Polizei, Beweise und Schutz vor Rückholbetrug.
Love Scamming bei Angehörigen zu bemerken, ist eine der unangenehmsten Lagen, in die du als Tochter, Sohn, Bruder, Freundin oder Kollege geraten kannst. Von außen wirkt die Sache oft eindeutig: Die Mutter überweist Geld an einen Mann, den sie nie getroffen hat, der Freund nimmt einen Kredit auf, weil die Frau aus dem Chat angeblich am Flughafen festsitzt. Für die betroffene Person fühlt es sich völlig anders an. Sie erlebt eine Beziehung, Zuneigung, vielleicht das erste Mal seit Jahren jemanden, der zuhört. Wer diese Beziehung frontal angreift, verliert oft genau das, was jetzt am meisten zählt: das Vertrauen. Hilfreich ist ein ruhiger, beharrlicher Weg aus drei Teilen. Erstens die Warnzeichen richtig deuten. Zweitens ein Gespräch führen, das die Person nicht bloßstellt. Drittens die praktischen Schritte, die Schaden begrenzen: Zahlungen stoppen, Bank, Beweise, Anzeige, Beratung. Dazu kommt ein vierter Punkt, den viele übersehen: der Schutz vor dem Rückforderungsbetrug, der nach dem Auffliegen oft folgt.
Wie die Masche aus Sicht der Betroffenen abläuft und an welchen Phasen sie sich zeigt, beschreibt der Artikel Romance Scam erkennen. Hier geht es um den Blick von außen und um die Frage, was du tun kannst, wenn es nicht dein eigenes Konto ist.
Love Scamming bei Angehörigen erkennen: Warnzeichen von außen
Love Scamming, auch Romance Scamming oder Liebesbetrug genannt, ist Betrug mit gefälschten Profilen: Täter spielen über Dating-Plattformen, soziale Netzwerke oder Messenger eine Liebesbeziehung vor, um ihren Opfern Geld abzunehmen. Die Polizeiliche Kriminalprävention nennt typische Muster: viele Komplimente und schnelle Pläne für eine gemeinsame Zukunft, bevor man sich je gesehen hat, Treffen, die in letzter Minute wegen eines Unfalls, einer Krankheit oder eines Verbrechens platzen, und schließlich die dringende Bitte um Geld, etwa für eine Operation oder ein Flugticket.
Du siehst diese Chats in der Regel nicht. Was du siehst, sind die Spuren, die sie im Alltag hinterlassen. Einzeln sagt keines dieser Zeichen viel. Wenn mehrere zusammenkommen, lohnt sich ein genauerer Blick.
Veränderungen im Verhalten
Die Person ist auffällig oft am Handy, auch zu Uhrzeiten, die nicht zu ihrem bisherigen Rhythmus passen. Das kann an der Zeitverschiebung liegen, denn viele angebliche Partner leben nach eigener Aussage im Ausland, auf einer Bohrinsel, im Auslandseinsatz oder auf Montage. Sie wirkt verliebt und gleichzeitig angespannt, schwankt zwischen Hochstimmung und Sorge. Sie zieht sich von Familie und Freundeskreis zurück oder reagiert gereizt auf Nachfragen zu der neuen Bekanntschaft. Manchmal kommt ein Satz wie: „Ihr würdet das sowieso nicht verstehen.“
Ein weiteres Zeichen ist Geheimhaltung. Wenn jemand, der sonst offen von seinem Leben erzählt, über die neue Beziehung kaum etwas sagt, keine gemeinsamen Fotos zeigt und auch nach Wochen kein Videotelefonat erwähnt, passt das ins Muster. Geheimhaltung schützt die Täter, weil sie die Person vom kritischen Blick anderer abschirmt.
Veränderungen beim Geld
Geld ist das Ziel jeder Masche dieser Art, deshalb zeigen sich hier die deutlichsten Spuren. Achte auf Fragen wie diese: Bittet die Person überraschend um ein Darlehen? Verkauft sie Wertsachen, löst sie Sparverträge auf, nimmt sie einen Kredit auf? Kauft sie Gutscheinkarten in größeren Mengen oder fragt, wie man Kryptowährung kauft? Geht sie mit ungewöhnlichen Beträgen zur Bank oder zum Bargeldtransferdienst? Spricht sie von Zoll, Gebühren, Anwälten oder einem Paket, das freigekauft werden muss?
