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Dating-App-Account gehackt: Was du jetzt Schritt für Schritt tust

Dating-App-Account gehackt? Woran du die Übernahme erkennst, wie du Konto, Login und Zahlungsmittel sicherst, Matches warnst und Anzeige erstattest.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
Redakteur für Datenschutz und Sicherheit · 27. Oktober 2026 · 20 Min. Lesezeit

Wenn dein Dating-App-Account gehackt wurde, entscheidet die Reihenfolge darüber, wie schnell du die Kontrolle zurückbekommst. Ein Dating-Konto hängt fast immer an einem anderen Zugang: an deiner E-Mail-Adresse, an deinem Google-, Apple- oder Facebook-Konto oder an deiner Telefonnummer. Solange die Angreifer diesen Zugang kontrollieren, nützt ein neues Passwort in der App wenig, weil sie es einfach wieder zurücksetzen können. Deshalb sicherst du zuerst den Login dahinter, danach das Dating-Konto selbst, dann deine Zahlungsmittel und deine Kontakte. Erst wenn das erledigt ist, kümmerst du dich um Support, Anzeige und Vorbeugung.

Gehackte Dating-Profile sind für Betrüger wertvoll, weil sie Vertrauen mitbringen: echte Fotos und laufende Gespräche mit Menschen, die dich sympathisch finden. Deshalb gehört das Warnen deiner Matches zu den wichtigsten Schritten.

Woran du erkennst, dass dein Dating-Account gehackt wurde

Eine Übernahme fällt selten mit einem großen Knall auf. Meist sind es Kleinigkeiten, die nicht zusammenpassen. Tinder nennt in seinen Security FAQs als Anzeichen verdächtiger Aktivität ausdrücklich Nachrichten, die du nicht gesendet hast, und Fotos, die du nicht hochgeladen hast. Dazu kommen weitere typische Hinweise:

  • Der Login klappt plötzlich nicht mehr, obwohl du dein Passwort sicher richtig eingibst. Das kann bedeuten, dass jemand Passwort, E-Mail-Adresse oder Telefonnummer geändert hat.
  • Du bekommst Codes, die du nicht angefordert hast. Eine SMS mit Bestätigungscode oder eine E-Mail zum Zurücksetzen des Passworts, ohne dass du etwas getan hast, zeigt, dass jemand versucht, sich mit deinen Daten anzumelden.
  • Benachrichtigungen über neue Geräte oder Anmeldungen aus einer Stadt, in der du nicht warst.
  • Matches reagieren irritiert, etwa mit Fragen wie „Warum willst du plötzlich Geld?“ oder „Was ist das für ein Link?“.
  • Neue Matches, Likes oder Unterhaltungen, an die du dich nicht erinnerst, oder gelöschte Chats.
  • Geänderte Profilangaben: anderer Wohnort, anderes Suchgebiet, ein neuer Profiltext oder ein Link zu einem fremden Kanal.
  • Abbuchungen für Abos oder Zusatzfunktionen, die du nicht gebucht hast.

Nicht jedes einzelne Zeichen beweist einen Hack. Ein Bestätigungscode kann auch kommen, weil sich jemand bei der Eingabe seiner eigenen Nummer vertippt hat. Ein irritiertes Match kann auch eine Nachricht falsch verstanden haben. Kommen aber zwei oder drei dieser Hinweise zusammen, gehst du besser von einer Übernahme aus und handelst. Ein Konto unnötig abzusichern kostet dich zehn Minuten. Ein übernommenes Konto zu spät zu bemerken, kann deine Kontakte Geld kosten.

Gehackt, gesperrt oder kopiert?

Drei Situationen fühlen sich ähnlich an, verlangen aber unterschiedliche Schritte:

SituationWas passiert istWas du brauchst
Konto gehacktJemand hat sich mit deinen Zugangsdaten in dein echtes Konto eingeloggtLogin zurückholen, Sitzungen beenden, Kontakte warnen
Konto gesperrtDie Plattform hat dein Konto selbst blockiert, etwa nach Meldungen oder wegen eines VerdachtsKontakt zum Support, kein Sicherheitsvorfall im engeren Sinn
Profil kopiertEin Fremder hat mit deinen Fotos ein neues Profil angelegt, dein eigenes Konto ist unberührtFake-Profil melden, Beweise sichern

Kopiert jemand nur deine Bilder, hilft dir die Anleitung zum Fake-Profil mit meinen Bildern weiter. Ein Hack lässt sich davon gut abgrenzen: Beim Hack verändert sich etwas in deinem eigenen Konto, beim Kopieren taucht ein zweites Profil auf.

