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Datenschutz beim Online-Dating: Was Apps wissen, was du tun kannst

Datenschutz beim Online-Dating: welche Daten Apps sammeln, warum Angaben zur Sexualität besonders geschützt sind und wie du Auskunft und Löschung verlangst.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
Redakteur für Datenschutz und Sicherheit · 20. September 2026 · 20 Min. Lesezeit
Smartphone zeigt eine Datenschutzerklärung auf dem Bildschirm

Datenschutz beim Online-Dating fängt bei der Frage an, was eine Plattform über dich weiß. Die Antwort ist meist: mehr, als im Profil steht. Neben Fotos, Alter und Wohnort speichern Dating-Apps deinen Standort, deine Chats, dein Verhalten beim Wischen und oft Angaben, die das Datenschutzrecht als besonders heikel einstuft, etwa zu sexueller Orientierung oder Gesundheit. Gleichzeitig gibt dir die DSGVO handfeste Rechte: Du kannst kostenlos Auskunft verlangen, Daten löschen oder mitnehmen lassen und dich bei einer Aufsichtsbehörde beschweren, wenn ein Anbieter nicht reagiert.

Die meisten Menschen denken beim Dating an Gesprächsverläufe, Chemie und das erste Treffen, nicht an Serverprotokolle. Das ist verständlich. Trotzdem entsteht im Hintergrund ein Datensatz, der den einzelnen Kontakt oft lange überdauert. Wer weiß, was anfällt, wo die echten Risiken liegen und wie die eigenen Rechte funktionieren, kann bewusst entscheiden, was er preisgibt, ohne deswegen aufs Kennenlernen zu verzichten.

Für die konkreten Schalter in der App gibt es einen eigenen Ratgeber zu den Privatsphäre-Einstellungen in der Dating-App. Hier geht es um das größere Bild: welche Daten entstehen, warum Dating-Daten rechtlich ein Sonderfall sind, was bei Anbietern schon schiefgelaufen ist und wie du deine Rechte Schritt für Schritt durchsetzt.

Datenschutz beim Online-Dating: Welche Daten Plattformen speichern

Es hilft, die Daten nach ihrer Herkunft zu sortieren. Manche gibst du bewusst ein, andere entstehen nebenbei, und eine dritte Gruppe errechnet die Plattform selbst. Für deinen Schutz ist diese Unterscheidung wichtig, weil du jede Gruppe auf einem anderen Weg beeinflusst.

Angaben, die du selbst machst

Bei der Registrierung fallen typischerweise E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, Geburtsdatum, Geschlecht und deine Suchkriterien an. Dazu kommen Fotos und Freitextfelder. Gerade in den Freitexten geben viele mehr preis als nötig: den genauen Arbeitgeber, den Stadtteil, Hinweise auf die eigenen Kinder oder den Verein, in dem man jeden Dienstag trainiert. Ein Teil dieser Angaben ist Pflicht, vieles davon aber freiwillig. Was freiwillig ist, kannst du knapp halten, ohne dass dein Profil an Wirkung verliert.

Manche Plattformen bieten außerdem eine Verifizierung an, etwa per Telefonnummer, Ausweisprüfung oder Selfie-Abgleich. Das erschwert Fake-Profile, erzeugt aber Daten, die besonders schutzbedürftig sind. Worauf du dabei achten solltest, steht im Ratgeber zum Ausweis-Check in Dating-Apps.

Daten, die im Hintergrund entstehen

Sobald du die App nutzt, entstehen technische Daten: IP-Adresse, Gerätetyp, Betriebssystem, eine Geräte- oder Werbe-ID, Zeitpunkte und Dauer deiner Sitzungen. Dazu kommen Standortdaten, sofern du sie freigibst, und die Metadaten deiner Chats, also wer wann mit wem geschrieben hat. Diese Daten braucht der Anbieter teils für den Betrieb, für die Betrugserkennung oder den Support. Teils fließen sie in Analysen und Werbung.

Der wichtigste Unterschied zur ersten Gruppe: Du kannst diese Daten kaum direkt steuern, weil sie durch die bloße Nutzung entstehen. Einfluss hast du nur über Berechtigungen auf dem Smartphone, über Einwilligungen in Tracking und Werbung und über die Frage, wie viel du die App überhaupt nutzt.

Daten, die aus deinem Verhalten errechnet werden

Wen du dir ansiehst, wen du überspringst, wie lange du auf einem Profil verweilst, wann du antwortest und wann nicht: Daraus lässt sich ein Muster ableiten, das Rückschlüsse auf deine Vorlieben zulässt, auch wenn du sie nie angegeben hast. Für den Matching-Algorithmus ist das nützlich. Für dich heißt es, dass ein Verhaltensprofil entsteht, das du nie selbst ausgefüllt hast.