Die Verbraucherzentrale nennt als klares Warnsignal, wenn eine Online-Bekanntschaft Geld möchte, bevor man sich überhaupt getroffen hat. Laut Polizei fordern Täter außerdem häufig Kopien von Ausweis oder Reisepass oder schlagen ein gemeinsames Konto vor. Auch das ist ein Warnzeichen, weil es Folgen für die Person selbst haben kann, dazu weiter unten mehr.
Die Geschichte hinter der Bekanntschaft
Erzählt dir die Person von ihrem neuen Partner, hör genau hin. Typisch sind Berufe, die Abwesenheit erklären: Soldat im Auslandseinsatz, Ärztin bei einer Hilfsorganisation, Ingenieur auf einer Ölplattform, Geschäftsmann mit einem Großauftrag im Ausland. Typisch ist auch ein Leben voller Pech, bei dem jedes Treffen an einem neuen Hindernis scheitert. Die Fotos wirken oft wie aus einem Katalog, die Person sieht auffallend gut aus und ist trotzdem angeblich seit Langem allein.
Wie sich gefälschte Profile genauer erkennen lassen, auch mit der Bilderrückwärtssuche, steht im Artikel Fake-Profile erkennen. Seit einiger Zeit kommen Maschen dazu, bei denen die Bekanntschaft kein Geld leihen will, sondern zu einer angeblich lukrativen Geldanlage rät. Das läuft unter Begriffen wie Pig Butchering und wird im Artikel Krypto-Betrug beim Dating ausführlich beschrieben.
Überblick: Was du beobachtest und was du tun kannst
| Was du beobachtest | Was dahinterstecken kann | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| Neue Online-Liebe, nie ein Videotelefonat, Treffen platzen ständig | Gefälschte Identität, die nicht gezeigt werden kann | Interessiert nachfragen, einen gemeinsamen Videocall vorschlagen |
| Bitte um ein Darlehen ohne nachvollziehbaren Grund | Geld fließt an die Online-Bekanntschaft | Fragen, wofür das Geld ist, nicht sofort zahlen |
| Gutscheinkarten, Krypto, Bargeldtransfer | Zahlungswege, die sich kaum zurückholen lassen | Ansprechen, Polizei-Infos gemeinsam lesen |
| Ausweiskopie verschickt, gemeinsames Konto geplant | Identitätsmissbrauch, Konto als Durchlaufstation | Bank informieren, Konto prüfen lassen |
| Rückzug, Gereiztheit bei Nachfragen | Scham, Bindung an die Online-Beziehung, Druck durch die Täter | Kontakt halten, kein Streit, Gesprächsangebot offenlassen |
| Plötzliche Hoffnung auf „Geld zurück“ über eine Kanzlei | Rückforderungsbetrug nach dem ersten Schaden | Keine Vorauszahlung, Kanzlei unabhängig prüfen |
Warum Betroffene es nicht glauben wollen
Der häufigste Fehler von Angehörigen ist die Annahme, es reiche, die Fakten auf den Tisch zu legen. Die Fakten sind oft längst bekannt. Viele Betroffene haben selbst Zweifel, verdrängen sie aber. Das hat Gründe, die mit Intelligenz nichts zu tun haben.
Die Bindung ist echt, auch wenn die Person es nicht ist
Love Scammer investieren Wochen oder Monate in eine Beziehung. Sie schreiben täglich, erinnern sich an Details, fragen nach dem Arzttermin und wünschen gute Nacht. Diese Aufmerksamkeit erzeugt eine echte emotionale Bindung. Die österreichische Kriminalpolizei beschreibt Love Scam in ihrer Broschüre für Angehörige deshalb vor allem als psychologische Manipulation, weniger als technischen Trick. Sie weist darauf hin, dass ein Wechsel aus Zuwendung und Rückzug eine starke emotionale Abhängigkeit erzeugen kann, die in ihrer Wirkung teilweise mit Suchtverhalten vergleichbar ist.
Diese Dynamik ähnelt dem, was in Beziehungen als Love Bombing bekannt ist: überwältigende Zuneigung am Anfang, die später als Druckmittel dient. Im Artikel Love Bombing erkennen ist dieser Mechanismus genauer erklärt.
Für dich als Angehörige heißt das: Wenn du sagst „Das ist ein Betrüger“, hört die betroffene Person „Deine Gefühle sind lächerlich“ oder „Du bist zu dumm, das zu merken“. Beides löst Abwehr aus.