Wie Dating-Konten überhaupt übernommen werden

Wer weiß, wie der Zugriff zustande kam, schließt die Lücke gezielter. Die häufigsten Wege sind wenig spektakulär.

Phishing. Eine Nachricht, die angeblich vom Support der App stammt, oder ein Match, das dich auf eine externe Seite lockt, fragt nach Passwort oder Bestätigungscode. Gibst du ihn ein, haben die Angreifer, was sie brauchen. Wie diese Nachrichten aussehen und woran du sie vorher erkennst, steht ausführlich im Ratgeber Phishing bei der Dating-App erkennen. Für die Lage nach dem Hack reicht ein Gedanke: Hast du in den letzten Tagen irgendwo einen Code eingetippt oder weitergegeben, ist das die wahrscheinlichste Ursache.

Wiederverwendete Passwörter. Nutzt du dasselbe Passwort für mehrere Dienste und gerät es bei einem davon durch ein Datenleck in Umlauf, probieren Angreifer es automatisch bei vielen anderen Diensten aus. Ob deine E-Mail-Adresse in bekannten Datenlecks auftaucht, kannst du zum Beispiel mit dem Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts prüfen. Ein Treffer heißt nicht, dass ein Konto gerade gehackt ist, er zeigt nur, dass die Adresse in einem Leck vorkam. schieb.de rät in dem Fall, das Passwort der betroffenen Adresse und aller verknüpften Accounts zu ändern und, wo möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung einzuschalten.

Ein übernommenes E-Mail- oder Social-Login-Konto. Ist dein Postfach oder dein Google-, Apple- oder Facebook-Konto kompromittiert, steht den Angreifern jede damit verbundene App offen, auch die Dating-App.

Die Telefonnummer. Meldest du dich per SMS-Code an, wird die Nummer selbst zum Schlüssel. Tinder etwa verlangt beim Login mit Telefonnummer eine SMS-Bestätigung (Tinder Help Center). Wer an diesen Code kommt, kommt ins Konto. Das gelingt entweder, indem dich jemand dazu bringt, den Code weiterzugeben, oder über sogenanntes SIM-Swapping: Kriminelle bringen den Mobilfunkanbieter dazu, deine Nummer auf eine SIM-Karte zu übertragen, die sie kontrollieren, und empfangen damit deine Anrufe, SMS und Einmalcodes (Trend Micro). Ein Warnzeichen dafür ist, dass dein Handy plötzlich kein Netz mehr hat, obwohl es sonst funktioniert.

Schadsoftware oder fremder Zugriff aufs Handy. Eine manipulierte App, eine Datei aus einer Nachricht oder schlicht ein entsperrtes Handy in fremden Händen genügen, um Codes mitzulesen oder eine Sitzung zu übernehmen.

Dating-App-Account gehackt: Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt

Die folgende Reihenfolge orientiert sich an den Empfehlungen der Verbraucherzentrale und an der gemeinsamen Checkliste des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention (ProPK), übertragen auf Dating-Apps. Nimm dir eine halbe Stunde und arbeite die Schritte nacheinander ab.

Schritt 1: Das Gerät prüfen

Die Verbraucherzentrale rät, vor dem Ändern von Passwörtern einen Virenscan zu machen, weil das Gerät selbst infiziert sein könnte, und die neuen Zugangsdaten danach möglichst auf einem anderen Gerät einzugeben. Sonst liest eine Schadsoftware das neue Passwort gleich wieder mit. Praktisch heißt das: Hast du den Verdacht, dass dein Handy kompromittiert ist, etwa weil du kürzlich eine App außerhalb des offiziellen Stores installiert hast, nimm für die nächsten Schritte einen anderen, vertrauenswürdigen Rechner oder ein anderes Smartphone.