Solche abgeleiteten Daten sind personenbezogen wie alle anderen auch. Sie tauchen aber selten in einem Eingabefeld auf und werden deshalb leicht übersehen, auch in Auskünften. Wer eine Datenauskunft anfordert, sollte gezielt danach fragen, ob Profile, Bewertungen oder Einstufungen über ihn berechnet wurden.

Die Kategorien auf einen Blick

KategorieBeispieleWie du Einfluss nimmst
StammdatenAnzeigename, Geburtsdatum, Geschlecht, KontaktdatenPflichtfelder knapp halten, eigene E-Mail-Adresse nur fürs Dating
ProfilinhalteFotos, Freitexte, Interessen, Suchkriterienbewusst auswählen, nichts Identifizierendes im Hintergrund
KommunikationsdatenChatnachrichten, Zeitpunkte, GesprächspartnerSensibles nicht in den Chat schreiben
StandortdatenGPS, WLAN, MobilfunkzelleFreigabe „ungefähr“ und „nur bei Nutzung“
Geräte- und NutzungsdatenIP-Adresse, Werbe-ID, Log-in-ZeitenTracking ablehnen, Werbe-ID zurücksetzen
Abgeleitete DatenInteressenprofile, Aktivitätswerteper Auskunft erfragen, Einwilligungen widerrufen

Für keine dieser Kategorien gilt, dass ihre Erhebung von vornherein unzulässig wäre. Ein Anbieter darf verarbeiten, was er für den Dienst und für berechtigte Zwecke wie Sicherheit tatsächlich braucht. Heikel wird es, wo Daten ohne erkennbaren Zweck gesammelt, zu lange aufbewahrt oder an Stellen weitergegeben werden, die mit der Partnersuche nichts zu tun haben.

Sensible Daten: Warum Dating-Apps ein Sonderfall sind

Die DSGVO kennt eine Gruppe von Daten, die sie besonders schützt. Art. 9 nennt unter anderem Gesundheitsdaten, Daten zum Sexualleben oder zur sexuellen Orientierung sowie biometrische Daten, wenn sie zur eindeutigen Identifizierung einer Person dienen. Die Verarbeitung dieser Daten ist grundsätzlich untersagt. Absatz 2 regelt die Ausnahmen, die für Dating-Plattformen wichtigste ist die ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person.

Auf kaum einer anderen Art von Plattform landen so viele dieser Daten wie beim Online-Dating. Wer angibt, welches Geschlecht er sucht, macht eine Aussage über seine sexuelle Orientierung. Wer in einem Profilfeld sexuelle Vorlieben nennt, macht Angaben zum Sexualleben. Wer Behinderungen oder chronische Erkrankungen erwähnt, gibt Gesundheitsdaten preis. Ein Selfie-Abgleich zur Verifizierung kann biometrische Merkmale verarbeiten.

Hinzu kommt ein Punkt, den viele unterschätzen: Schon die Tatsache, dass jemand eine bestimmte App nutzt, kann eine sensible Information sein. Bei einer App, die sich an eine bestimmte sexuelle Orientierung richtet, verrät die bloße Mitgliedschaft etwas über diese Orientierung. Genau das hat ein norwegisches Gericht im Fall Grindr so gesehen, dazu gleich mehr.

Was folgt daraus für dich?

  • Sensible Angaben sind meist freiwillig. Prüfe bei jedem Feld, ob es Pflicht ist und ob die Angabe für deine Suche wirklich etwas bringt.
  • Einwilligung heißt ausdrücklich. Für sensible Daten reicht kein vorangekreuztes Kästchen. Lies nach, wofür genau du zustimmst, insbesondere wenn es um Werbung oder Partnerfirmen geht.
  • Was du freigibst, kannst du zurücknehmen. Eine Einwilligung lässt sich nach Art. 7 Abs. 3 DSGVO jederzeit widerrufen, und der Widerruf muss so einfach sein wie die Zustimmung. Er wirkt allerdings nur für die Zukunft, bereits erfolgte Verarbeitungen bleiben rechtmäßig.