Scham und das Geld, das schon weg ist
Je mehr Geld bereits geflossen ist, desto schwerer wird das Eingeständnis. Wer zugibt, betrogen worden zu sein, muss auch zugeben, dass Ersparnisse, vielleicht ein Kredit oder geliehenes Geld verloren sind. Solange die Beziehung echt bleibt, bleibt auch die Hoffnung, das Geld zurückzubekommen, wenn der Partner endlich kommt. Das ist ein starker Grund, Zweifel wegzuschieben.
Dazu kommt Scham gegenüber der Familie. Viele Betroffene haben Angst vor Spott, vor „Ich hab’s dir ja gesagt“ oder davor, ab jetzt als nicht mehr zurechnungsfähig zu gelten. Diese Angst ist berechtigt, wenn das Umfeld so reagiert, und sie verschwindet, wenn es anders reagiert.
Die Täter bereiten die Opfer auf Zweifel vor
Love Scammer wissen, dass Angehörige irgendwann misstrauisch werden. Sie bauen dem vor, etwa mit Sätzen wie „Deine Kinder wollen nur nicht, dass du glücklich bist“ oder „Die gönnen dir das Geld nicht“. Laut der Broschüre des österreichischen Bundeskriminalamts reagieren Täter auf kritische Fragen ihrer Opfer häufig mit Schuldzuweisungen oder Vorwürfen. Wenn du Zweifel äußerst, bestätigt das unter Umständen genau die Geschichte, die die Täter vorher erzählt haben. Deshalb ist der Ton so entscheidend.
Es trifft nicht nur eine bestimmte Gruppe
Das Bild der einsamen älteren Frau greift zu kurz. Das Landeskriminalamt Sachsen hat für 2023 in seinem Bundesland 331 Geschädigte erfasst: Frauen machten rund 67 Prozent aus, Männer also etwa ein Drittel, und über 70 Prozent der Geschädigten waren zur Tatzeit zwischen 40 und 69 Jahre alt. Betroffen sind Menschen nach einer Trennung, nach dem Tod eines Partners, in einer Lebenskrise oder einfach in einer Phase, in der ihnen jemand fehlt. Wer davon ausgeht, dass „so etwas“ nur naiven Menschen passiert, wird Warnzeichen bei klugen, lebenserfahrenen Angehörigen leicht übersehen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ruft deshalb ausdrücklich dazu auf, Familienmitglieder, die online nach einer Partnerschaft suchen, für die Masche zu sensibilisieren, bevor etwas passiert.
Das Gespräch führen, ohne bloßzustellen
Mimikama rät Angehörigen, mit der betroffenen Person über die Masche zu sprechen, im Kontakt zu bleiben und keinen Druck aufzubauen. Ein Ultimatum sei der falsche Weg. Was das konkret heißt, lässt sich in einige Grundsätze übersetzen.
Vorbereitung
Such dir einen ruhigen Moment, am besten unter vier Augen. Ein Familienrat mit drei Geschwistern am Esstisch fühlt sich für die betroffene Person schnell an wie ein Tribunal. Wenn eine Person in der Familie einen besonders guten Draht hat, sollte eher sie das Gespräch führen.
Kläre vorher für dich, was das Ziel dieses ersten Gesprächs ist. Ein realistisches Ziel ist, dass die Person dir weiter erzählt und bereit ist, eine Sache gemeinsam zu prüfen. Kein realistisches Ziel ist, dass sie am Ende des Abends den Kontakt abbricht.
Lies dich vorher ein, damit du typische Muster kennst. Die Seiten der Polizeilichen Kriminalprävention eignen sich dafür, weil sie nüchtern geschrieben sind und du sie der betroffenen Person später auch zeigen kannst, ohne dass es nach deiner persönlichen Meinung klingt.