Schritt 2: Den Login hinter dem Dating-Konto sichern

Überleg kurz, wie du dich in der Dating-App anmeldest. Davon hängt ab, wo du zuerst ansetzt:

  • Mit E-Mail und Passwort: Sichere zuerst dein E-Mail-Postfach. Ändere dessen Passwort, beende dort fremde Sitzungen und prüfe, ob Weiterleitungen eingerichtet wurden. Die Checkliste von BSI und ProPK weist darauf hin, dass Unbefugte Einstellungen ändern und zum Beispiel Weiterleitungen anlegen können (Cybernews). Über eine solche Weiterleitung würden die Angreifer jede neue Passwort-Mail der Dating-App mitlesen.
  • Mit Google: Ändere das Passwort deines Google-Kontos und schau in den Sicherheitseinstellungen nach, welche Geräte angemeldet sind. Google beschreibt in seiner Kontohilfe, dass du jederzeit prüfen kannst, welche Drittanbieter-Apps und Dienste Zugriff auf deine Google-Kontodaten haben, und diese Zugriffsrechte entfernen kannst.
  • Mit Apple: Ändere das Passwort deines Apple-Accounts. Welche Apps „Mit Apple anmelden“ nutzen, siehst du auf dem iPhone in den Einstellungen unter deinem Namen im Bereich Passwort und Sicherheit, dort lässt sich die Verbindung zu einer App auch beenden (appgefahren.de). Die genauen Menünamen können je nach iOS-Version abweichen.
  • Mit Facebook: Ändere das Facebook-Passwort und beende in den Sicherheitseinstellungen alle Sitzungen, die du nicht zuordnen kannst. Nutzt du Facebook Dating, hängt dein Dating-Profil direkt an diesem Konto und ist mit ihm zusammen in fremder Hand.
  • Mit Telefonnummer: Hier ist dein Mobilfunkvertrag der Schlüssel. Bumble rät in seiner Hilfe ausdrücklich, dich bei einem Login per Telefonnummer an deinen Netzbetreiber zu wenden (Bumble Support). Das gilt besonders, wenn dein Handy plötzlich kein Netz mehr hat. Frag deinen Anbieter, ob kürzlich eine neue SIM oder eSIM für deine Nummer ausgestellt wurde, und lass, wenn möglich, ein Kundenkennwort für Änderungen am Vertrag hinterlegen.

Bumble empfiehlt in derselben Hilfe zusätzlich, das Passwort der E-Mail-Adresse zu ändern, an die Bestätigungscodes gehen, auch wenn du dich anders anmeldest.

Schritt 3: Das Dating-Konto zurückholen und das Passwort ändern

Kommst du noch ins Konto, ändere das Passwort sofort, falls die App mit einem eigenen Passwort arbeitet. Kommst du nicht mehr hinein, nutze die Funktion zum Zurücksetzen in der offiziellen App, nachdem du Schritt 2 erledigt hast. Das neue Passwort wird dann an die hinterlegte E-Mail-Adresse oder Nummer geschickt, die jetzt wieder dir gehört.

Das neue Passwort sollte lang sein und nirgendwo sonst verwendet werden. Ein Passwort-Manager nimmt dir das Merken ab. Gib es nur in der offiziellen App oder auf der direkt aufgerufenen Website ein.

Schritt 4: Fremde Sitzungen beenden

Ein neues Passwort wirft nicht automatisch jeden hinaus, der schon eingeloggt ist. Die Checkliste von BSI und ProPK empfiehlt deshalb, nach der Passwortänderung alle aktiven Sitzungen zu beenden (Cybernews). Bumble rät, dich auf allen Geräten abzumelden, in der App über das Profil und die Einstellungen oder in der Web-Version über das Menü am Profilbild (Bumble Support).

Bietet deine App keine Übersicht über angemeldete Geräte, melde dich selbst ab und wieder an und beende die Sitzungen beim verknüpften Login-Konto. Bei Google, Apple und Facebook findest du in den Sicherheitseinstellungen eine Liste der angemeldeten Geräte. Alles, was du nicht eindeutig als deins erkennst, wird abgemeldet.