Wenn Daten bei Werbefirmen landen: Der Fall Grindr

Dass die Weitergabe von Dating-Daten kein theoretisches Risiko ist, zeigt ein Fall aus Norwegen. Im Januar 2020 veröffentlichte der norwegische Verbraucherrat Forbrukerrådet einen Bericht, für den der Datenverkehr mehrerer beliebter Apps untersucht worden war, darunter Tinder, OkCupid und Grindr. Laut der Zusammenfassung bei netzwelt gingen dabei Daten wie IP-Adresse, Standort und Nutzungsverhalten an Dritte, insgesamt an mindestens 135 Firmen aus Werbung und Profilbildung. Der Bericht betraf nicht nur Dating-Apps, aber die Dating-Apps standen im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Für Grindr hatte das Folgen. Die norwegische Datenschutzbehörde Datatilsynet verhängte im Dezember 2021 ein Bußgeld von 65 Millionen norwegischen Kronen, weil die App Nutzerdaten ohne wirksame Einwilligung an Werbepartner weitergegeben hatte, darunter GPS-Daten. Grindr wehrte sich dagegen. Das Bezirksgericht Oslo bestätigte das Bußgeld im Juli 2024, wie heise berichtete. Das Gericht wertete schon die Information, dass jemand Grindr nutzt, als besonders geschützte Angabe im Sinne von Art. 9 DSGVO, weil sie Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung zulässt. Das Argument, die Nutzer hätten mit einem Klick auf „Akzeptieren“ zugestimmt, ließ es nicht gelten. Am 21. Oktober 2025 bestätigte auch das Berufungsgericht Borgarting das Bußgeld.

Für dich als Nutzer stecken in diesem Fall drei Erkenntnisse:

  1. Die Weitergabe läuft unsichtbar. Im Fall Grindr ging es nicht um ein Datenleck durch Hacker. Die Daten flossen über ganz normale Werbebausteine in der App ab, ohne dass Nutzer davon etwas bemerkten.
  2. Ein Klick auf „Akzeptieren“ ist nicht automatisch eine wirksame Einwilligung. Die Gerichte haben klargestellt, dass gerade bei sensiblen Daten mehr nötig ist als ein Banner, das man wegklickt, um die App nutzen zu können.
  3. Aufsichtsbehörden greifen durch. Die Beschwerde des Verbraucherrats hat zu einem Verfahren geführt, das über mehrere Instanzen Bestand hatte. Beschwerden sind also kein stumpfes Werkzeug.

Tracking und Werbung: Was du selbst abstellen kannst

Viele Apps binden fertige Bausteine externer Firmen ein, etwa für Statistik, Absturzberichte oder Werbeanzeigen. Diese Bausteine erhalten oft eigenständig Zugriff auf Nutzungsdaten und die Werbe-ID deines Smartphones. Über diese ID lassen sich deine Aktivitäten app-übergreifend wiedererkennen, so entsteht ein Profil, das weit über die einzelne Dating-App hinausreicht.

Ganz verhindern kannst du das nicht, aber deutlich eindämmen:

  • App-Tracking auf dem iPhone ablehnen. iOS fragt bei Apps, die dich app-übergreifend verfolgen wollen, nach deiner Erlaubnis. Diese Anfrage kannst du ablehnen und in den Einstellungen unter „Datenschutz & Sicherheit“ beim Punkt Tracking auch nachträglich für jede App abschalten.
  • Werbe-ID unter Android zurücksetzen oder löschen. Je nach Gerät und Android-Version liegt der Punkt in den Einstellungen unter Datenschutz oder Google und heißt Werbung oder Anzeigen. Dort lässt sich die ID neu erzeugen oder, bei neueren Versionen, ganz löschen.
  • Personalisierte Werbung in der App ablehnen. Viele Dating-Apps haben in den Einstellungen eigene Schalter für Werbung und Datenweitergabe an Partner. Schau nach, was dort aktiviert ist, auch wenn du dich an keine Zustimmung erinnerst.
  • Cookie- und Einwilligungsbanner nicht blind bestätigen. Wer bei der ersten Nutzung auf „Alle akzeptieren“ tippt, gibt oft genau die Weitergabe frei, um die es im Fall Grindr ging. Der Weg über „Einstellungen“ oder „Ablehnen“ kostet ein paar Sekunden mehr.

Standort, Fotos und Chats: Drei Datenquellen mit eigenem Risiko

Drei Bereiche verdienen beim Datenschutz besondere Aufmerksamkeit, weil sie viel über dich verraten und gleichzeitig zum Kern jeder Dating-App gehören.