Fragen statt Urteile
Steig mit Interesse ein, nicht mit einer Diagnose. Mögliche Einstiege:
- „Du wirkst in letzter Zeit sehr glücklich und gleichzeitig angespannt. Magst du mir von ihm erzählen?“
- „Wie habt ihr euch kennengelernt? Habt ihr schon mal per Video telefoniert?“
- „Was ist das für eine Situation, in der er gerade festsitzt?“
- „Wie fühlst du dich dabei, ihm Geld zu schicken?“
Offene Fragen bringen die Person dazu, die Geschichte selbst zu erzählen. Dabei fallen ihr Lücken oft selbst auf, etwa dass es nie ein Videotelefonat gab oder dass jede neue Bitte dringender war als die vorige. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt Betroffenen eine einfache Regel mit drei Schritten: Stoppen, Hinterfragen, Schützen. Zum Hinterfragen gehört ausdrücklich, mit Freunden oder Familie über die Bekanntschaft zu sprechen. Du kannst dich also als Teil dieser Prüfung anbieten, nicht als Gegnerin der Beziehung.
Gemeinsam prüfen statt behaupten
Viel überzeugender als jedes Argument ist ein Ergebnis, das die Person selbst sieht. Die Polizei nennt zwei einfache Prüfungen: den Namen der Bekanntschaft zusammen mit dem Wort „Scammer“ in eine Suchmaschine eingeben und die Fotos per Bilderrückwärtssuche prüfen. Wenn dieselben Bilder unter anderem Namen auf Warnseiten auftauchen oder zu einem Model, einem Arzt oder einem Soldaten mit ganz anderer Identität gehören, ist das ein starker Hinweis.
Schlag die Prüfung so vor, dass niemand verliert: „Lass uns das mal gemeinsam anschauen. Wenn alles passt, bin ich ruhig und freue mich mit dir.“ Ebenso wirksam ist der Vorschlag eines spontanen Videotelefonats, bei dem du kurz dabei bist. Reagiert die Bekanntschaft darauf mit Ausreden, Druck oder einer plötzlichen neuen Notlage, sagt das oft mehr als jede Bildersuche.
Was du besser lässt
Einige Reaktionen sind verständlich, schaden aber fast immer:
- Spott und Vorwürfe. Sätze wie „Wie kann man nur so blöd sein?“ treiben die Person zurück zu dem einzigen Menschen, der scheinbar Verständnis hat: dem Täter.
- Ultimatum. „Entweder du brichst ab oder wir reden nicht mehr“ funktioniert selten und kappt deinen Zugang.
- Heimlich das Handy durchsuchen. Der Vertrauensbruch wiegt schwer, und die Person verbirgt danach mehr.
- Die Täter selbst anschreiben. Das warnt sie, liefert ihnen neue Informationen und kann die betroffene Person in Erklärungsnot bringen.
- Selbst Geld geben, damit Ruhe ist. Jeder Euro, den du leihst, kann im Zweifel bei den Tätern landen.
Wenn das erste Gespräch scheitert
Rechne damit, dass die Person abblockt. Das ist kein Scheitern, sondern ein häufiger erster Schritt. Signalisiere, dass du da bist: „Ich sehe das anders als du, aber ich bleibe da. Wenn du reden willst, ruf mich an, egal wann.“ Bleib im Alltag präsent, ruf an, triff dich, sprich auch über andere Dinge. Je weniger isoliert die Person ist, desto weniger Raum haben die Täter. Wenn die nächste Geldforderung kommt, bist du dann vielleicht die Person, die als Erste davon erfährt.
Was tun bei Love Scamming: Schritte für Angehörige
Sobald die betroffene Person bereit ist, etwas zu unternehmen, oder du einen konkreten Schaden absehen kannst, zählt Tempo. Die folgenden Schritte sind als Unterstützung gedacht. Handeln kann in den meisten Fällen nur die Person selbst, weil es ihr Konto, ihre Chats und ihre Anzeige sind. Die ausführliche Anleitung zur Anzeige steht im Artikel Romance Scam: Anzeige erstatten.
- Keine weiteren Zahlungen. Die Polizei rät, nichts mehr zu bezahlen, egal wie dringend die nächste Geschichte klingt. Dazu gehören auch angebliche Gebühren, damit eine frühere Zahlung zurückkommt.
- Sofort die Bank anrufen. Laut Verbraucherzentrale lässt sich eine selbst veranlasste Überweisung nicht mehr rückgängig machen, wenn die Bank sie bereits ausgeführt hat, und viele Überweisungen werden heute in Echtzeit gebucht. Ein schneller Anruf ist trotzdem die beste Chance. Die Verbraucherzentrale rät außerdem, nach der Anzeige die Empfängerbank mit Aktenzeichen und Überweisungsdaten zu informieren, damit sie das Konto wegen Geldwäscheverdachts prüfen kann. Eine erteilte SEPA-Lastschrift kann innerhalb von acht Wochen zurückgegeben werden, bei Kreditkartenzahlungen ist oft eine Rückbuchung über die kartenausgebende Bank möglich. Bei Gutscheinkarten, Bargeldtransfer oder Kryptowährung sind die Chancen deutlich schlechter.