Schritt 5: Kontoeinstellungen und Profil prüfen

Geh dein Profil Punkt für Punkt durch:

  1. Sind E-Mail-Adresse und Telefonnummer noch deine?
  2. Gibt es eine zusätzliche Anmeldemethode, die du nie eingerichtet hast, etwa ein fremdes Facebook- oder Google-Konto?
  3. Stimmen Fotos, Profiltext, Wohnort, Alter und Suchradius?
  4. Wurden Links zu Messengern, Social-Media-Kanälen oder Bezahlseiten eingefügt?
  5. Gibt es Chats, die du nicht kennst, oder fehlen Unterhaltungen?

Mach von allem, was verändert wurde, Screenshots, bevor du es korrigierst. Du brauchst sie später für den Support und für eine mögliche Anzeige. Erst danach stellst du die Angaben zurück. Nutze die Gelegenheit, um auch die Sichtbarkeit deines Profils zu prüfen. Welche Einstellungen dabei am meisten bringen, zeigt der Ratgeber zu den Privatsphäre-Einstellungen in Dating-Apps.

Schritt 6: Zahlungsmittel prüfen und schützen

Viele Dating-Apps rechnen über den App Store oder Google Play ab, manche Singlebörsen direkt per Karte, Lastschrift oder PayPal. Prüfe, ob in deinem Dating-Konto ein Zahlungsmittel hinterlegt ist, und schau in den Kontoauszügen, Kartenumsätzen und in den Abo-Übersichten von Apple und Google nach Buchungen, die du nicht kennst.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt, Zahlungskonten auf verdächtige Buchungen zu prüfen und sich sofort an Bank oder Zahlungsdienstleister zu wenden, wenn ein Konto mit Verbindung zu Kreditkarte oder Zahlungsdienst gehackt wurde. Karten, die missbraucht wurden, lassen sich über den bundesweiten Sperr-Notruf 116 116 sperren (netzwelt.de), sofern deine Bank oder dein Kartenherausgeber dort angeschlossen ist. Sonst nutzt du die Sperrnummer deiner Bank.

Hat jemand in deinem Namen ein Abo abgeschlossen oder Zusatzfunktionen gekauft, hängt der Weg zurück zum Geld vom Zahlweg ab. Lastschrift, Kreditkarte, PayPal und App-Store-Kauf haben eigene Fristen und Verfahren. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber unbekannte Abbuchung einer Dating-App zurückholen.

Schritt 7: Andere Konten mit demselben Passwort ändern

Hast du das gehackte Passwort auch anderswo benutzt, sind diese Konten genauso offen. Ändere es überall, angefangen bei E-Mail, Onlinebanking, Bezahldiensten und Social Media. Die Checkliste von BSI und ProPK rät, auf Anzeichen zu achten, dass auch andere Konten betroffen sind (Cybernews).

Wenn du nicht mehr in dein Konto kommst: Support der Plattform

Haben die Angreifer E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Passwort geändert, kommst du mit dem Zurücksetzen allein nicht weiter. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass fehlender Zugriff sehr wahrscheinlich daran liegt, dass die Hacker eine Zwei-Faktor-Authentisierung eingerichtet haben, und rät dann, dich unbedingt an das Unternehmen zu wenden (Verbraucherzentrale).

Bei Tinder ist dafür der Kundensupport zuständig. Das Sicherheitsteam, das Meldungen über Schwachstellen bearbeitet, ist laut den Security FAQs ausdrücklich nicht der richtige Ansprechpartner für ein kompromittiertes Konto. Bei anderen Plattformen ist es ähnlich: Du suchst in der App oder auf der offiziellen Website den Bereich Hilfe oder Support und nutzt das dortige Kontaktformular.

So kommt deine Anfrage schneller voran:

  • Schreib von der E-Mail-Adresse, die ursprünglich im Konto hinterlegt war. Daran kann die Plattform erkennen, dass du die rechtmäßige Inhaberin oder der rechtmäßige Inhaber bist.
  • Nenne die Daten, mit denen das Konto angelegt wurde: ursprüngliche Telefonnummer, Anmeldemethode, ungefähres Erstellungsdatum, bei Bezahlkonten das Datum eines Abos oder eine Rechnungsnummer.
  • Beschreibe den Zeitpunkt, an dem dir die Übernahme aufgefallen ist, und was sich verändert hat.
  • Häng Screenshots an, etwa von Code-SMS, Warn-E-Mails oder Nachrichten deiner Matches.
  • Bitte ausdrücklich darum, das Konto vorläufig zu sperren, falls du es nicht sofort zurückbekommst. So kann es in der Zwischenzeit niemand weiter nutzen.