Standort. Das Matching vieler Apps sortiert nach Entfernung, deshalb fragen sie nach deinem Standort. Das Risiko liegt in Genauigkeit und Dauer. Eine App mit dauerhaftem, exaktem Zugriff kann über die Zeit erkennen, wo du wohnst und arbeitest. Und wer die angezeigte Entfernung zu deinem Profil von mehreren Punkten aus vergleicht, kann deinen Aufenthaltsort eingrenzen. Diese Methode heißt Trilateration. Eine ungefähre Freigabe nur während der Nutzung reicht für das Distanz-Matching fast immer aus.

Fotos. Digitale Bilder können Metadaten enthalten, im ungünstigen Fall mit Aufnahmeort. Verlass dich nicht darauf, dass jede Plattform sie beim Hochladen entfernt. Wichtiger ist oft der sichtbare Inhalt: Hausnummer, Straßenschild, Firmenlogo, Kennzeichen. Und Bilder, die du auch auf öffentlichen Profilen nutzt, lassen sich per Bilderrückwärtssuche mit deinem Klarnamen verbinden. Dieselbe Technik hilft übrigens beim Erkennen von Fake-Profilen.

Chats. Nachrichten in der App liegen auf den Servern des Anbieters, nicht nur auf deinem Gerät. Je nach Anbieter können sie bei Moderation, Support oder Betrugsverdacht eingesehen werden und auch nach dem Entfernen eines Matches gespeichert bleiben. Behandle den Chat deshalb wie eine Postkarte: Adresse, Kontodaten, Ausweisnummern oder intime Fotos gehören nicht hinein, solange du nicht sicher weißt, mit wem du schreibst. Die Person auf der anderen Seite kann außerdem jederzeit Screenshots machen.

Die einzelnen Schalter für Sichtbarkeit, Standort und App-Berechtigungen findest du ausführlich im Ratgeber zu den Privatsphäre-Einstellungen, verlinkt oben.

Deine Rechte nach der DSGVO im Überblick

Die DSGVO gilt nicht nur für Unternehmen mit Sitz in der EU. Nach dem sogenannten Marktortprinzip in Art. 3 Abs. 2 greift sie auch für Anbieter ohne Niederlassung in der Union, wenn sie Menschen in der EU Dienste anbieten oder deren Verhalten beobachten, und zwar unabhängig davon, ob der Dienst kostenlos ist. Für dich heißt das: Auch bei einer international tätigen Dating-App gelten deine europäischen Rechte, wenn du sie von Deutschland aus nutzt.

RechtArtikelWas du bekommst
AuskunftArt. 15Bestätigung, ob Daten verarbeitet werden, eine Kopie davon sowie Zwecke, Empfänger und Speicherdauer
LöschungArt. 17Entfernung deiner Daten, wenn kein Grund für die weitere Speicherung besteht
DatenübertragbarkeitArt. 20deine bereitgestellten Daten in einem strukturierten, gängigen, maschinenlesbaren Format
Widerruf der EinwilligungArt. 7 Abs. 3jederzeit, so einfach wie die Zustimmung, mit Wirkung für die Zukunft
BeschwerdeArt. 77Prüfung durch eine Datenschutzaufsichtsbehörde

Für alle diese Rechte gelten gemeinsame Spielregeln aus Art. 12 DSGVO. Der Anbieter muss unverzüglich reagieren, spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang deines Antrags. Bei komplexen oder sehr vielen Anträgen kann er die Frist um zwei weitere Monate verlängern, muss dir das aber innerhalb des ersten Monats mitteilen und begründen. Die Bearbeitung ist grundsätzlich kostenlos. Nur bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Anträgen darf er ein Entgelt verlangen oder ablehnen, und das muss er dann nachweisen.

Eine Form ist nicht vorgeschrieben. Eine E-Mail an die Datenschutzadresse aus der Datenschutzerklärung genügt. Die Verbraucherzentralen stellen für mehrere dieser Rechte Musterbriefe bereit, die du anpassen kannst.

Ein Hinweis zur Einordnung: Dieser Ratgeber erklärt, wie die Rechte grundsätzlich funktionieren. Ob in deinem konkreten Fall eine Ausnahme greift oder ob sich ein rechtliches Vorgehen lohnt, kann er nicht beurteilen. Dafür sind Verbraucherzentralen, Aufsichtsbehörden oder eine Anwältin oder ein Anwalt die richtigen Ansprechpartner.

Auskunft nach Art. 15: So fragst du deine Daten ab

Das Auskunftsrecht ist das wichtigste Werkzeug, weil es die Grundlage für alles Weitere liefert. Erst wenn du weißt, was gespeichert ist, kannst du sinnvoll über Löschung, Widerruf oder Beschwerde entscheiden.