- Beweise sichern. Chatverläufe, Profilseiten, Fotos, E-Mails, Telefonnummern, Kontodaten der Empfänger und alle Zahlungsbelege sichern, bevor Kontakte blockiert oder Profile gelöscht werden. Eine kurze Zeitleiste mit Datum und Betrag jeder Zahlung hilft bei Bank und Polizei. Du kannst dabei ganz praktisch helfen, etwa beim Erstellen von Screenshots.
- Ausweis und Konto im Blick behalten. Hat die Person eine Ausweiskopie, Kontozugänge oder Passwörter herausgegeben, gehört das bei der Bank und bei der Polizei auf den Tisch. Zugänge zu Onlinebanking und E-Mail sollten geändert werden. Die Verbraucherzentrale warnt außerdem davor, Ausweiskopien für ein angeblich gemeinsames Konto zu verschicken, Kontodaten weiterzugeben oder für die Bekanntschaft Schecks einzulösen. Bei gefälschten Schecks kann die Bank unter Umständen gegen die Person vorgehen, die sie eingereicht hat.
- Anzeige erstatten. Persönlich bei jeder Dienststelle oder über die Onlinewache des Bundeslandes. Die Anzeige richtet sich gegen Unbekannt und ist kostenlos. Biete an, mitzukommen.
- Profil melden. Bei der Dating-Plattform oder dem sozialen Netzwerk, auf dem der Kontakt begann. Das schützt die nächsten Opfer. Die Polizei Aachen und der Weiße Ring empfehlen das ausdrücklich, solange das Profil noch existiert.
- Beratung holen. Die Verbraucherzentralen helfen bei der allgemeinen Einordnung, die Polizei berät in Präventionsfragen, und der Weiße Ring unterstützt Kriminalitätsopfer. Das Opfer-Telefon 116 006 ist bundesweit vorwahlfrei und kostenlos erreichbar, laut Weißem Ring täglich von 7 bis 22 Uhr und anonym. Laut Bundesnetzagentur umfasst die Beratung dort emotionale Unterstützung, Informationen zu Rechten und Rechtsweg und die Vermittlung an passende Stellen.
Ist Love Scamming strafbar?
Ja. Wer jemandem eine Beziehung vorspielt, um Geld zu bekommen, erfüllt in aller Regel den Tatbestand des Betrugs. Paragraf 263 des Strafgesetzbuchs stellt unter Strafe, durch Täuschung einen Irrtum zu erregen und dadurch das Vermögen eines anderen zu schädigen, um sich zu bereichern. Der Versuch ist ebenfalls strafbar. Für besonders schwere Fälle, etwa gewerbsmäßigen Betrug oder einen Vermögensverlust großen Ausmaßes, sieht das Gesetz höhere Strafen vor.
Für Angehörige ist dieser Punkt aus einem anderen Grund wichtig: Er nimmt der betroffenen Person ein Stück Scham. Sie hat nichts Dummes getan, sie ist Opfer einer Straftat geworden. Diese Formulierung hilft vielen, den Schritt zur Polizei zu machen.
Ob die Täter gefasst werden, ist eine andere Frage. Sie sitzen häufig im Ausland und arbeiten mit falschen Identitäten. Die Anzeige bleibt trotzdem sinnvoll, weil sie den Fall dokumentiert, für Gespräche mit der Bank wichtig sein kann und Ermittlern hilft, wiederkehrende Konten und Muster zu erkennen.
Wenn das Konto als Durchlaufstation dient
Eine besondere Gefahr übersehen viele Familien. Manche Täter wollen nicht nur Geld, sondern auch das Konto ihres Opfers. Sie bitten darum, eine Zahlung entgegenzunehmen und weiterzuleiten, angeblich weil ihr eigenes Konto gesperrt ist. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Betrüger über weitergegebene Kontodaten auch Geldwäsche über das Konto ihrer Opfer abwickeln können. Wer sein Konto für fremde Zahlungen zur Verfügung stellt, wird zum sogenannten Finanzagenten. Laut Verbraucherzentrale NRW kann das selbst dann strafbar sein, wenn die Person es nicht durchschaut hat, etwa als leichtfertige Geldwäsche oder als Beihilfe zum Betrug.