Gib im Support-Kontakt nie dein Passwort oder einen Bestätigungscode weiter. Kein seriöser Support fragt danach.

Rechne damit, dass eine Prüfung Tage dauern kann. Wenn du das Konto nicht zurückbekommst, rät die Verbraucherzentrale, den gesamten Vorgang zu dokumentieren und die Unterlagen aufzubewahren, weil gestohlene Daten auch viel später noch für Identitätsbetrug genutzt werden können (Verbraucherzentrale).

Konto lieber löschen?

Manche wollen nach einem Hack nur noch weg von der Plattform. Das ist verständlich, aber lösche nicht sofort. Ein gelöschtes Konto nimmt dir die Möglichkeit, Beweise zu sichern und betroffene Matches zu warnen. Sichere zuerst alles, warne deine Kontakte und lass das Konto sperren. Danach kannst du die Löschung beantragen. Wie sich Deaktivieren und Löschen unterscheiden und wie du die Löschung durchsetzt, steht in der Anleitung Dating-App-Konto löschen.

Matches warnen und Betrug in deinem Namen stoppen

Ein gehacktes Profil ist für Betrüger ein Werkzeug. Sie schreiben deinen Matches mit deinen Fotos und in deinem Ton und verfolgen dabei meist eines dieser Ziele:

  • Geld. Eine angebliche Notlage, ein vorgeschobenes Problem mit dem Konto, eine Bitte um einen Gutschein oder eine schnelle Überweisung.
  • Codes. Die Bitte, einen Bestätigungscode weiterzuleiten, der „versehentlich“ an die falsche Nummer ging. Damit übernehmen die Angreifer das nächste Konto.
  • Links. Einladungen auf eine externe Seite, zu einem Messenger oder einer angeblichen Verifizierung, hinter der Phishing oder Abofallen stecken.
  • Fotos. Intime Bilder, die später zur Erpressung dienen. Wie Sextortion abläuft und was Betroffene tun, beschreibt der Ratgeber Sextortion: Erpressung mit intimen Fotos.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät nach einem Hack, Familie, Freunde und Bekannte zu informieren, weil Betrüger die erbeuteten Daten für Phishing oder Schocknachrichten nutzen können (Verbraucherzentrale Niedersachsen). Bei einem Dating-Konto sind deine Matches die Menschen, die am stärksten gefährdet sind.

So formulierst du die Warnung

Halte die Nachricht kurz und sachlich. Ein Beispiel:

„Kurze Warnung: Mein Konto wurde in den letzten Tagen von jemand anderem benutzt. Falls du von mir eine Bitte um Geld, einen Code oder einen Link bekommen hast, stammt sie nicht von mir. Bitte nichts davon befolgen. Wenn du schon etwas geschickt hast, melde dich gern, dann sage ich dir, was du tun kannst.“

Schick diese Nachricht an alle Matches, mit denen du in letzter Zeit Kontakt hattest. Kommst du nicht mehr ins Konto, nutze andere Kanäle, falls ihr Nummern oder Social-Media-Profile ausgetauscht habt. Für Matches, die du nur in der App kennst, bleibt der Weg über den Support: Bitte die Plattform, deine Kontakte zu informieren oder das Konto zu sperren, damit niemand weiter angeschrieben wird.

Wenn ein Match schon Geld überwiesen hat

Hat jemand im Glauben, mit dir zu schreiben, Geld geschickt, ist er selbst Opfer eines Betrugs und sollte schnell handeln: Bank kontaktieren, Zahlung wenn möglich zurückrufen lassen und Anzeige erstatten. Du kannst helfen, indem du bestätigst, dass die Nachrichten nicht von dir kamen, und deine eigenen Belege teilst. Der Ratgeber zur Anzeige bei Romance Scam beschreibt die Schritte für Geschädigte, und sie passen auch auf diesen Fall.

Halte außerdem fest, wann du den Hack bemerkt und wann du Plattform und Matches informiert hast. Solche Notizen helfen dir, falls Geschädigte sich an dich wenden. Ob dich im Einzelfall Ansprüche treffen können, klärt eine Anwältin oder ein Anwalt.