Nach Art. 15 DSGVO kannst du zunächst eine Bestätigung verlangen, ob überhaupt Daten über dich verarbeitet werden. Ist das der Fall, stehen dir unter anderem Informationen zu den Verarbeitungszwecken, den Datenkategorien, den Empfängern und der geplanten Speicherdauer zu. Zusätzlich muss der Anbieter dir eine Kopie der Daten zur Verfügung stellen. Stellst du den Antrag elektronisch, bekommst du die Daten in der Regel auch in einem gängigen elektronischen Format. Für weitere Kopien darf ein angemessenes Entgelt verlangt werden, die erste ist kostenlos.

Schritt für Schritt zur Datenauskunft

  1. Kontaktadresse finden. In der Datenschutzerklärung der App steht, wer verantwortlich ist und wie du den Datenschutz erreichst. Manche Anbieter haben ein eigenes Formular im Konto, oft unter Einstellungen, Datenschutz oder Hilfe.
  2. Dich eindeutig zu erkennen geben. Nenne die E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, mit der dein Konto verknüpft ist, und schreibe am besten von genau dieser Adresse. So kann der Anbieter die Anfrage zuordnen, ohne zusätzliche Dokumente zu verlangen.
  3. Konkret fragen. Bitte um eine vollständige Kopie aller gespeicherten personenbezogenen Daten sowie um Angaben zu Zwecken, Empfängern, Speicherdauer und Herkunft. Frag ausdrücklich auch nach Daten, die aus deinem Verhalten abgeleitet wurden, und nach Firmen, an die Daten weitergegeben wurden.
  4. Datum notieren. Ab Eingang läuft die Monatsfrist. Speichere deine gesendete Nachricht und eine eventuelle Eingangsbestätigung.
  5. Antwort prüfen. Ist die Kopie vollständig? Fehlen Chats, Fotos oder Log-in-Daten, die es offensichtlich geben müsste? Werden Empfänger nur vage als „Partner“ bezeichnet? Dann frag gezielt nach.

Ein kurzer Text reicht völlig, zum Beispiel: „Bitte erteilen Sie mir gemäß Art. 15 DSGVO Auskunft darüber, ob und welche personenbezogenen Daten Sie über mich verarbeiten, und stellen Sie mir eine Kopie dieser Daten zur Verfügung. Bitte nennen Sie außerdem die Verarbeitungszwecke, die Empfänger oder Kategorien von Empfängern, die geplante Speicherdauer und die Herkunft der Daten. Mein Konto ist mit der E-Mail-Adresse … verknüpft.“

Die Antwort ist oft aufschlussreicher als erwartet. Viele entdecken darin alte Profilversionen, längst vergessene Fotos, lange Listen von Log-in-Zeitpunkten und Geräten oder Kategorien, in die sie der Algorithmus einsortiert hat. Wer einmal eine solche Auskunft gesehen hat, schätzt den Umfang des eigenen Datensatzes meist realistischer ein.

Löschen, mitnehmen, widerrufen: Die weiteren Rechte

Recht auf Löschung nach Art. 17

Du kannst verlangen, dass ein Anbieter deine Daten löscht, etwa wenn sie für den ursprünglichen Zweck nicht mehr nötig sind oder du deine Einwilligung widerrufen hast. Das Recht gilt aber nicht grenzenlos. Art. 17 Abs. 3 nennt Ausnahmen, darunter gesetzliche Aufbewahrungspflichten und die Geltendmachung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen. Rechnungsdaten aus einem bezahlten Abo können deshalb länger gespeichert bleiben als Profil und Chats.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Deaktivieren und Löschen: Ein deaktiviertes Profil ist nur unsichtbar, die Daten bleiben vollständig erhalten. Wie du eine echte Löschung beantragst, was mit Chats, Fotos und Backups passiert und warum die Kündigung eines Abos davon getrennt zu sehen ist, steht ausführlich im Ratgeber Dating-App-Konto löschen statt nur deaktivieren.

Recht auf Datenübertragbarkeit nach Art. 20

Weniger bekannt ist das Recht, die Daten, die du selbst bereitgestellt hast, in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten. Voraussetzung ist, dass die Verarbeitung auf deiner Einwilligung oder einem Vertrag beruht und automatisiert erfolgt, beides ist bei Dating-Apps in aller Regel der Fall. Soweit technisch machbar, kannst du sogar verlangen, dass die Daten direkt an einen anderen Anbieter übermittelt werden.