Wenn du merkst, dass auf dem Konto deines Angehörigen fremdes Geld eingeht und weitergeleitet werden soll, ist das ein Grund, sofort die Bank zu informieren und nichts weiterzuleiten. Dann steht mehr auf dem Spiel als verlorenes Geld: Es drohen mögliche eigene rechtliche Folgen. Eine anwaltliche Beratung ist in diesem Fall sinnvoll.
Rückforderungsbetrug: die zweite Welle nach dem Schaden
Wenn der Betrug aufgeflogen ist, atmen viele Familien auf. Genau dann beginnt oft die nächste Gefahr. Beim Rückforderungsbetrug, auch Recovery Scam genannt, melden sich angebliche Anwälte, Ermittler, Behörden oder Agenturen, die versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen. Die Verbraucherzentrale Hessen beschreibt, dass solche Angebote gezielt Menschen ansprechen, die bereits betrogen wurden. Die angeblichen Retter verlangen vorab Gebühren, Steuern oder Bearbeitungskosten. Danach ist auch dieses Geld weg.
Für Betroffene ist dieses Angebot verführerisch, weil es die Scham lindert: Wenn das Geld zurückkommt, war alles nur halb so schlimm. Für Angehörige ist es deshalb wichtig, das Thema früh anzusprechen, am besten gleich bei der Anzeige. Ein Satz wie „Es kann sein, dass sich bald jemand meldet, der dir das Geld zurückholen will. Bitte zahl dann nichts, ohne mich vorher anzurufen“ kann viel verhindern.
Typische Warnzeichen:
- Jemand meldet sich ungefragt, obwohl die Person nie eine Kanzlei beauftragt hat.
- Das Geld sei „gefunden“ oder „sichergestellt“, es fehle nur noch eine Gebühr.
- Die Anrufer geben sich als Polizei, Bank, Behörde oder sogar als Verbraucherzentrale aus.
- Es werden Erfolgsgarantien oder sehr kurze Fristen versprochen.
Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass sie selbst nie ungefragt anrufen und kein Geld einsammeln. Wer eine Kanzlei beauftragen will, sollte sie selbst aussuchen und unabhängig prüfen, statt auf eine Anzeige oder einen Anruf zu reagieren. Im Artikel Krypto-Betrug beim Dating findest du dazu einen eigenen Abschnitt über Fake-Kanzleien.
Grenzen der Hilfe: Wenn die Person weiter zahlen will
Manchmal reicht alles Reden nicht. Die Person ist überzeugt, dass ihr Partner echt ist, und überweist weiter. Für Angehörige ist das kaum auszuhalten. Hier hilft es, die Grenzen klar zu kennen.
Erwachsene entscheiden selbst
Ein erwachsener Mensch darf mit seinem Geld auch Entscheidungen treffen, die andere für falsch halten. Daran ändert auch die beste Absicht der Familie nichts. Du kannst warnen, informieren, anbieten und begleiten. Du kannst nicht über das Konto eines anderen Erwachsenen verfügen, nur weil du dir Sorgen machst.
Vollmacht und Betreuung sind keine schnellen Lösungen
Gelegentlich fällt in Familien das Stichwort Betreuung. Hier ist Zurückhaltung angebracht. Nach Paragraf 1814 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bestellt das Betreuungsgericht einen rechtlichen Betreuer, wenn ein Volljähriger seine Angelegenheiten wegen einer Krankheit oder Behinderung ganz oder teilweise nicht besorgen kann. Gegen den freien Willen der Person darf kein Betreuer bestellt werden, und eine Betreuung kommt nur in Betracht, soweit sie erforderlich ist. Verliebtheit in einen Betrüger ist für sich genommen keine Krankheit.
Eine Vorsorgevollmacht wiederum erteilt die Person selbst, freiwillig und in der Regel für den Fall, dass sie später nicht mehr selbst entscheiden kann. Sie ist kein Mittel, jemandem gegen seinen Willen Überweisungen zu untersagen. Ob in einem konkreten Fall etwas davon in Frage kommt, etwa bei einer beginnenden Demenz, kann nur eine rechtliche Beratung im Einzelfall klären. Dieser Artikel ersetzt sie nicht.