Beweise sichern und Anzeige erstatten

Eine Anzeige ist sinnvoll, sobald Geld geflossen ist, Matches betrogen wurden, du erpresst wirst oder deine Daten erkennbar weiter missbraucht werden. Auch ohne direkten Schaden kann sie dir später nützen, etwa wenn Rechnungen oder Mahnungen in deinem Namen auftauchen.

Was du sicherst

  • Screenshots von veränderten Profilangaben, fremden Nachrichten und Chats, jeweils mit sichtbarem Datum
  • E-Mails und SMS der Plattform über Anmeldungen, Passwortänderungen oder neue Geräte
  • Nachrichten von Matches, die dich auf den Missbrauch hingewiesen haben
  • Kontoauszüge oder Belege über unbekannte Abbuchungen
  • deine Korrespondenz mit dem Support, einschließlich Ticketnummern
  • eine kurze Zeitleiste: Wann ist dir was aufgefallen, was hast du wann getan?

Wie die Anzeige funktioniert

Anzeige erstatten kannst du bei jeder Polizeidienststelle oder online über die Internetwache der Polizei deines Bundeslandes. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Anzeige online schnell und einfach geht, es aber hilfreicher ist, zur nächsten Dienststelle zu gehen, den Sachverhalt zu schildern und die Beweise vorzulegen (Verbraucherzentrale). Nimm deine Screenshots und die Zeitleiste mit, ausgedruckt oder auf einem Gerät, das du der Polizei zeigen kannst.

Rechtlich kann der unbefugte Zugriff auf dein Konto unter § 202a StGB fallen. Danach macht sich strafbar, wer sich oder anderen unbefugt Zugang zu Daten verschafft, die nicht für ihn bestimmt und gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, und dabei die Zugangssicherung überwindet. Das Gesetz sieht dafür bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor (§ 202a StGB). Ob das Merkmal der überwundenen Zugangssicherung erfüllt ist, wenn du ein Passwort oder einen Code selbst herausgegeben hast, bewerten die Behörden im Einzelfall. Das Ausspähen von Daten wird nach § 205 StGB grundsätzlich nur auf Antrag verfolgt, außer die Staatsanwaltschaft hält ein besonderes öffentliches Interesse für gegeben (§ 205 StGB). Sag bei der Anzeige deshalb ausdrücklich, dass du Strafantrag stellst. Werden in deinem Namen andere um Geld gebracht, kommen weitere Straftaten hinzu. Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft, eine rechtliche Einzelfallberatung kann eine Anwältin oder ein Anwalt geben.

Realistisch betrachtet sitzen viele Täter im Ausland oder sind schwer zu ermitteln. Eine Anzeige ist trotzdem kein leerer Schritt: Sie dokumentiert, dass du Opfer bist und nicht Täter, und sie ist oft Voraussetzung, wenn du gegenüber Bank, Versicherung oder Inkassobüro nachweisen musst, dass ein Vertrag oder eine Zahlung nicht von dir stammt. Hast du eine Cyberversicherung oder eine entsprechende Klausel in Hausrat- oder Haftpflichtversicherung, rät die Verbraucherzentrale, dich auch dort zu melden.

Wenn dich der Vorfall belastet

Ein gehacktes Dating-Konto trifft einen empfindlichen Bereich. Fremde haben deine Chats gelesen, vielleicht in deinem Namen geflirtet oder Menschen getäuscht, die du mochtest. Scham und Wut sind normale Reaktionen. Das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS ist unter 116 006 täglich von 7 bis 22 Uhr kostenlos und anonym erreichbar. Wenn dich der Vorfall stärker belastet oder du mit jemandem reden möchtest, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 für dich da.

Deine Rechte nach der DSGVO

Ein Hack betrifft deine personenbezogenen Daten, und die Datenschutz-Grundverordnung gibt dir dafür einige Werkzeuge an die Hand. Sie ersetzen nicht die Sofortmaßnahmen, helfen aber beim Aufräumen danach.

Auskunft nach Art. 15 DSGVO. Du kannst vom Anbieter eine Bestätigung verlangen, ob er Daten über dich verarbeitet, und wenn ja, Auskunft über diese Daten, ihre Zwecke, Empfänger und die Speicherdauer (Art. 15 DSGVO). Nach einem Hack kann das hilfreich sein, um zu sehen, welche Angaben im Konto gespeichert sind und ob die Plattform Protokolle zu Anmeldungen führt. Ob und wie detailliert solche Protokolle herausgegeben werden, hängt vom Anbieter ab.