Praktisch nützt dir das vor allem als Archiv. Bevor du ein Konto löschst, kannst du dir so deine Profiltexte, Fotos und eigenen Nachrichten sichern. Das Recht auf Löschung bleibt davon unberührt, du kannst also erst exportieren und dann löschen lassen. Einschränkung: Die Übertragung darf die Rechte anderer nicht beeinträchtigen. Bei Nachrichten deiner Chatpartner kann ein Export deshalb eingeschränkt sein.

Widerruf von Einwilligungen nach Art. 7 Abs. 3

Viele Verarbeitungen in Dating-Apps beruhen auf deiner Einwilligung, etwa personalisierte Werbung, die Weitergabe an Partnerfirmen oder die Verarbeitung sensibler Profilangaben. Diese Einwilligung kannst du jederzeit widerrufen. Der Widerruf muss genauso einfach möglich sein wie die Zustimmung. Wenn du mit einem Fingertipp zugestimmt hast, sollte der Rückweg nicht über drei Untermenüs und ein Kontaktformular führen.

Der Widerruf wirkt nur für die Zukunft. Was bis dahin auf Grundlage deiner Zustimmung verarbeitet wurde, bleibt rechtmäßig. Umso wichtiger ist es, Einwilligungen gleich bei der Anmeldung bewusst zu erteilen oder zu verweigern.

Wenn der Anbieter nicht reagiert: Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde

Antwortet ein Anbieter nicht innerhalb der Frist, nur ausweichend oder lehnt er dein Anliegen ohne nachvollziehbare Begründung ab, bleibt dir der Weg zur Datenschutzaufsicht. Nach Art. 77 DSGVO hast du das Recht, dich bei einer Aufsichtsbehörde zu beschweren, wenn du meinst, dass die Verarbeitung deiner Daten gegen die Verordnung verstößt. Das gilt insbesondere in dem Mitgliedstaat, in dem du dich gewöhnlich aufhältst, in dem du arbeitest oder in dem der mutmaßliche Verstoß stattfand. Die Behörde muss dich über Stand und Ergebnis informieren.

In Deutschland sind für private Unternehmen grundsätzlich die Datenschutzbehörden der Bundesländer zuständig, maßgeblich ist der Sitz des Unternehmens. Viele große Dating-Apps sitzen allerdings im Ausland. Du musst dann nicht herausfinden, welche ausländische Behörde federführend ist: Nach Art. 77 kannst du dich auch an die Behörde in dem Staat wenden, in dem du lebst, in Deutschland also an die Datenschutzbehörde deines Bundeslands. Hat das Unternehmen eine Niederlassung in einem anderen EU-Staat, leitet sie die Beschwerde in der Regel an die dort federführende Behörde weiter und bleibt deine Ansprechpartnerin.

So bereitest du eine Beschwerde vor

  • Sachverhalt kurz schildern. Welcher Anbieter, welches Konto, worum hast du gebeten, wann?
  • Belege beifügen. Deine Anfrage mit Datum, eventuelle Antworten, Screenshots von Einstellungen oder Fehlermeldungen.
  • Konkret sagen, was du erreichen willst. Etwa eine vollständige Auskunft, die Löschung bestimmter Daten oder die Prüfung einer Weitergabe an Werbefirmen.
  • Sachlich bleiben. Eine Beschwerde ist kein Gerichtsverfahren. Die Behörde prüft, ob der Anbieter gegen das Datenschutzrecht verstößt. Geht es dir darüber hinaus um Schadensersatz, ist eine rechtliche Beratung der passende Weg.

Eine Beschwerde ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall, ist aber oft das wirksamste Mittel, wenn ein Anbieter auf Zeit spielt. Der Fall Grindr hat gezeigt, wie weit ein solches Verfahren tragen kann.

Datenschutzerklärung lesen: Woran du sorgfältige Anbieter erkennst

Kaum jemand liest Datenschutzerklärungen vollständig, und das muss auch nicht sein. Ein gezielter Blick auf wenige Punkte reicht, um einen Anbieter einzuordnen. Nimm dir vor der Anmeldung fünf Minuten und such gezielt nach diesen Angaben:

  • Verantwortlicher und Kontakt. Ist klar, welches Unternehmen hinter der App steht und wie du den Datenschutz erreichst? Gibt es eine eigene Adresse für Datenschutzanfragen?
  • Zwecke und Rechtsgrundlagen. Wird erklärt, wofür welche Daten genutzt werden, und welche Verarbeitungen auf deiner Einwilligung beruhen?
  • Weitergabe an Dritte. Werden Empfänger konkret benannt oder nur pauschal als „Partner“? Ist von Werbenetzwerken die Rede?
  • Sensible Daten. Erwähnt der Anbieter überhaupt, dass Angaben zu sexueller Orientierung oder Gesundheit besonders geschützt sind, und wie er damit umgeht?
  • Speicherdauer. Gibt es konkrete Fristen, etwa für Chats nach Kontolöschung, oder nur Formulierungen wie „so lange wie nötig“?
  • Übermittlung in Drittländer. Werden Daten außerhalb der EU verarbeitet, und wenn ja, auf welcher Grundlage?
  • Deine Rechte. Erklärt der Anbieter, wie du Auskunft, Löschung und Widerruf ausübst, und nennt er eine Aufsichtsbehörde?

Fehlt vieles davon oder bleibt es auffällig vage, ist das bereits ein Warnsignal. Datenschutz ist ein Kriterium neben anderen, weitere Auswahlkriterien stehen im Ratgeber zur Auswahl einer passenden Singlebörse. Die Portale in unserem Anbietervergleich sind derzeit alle Chat- und Unterhaltungsportale, auf denen Treffen nicht vorgesehen sind, und dort auch so gekennzeichnet.

Gewohnheiten, die deine Daten im Alltag schützen

Rechte helfen im Nachhinein. Die meisten Risiken lassen sich aber schon vorher mit ein paar Gewohnheiten senken:

  1. Eigene E-Mail-Adresse fürs Dating. Sie trennt diesen Lebensbereich von Beruf und anderen Konten und erschwert es, deine Online-Identitäten miteinander zu verknüpfen.
  2. Keine Anmeldung über Social Media. Der Log-in über ein bestehendes Konto ist bequem, verbindet aber Daten aus beiden Diensten und macht dein Dating-Profil leichter mit deinem Klarnamen auffindbar.
  3. Starkes, einzigartiges Passwort und Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo der Anbieter sie anbietet. Ein übernommenes Dating-Konto ist für Betrüger wertvoll, weil es Vertrauen genießt.
  4. Sparsam mit Berechtigungen. Kontakte, Mikrofon und Kalender braucht eine Dating-App selten dauerhaft. Prüfe die Freigaben in den Systemeinstellungen ab und zu, denn viele werden bei der Installation erteilt und danach vergessen.
  5. Persönliche Details erst mit wachsendem Vertrauen. Arbeitgeber, Schule der Kinder, Stammkneipe und Wohnadresse kannst du später immer noch teilen. Das gilt auch für deine Nummer: Wann und wie du sie sicher weitergibst, erklärt der Ratgeber Handynummer beim Dating geben.
  6. Vorsicht bei Links. Nachrichten, die dich auf eine angebliche Verifizierungsseite locken, zielen oft auf deine Zugangsdaten. Wie du solche Fallen erkennst, steht im Ratgeber zu Phishing in Dating-Apps.
  7. Einstellungen nach Updates prüfen. Neue Funktionen sind nicht immer datensparsam voreingestellt. Ein kurzer Check alle paar Monate verhindert, dass sich unbemerkt neue Freigaben einschleichen.

Wenn deine Daten schon in falsche Hände geraten sind

Manchmal ist es bereits passiert: Ein Anbieter meldet einen Sicherheitsvorfall, jemand hat sich Zugang zu deinem Konto verschafft, oder ein Match droht, private Bilder oder Chats weiterzugeben. Dann zählt es, ruhig und in der richtigen Reihenfolge zu handeln.

Bei einem gehackten oder möglicherweise kompromittierten Konto änderst du zuerst das Passwort, und zwar auch überall dort, wo du dasselbe Passwort verwendet hast. Aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung, melde dich auf allen Geräten ab und prüfe, ob E-Mail-Adresse oder Telefonnummer im Konto verändert wurden. Informiere den Support des Anbieters und rechne in den folgenden Wochen mit gezielten Phishing-Nachrichten, die auf den Vorfall Bezug nehmen.

Erpresst dich jemand mit intimen Bildern oder Chats, zahle nicht, sichere Beweise und hol dir Unterstützung. Wie du in so einer Lage vorgehst, beschreibt der Ratgeber zu Sextortion und Erpressung mit intimen Fotos. Nutzt jemand deine Fotos für ein falsches Profil, findest du die Schritte vom Beweis bis zur Löschung im Ratgeber Fake-Profil mit meinen Bildern. Belastet dich die Situation stark, kannst du rund um die Uhr und kostenlos mit der Telefonseelsorge sprechen, unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Unabhängig vom konkreten Vorfall gilt: Mit einer Auskunftsanfrage findest du heraus, welche Daten der Anbieter noch über dich hat, mit einer Löschanfrage reduzierst du sie, und wenn der Anbieter einen Vorfall nicht ernst nimmt, ist die Aufsichtsbehörde die nächste Station.