Was du trotzdem tun kannst
- Kein eigenes Geld nachschießen. Wenn die Person bei dir um Geld bittet, darfst du Nein sagen, auch wenn es um eine angebliche Notlage geht.
- Die Bank als Ansprechpartner kennen. Bankberaterinnen und Bankberater sehen ungewöhnliche Überweisungen oft als Erste. Wenn die betroffene Person einverstanden ist, kann ein gemeinsamer Termin bei ihrer Bank sinnvoll sein, um Zahlungen zu besprechen und Limits zu prüfen.
- Bei der Polizei beraten lassen. Auch ohne eigene Anzeige kannst du dich dort informieren, wie du weiter vorgehen kannst.
- Dich selbst schützen. Wenn du die Person immer wieder vergeblich warnst, kostet das Kraft. Es ist in Ordnung, dir dafür selbst Unterstützung zu holen, beim Weißen Ring, in der Beratung oder bei Menschen, denen du vertraust.
Nach dem Aufdecken: begleiten statt abrechnen
Wenn die betroffene Person erkennt, dass die Beziehung erfunden war, ist das ein doppelter Verlust: Geld und ein Mensch, den sie geliebt hat. Dass dieser Mensch nie existiert hat, macht die Trauer nicht kleiner. Oft kommt Scham dazu, manchmal Wut auf sich selbst, manchmal Rückzug.
Was jetzt hilft, ist unspektakulär. Hör zu, ohne zu bewerten. Verzichte auf jeden Satz mit „Ich hab’s doch gleich gesagt“. Erinnere daran, dass hinter der Masche organisierte Täter stehen, die genau darauf trainiert sind, Vertrauen zu gewinnen. Hilf bei den praktischen Dingen, die jetzt anstehen: Gespräche mit der Bank, Anzeige, vielleicht ein Plan für Schulden, die entstanden sind. Für die finanzielle Seite gibt es Schuldnerberatungen, für die Opferrolle den Weißen Ring. Laut dem gemeinsamen Flyer von Polizei Aachen und Weißem Ring unterstützt der Verein Opfer individuell, emotional und finanziell, unter anderem mit Hilfeschecks für eine anwaltliche oder psychotraumatologische Erstberatung.
Rechne damit, dass die Täter es noch einmal versuchen. Manche melden sich unter neuem Namen, andere schicken angebliche Ermittler, wieder andere tauchen mit einem neuen Profil auf, das zufällig sehr gut passt. Ein offenes Gespräch darüber, welche Kontakte jetzt kommen könnten, schützt mehr als ein Verbot.
Achte auch auf Spuren, die bleiben. Wurden persönliche Daten, Ausweiskopien oder intime Bilder verschickt, kann das später für weitere Erpressung oder Identitätsmissbrauch genutzt werden. Grundlagen dazu stehen in den Artikeln Datenschutz beim Online-Dating und Sextortion: Erpressung mit intimen Fotos.
Und wenn die betroffene Person später wieder online jemanden kennenlernen möchte, ist das ein gutes Zeichen. Begleite sie dabei, ohne zu kontrollieren: Plattformen mit Identitätsprüfung und funktionierender Meldefunktion, ein frühes Videotelefonat, ein Treffen an einem öffentlichen Ort und die feste Regel, nie Geld an jemanden zu schicken, den man nicht persönlich kennt. Eine Übersicht über Plattformen findest du im Anbietervergleich.
Wenn es seelisch zu viel wird
Love Scamming kann Menschen existenziell treffen, bis hin zu Verzweiflung und Suizidgedanken. Wenn du bei deinem Angehörigen Anzeichen einer akuten Krise bemerkst, hol Hilfe. Die Telefonseelsorge ist kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar, auch für dich als Angehörige oder Angehöriger. Bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Fazit: Nähe ist das stärkste Werkzeug
Love Scamming bei Angehörigen lässt sich selten mit einem einzigen Gespräch beenden. Die Täter arbeiten mit echten Gefühlen, Scham und Isolation, und genau dagegen hilft am meisten, was du ohnehin geben kannst: Nähe, Geduld und ein Ton ohne Vorwurf. Deute die Warnzeichen, frage statt zu urteilen und prüfe gemeinsam, statt zu behaupten. Sobald Geld geflossen ist, zählen die nüchternen Schritte: keine weiteren Zahlungen, Bank anrufen, Beweise sichern, Anzeige erstatten, Profil melden, Beratung holen. Warne früh vor angeblichen Geldrückholern. Und akzeptiere die Grenzen: Erwachsene entscheiden selbst, rechtliche Wege wie eine Betreuung sind eng begrenzt und gehören in eine Beratung im Einzelfall. Deine wichtigste Aufgabe ist, die Tür offen zu halten, damit die betroffene Person zu dir kommt, wenn sie bereit ist.
Häufige Fragen
Was kann ich als Angehöriger bei Love Scamming tun?
Sprich die Person in Ruhe und unter vier Augen an, frag nach statt zu urteilen und biete an, die Bekanntschaft gemeinsam zu prüfen, etwa mit einer Bilderrückwärtssuche. Ist Geld geflossen, unterstütze bei den nächsten Schritten: Bank anrufen, Beweise sichern, Anzeige erstatten. Bleib im Kontakt, auch wenn das erste Gespräch abgeblockt wird.
Ist Love Scamming strafbar?
Ja. Wer jemandem eine Liebesbeziehung vorspielt, um an Geld zu kommen, erfüllt in aller Regel den Tatbestand des Betrugs nach Paragraf 263 Strafgesetzbuch. Schon der Versuch ist strafbar. Eine Anzeige ist deshalb immer möglich, auch gegen Unbekannt und auch dann, wenn die Täter vermutlich im Ausland sitzen.
Kann man Love Scamming anzeigen, wenn die betroffene Person das nicht will?
Eine Anzeige kann grundsätzlich jeder erstatten, der von einer Straftat erfährt. Praktisch ist sie aber deutlich wirksamer, wenn die geschädigte Person mitmacht, weil sie die Chats, Zahlungsbelege und Kontodaten hat. Ein Gespräch bei der Polizei kannst du trotzdem suchen, um dich beraten zu lassen, wie du weiter vorgehst.
Sind auch Männer Opfer von Love Scamming?
Ja. In Sachsen etwa erfasste das Landeskriminalamt für 2023 insgesamt 331 Geschädigte, rund zwei Drittel davon Frauen, ein Drittel also Männer. Täter treten in beiden Richtungen auf, mit gestohlenen Fotos und erfundenen Lebensläufen. Für Angehörige heißt das: Das Geschlecht oder das Alter einer Person sagt nichts darüber aus, ob sie auf die Masche hereinfallen kann.
Wo bekommen Opfer von Love Scamming Hilfe?
Erste Anlaufstellen sind die Polizei für die Anzeige, die eigene Bank für Zahlungen, die Verbraucherzentralen für eine allgemeine Einordnung und der Weiße Ring mit dem kostenlosen Opfer-Telefon 116 006 für Unterstützung als Kriminalitätsopfer. Bei seelischer Belastung ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 rund um die Uhr erreichbar.
Quellen
- Online-Betrug: Romance Scamming und Liebesbetrug, Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- Scamming, Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- Love Scamming: So schützen Sie sich vor Liebesbetrug, Verbraucherzentrale
- Internet-Betrug: So können Sie versuchen, Ihr Geld zurückzuholen, Verbraucherzentrale
- Recovery Scam: So zocken Betrüger ihre Opfer ein zweites Mal ab, Verbraucherzentrale Hessen
- Unerwarteter Anruf von der Verbraucherzentrale? Vorsicht, Falle!, Verbraucherzentrale
- Apropos Love Scam, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Love Scam: zwischen Sorge und Hilfe. Was Angehörige und Freunde tun können, Bundeskriminalamt Österreich
- Liebes-Betrug: So kannst du Betroffene unterstützen!, Mimikama
- § 263 StGB Betrug, Bundesministerium der Justiz
- Finanztransfers für Dritte: Warnung vor Jobangeboten, Verbraucherzentrale NRW
- Falsche Liebe im Netz, Landeskriminalamt Sachsen (Medienservice Sachsen)
- § 1814 BGB Voraussetzungen der rechtlichen Betreuung, lxgesetze.de (Gesetzestext)
- Rufnummer 116 006: Hilfetelefon für Opfer von Straftaten, Bundesnetzagentur
- Romance Scamming: Flyer von Polizei und WEISSER RING, Polizei Aachen und WEISSER RING e. V.
- Krisentelefone und Anlaufstellen in Notlagen, Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Familienportal)
Zuletzt aktualisiert am 9. Oktober 2026