Fazit: Datenschutz beim Online-Dating heißt Kontrolle, nicht Verzicht

Dating-Apps wissen viel über dich: was du angibst, wo du bist, mit wem du schreibst und was dein Verhalten über deine Vorlieben verrät. Ein Teil davon gehört zu den Daten, die die DSGVO am strengsten schützt, und der Fall Grindr zeigt, dass Behörden und Gerichte die Weitergabe solcher Daten an Werbefirmen nicht hinnehmen.

Du musst deshalb nicht aufs Online-Dating verzichten. Halte freiwillige und sensible Angaben knapp, lehne Tracking und unnötige Weitergaben ab, begrenze Standort und Berechtigungen und überlege vor jeder Einwilligung, wofür sie gilt. Wenn du wissen willst, was ein Anbieter gespeichert hat, frag mit einer kurzen Auskunftsanfrage nach. Löschen, Exportieren und Widerrufen sind ebenso dein gutes Recht, und wenn ein Anbieter nicht reagiert, hilft die Aufsichtsbehörde weiter. Mit diesem Wissen kannst du offen kennenlernen und trotzdem selbst bestimmen, was über dich gespeichert bleibt.

Häufige Fragen

Welche Daten sammeln Dating-Apps über mich?

Neben deinen Profilangaben und Fotos speichern Dating-Apps meist Standortdaten, Chatnachrichten samt Metadaten, Geräteinformationen, Log-in-Zeiten und dein Verhalten in der App, also wen du ansiehst, likest oder überspringst. Was genau ein Anbieter erfasst, muss er in seiner Datenschutzerklärung nennen, und mit einer Auskunftsanfrage nach Art. 15 DSGVO erfährst du es für dein eigenes Konto.

Muss ich bei der Anmeldung meinen echten Namen angeben?

Das kommt auf den Anbieter an. Viele verlangen bei der Registrierung eine verifizierte E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, zeigen im Profil aber nur einen frei wählbaren Anzeigenamen. Lies vor der Anmeldung nach, welche Angaben öffentlich sichtbar sind und welche nur intern gespeichert werden.

Darf eine Dating-App meine sexuelle Orientierung speichern?

Daten zur sexuellen Orientierung und zum Sexualleben gehören nach Art. 9 DSGVO zu den besonderen Kategorien, deren Verarbeitung grundsätzlich verboten ist. Eine der Ausnahmen ist deine ausdrückliche Einwilligung. Eine Dating-App darf solche Angaben also nutzen, wenn du sie bewusst dafür freigibst, eine Weitergabe an Werbefirmen ist damit aber nicht automatisch gedeckt.

Kann ich Auskunft verlangen, auch wenn ich mein Konto schon gelöscht habe?

Das Auskunftsrecht bezieht sich auf Daten, die über dich verarbeitet werden. Bewahrt der Anbieter nach der Löschung noch etwas auf, etwa Abrechnungsunterlagen, kannst du dazu weiterhin Auskunft verlangen. Richte die Anfrage an die Kontaktadresse aus Impressum oder Datenschutzerklärung.

Wie lange hat ein Dating-Anbieter Zeit, auf meine Anfrage zu antworten?

Nach Art. 12 DSGVO muss der Anbieter unverzüglich reagieren, spätestens innerhalb eines Monats. Bei komplexen oder vielen Anträgen darf er die Frist um zwei Monate verlängern, muss dir das aber innerhalb des ersten Monats mit Begründung mitteilen.

Sehen andere Mitglieder meinen genauen Standort?

In der Regel zeigen Apps nur eine ungefähre Entfernung oder einen groben Bereich an. Wer die angezeigte Distanz aber von mehreren Orten aus vergleicht, kann deinen Aufenthaltsort mit etwas Aufwand eingrenzen. Deshalb lohnt es sich, die Standortfreigabe auf ungefähr und nur bei Nutzung zu begrenzen.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 12. Oktober 2026

Sven Albrecht
Über die Autorin / den Autor
Sven Albrecht

Sven prüft, was Dating-Plattformen mit den Daten ihrer Mitglieder machen: Wie lange wird gespeichert, wie leicht lässt sich ein Konto löschen, wie ernst wird Sicherheit genommen. Er kennt die gängigen Maschen von Fake-Profilen und erklärt, woran man sie erkennt.

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