Benachrichtigung bei einer Datenpanne nach Art. 34 DSGVO. War der Hack Teil eines Sicherheitsvorfalls beim Anbieter selbst, etwa eines Datenlecks, und bedeutet er voraussichtlich ein hohes Risiko für deine Rechte und Freiheiten, muss der Anbieter dich grundsätzlich unverzüglich benachrichtigen (Art. 34 DSGVO). Die Benachrichtigung muss in klarer und einfacher Sprache die Art der Verletzung beschreiben und unter anderem die wahrscheinlichen Folgen und die ergriffenen Maßnahmen nennen. Es gibt Ausnahmen, etwa wenn die Daten wirksam verschlüsselt waren oder wenn eine individuelle Nachricht unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten würde. Dann tritt eine öffentliche Bekanntmachung an ihre Stelle. Ist dein Konto über ein Passwort übernommen worden, das du selbst weitergegeben oder an anderer Stelle verloren hast, liegt in der Regel keine Datenpanne beim Anbieter vor.

Berichtigung und Löschung. Hat der Angreifer Angaben in deinem Profil geändert, kannst du verlangen, dass falsche Daten berichtigt werden. Willst du das Konto nach dem Vorfall ganz loswerden, kannst du die Löschung beantragen.

Beschwerde nach Art. 77 DSGVO. Reagiert der Anbieter auf deine Anfragen nicht oder hältst du die Verarbeitung deiner Daten für rechtswidrig, kannst du dich bei einer Datenschutz-Aufsichtsbehörde beschweren (Art. 77 DSGVO), zum Beispiel bei der Behörde in deinem Bundesland.

Welche Daten Dating-Apps überhaupt speichern und wie du eine Auskunftsanfrage formulierst, steht ausführlich im Ratgeber Datenschutz beim Online-Dating.

Vorbeugen: Zwei-Faktor-Authentifizierung und mehr

Hast du dein Konto zurück, sorgst du dafür, dass es nicht wieder passiert. Die wichtigsten Maßnahmen kosten einmal etwas Zeit und schützen danach dauerhaft.

Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo es sie gibt

Laut einer Antwort des Berliner Senats auf eine parlamentarische Anfrage empfiehlt das BSI, eine Zwei-Faktor-Authentisierung zu nutzen, sobald ein Online-Dienst sie ermöglicht, und hat im Oktober 2024 auch Passkeys als Login-Verfahren empfohlen (Abgeordnetenhaus Berlin). Ein zweiter Faktor bedeutet: Selbst wer dein Passwort kennt, braucht zusätzlich etwas, das nur du hast, etwa einen Code aus einer Authenticator-App oder einen Passkey auf deinem Gerät.

Bei Dating-Apps ist die Lage uneinheitlich. Ob und in welcher Form deine App einen zweiten Faktor anbietet, siehst du in den Sicherheits- oder Kontoeinstellungen, und das Angebot kann sich mit Updates ändern. Bumble empfiehlt, die Zwei-Faktor-Authentifizierung für das verknüpfte Apple-, Google- oder Facebook-Konto einzuschalten (Bumble Support). Das gilt allgemein: Meldest du dich über ein anderes Konto an, ist dessen Schutz auch der Schutz deines Dating-Profils.

Die Telefonnummer absichern

Meldest du dich per SMS-Code an, ist ein Kundenkennwort oder eine PIN für Vertragsänderungen und SIM-Tausch bei deinem Mobilfunkanbieter der wichtigste Schutz. Bestätigungscodes gibst du an niemanden weiter, auch nicht an sympathische Matches.

Passwörter und Postfach

  • Ein eigenes Passwort für jeden Dienst, verwaltet in einem Passwort-Manager.
  • Dein E-Mail-Postfach bekommt den besten Schutz, den der Anbieter anbietet. Die Checkliste von BSI und ProPK nennt dafür ein starkes Passwort mit Zwei-Faktor-Authentisierung oder Passkeys (Borns IT-Blog).
  • Eine eigene E-Mail-Adresse nur für Dating kann sinnvoll sein. Sie taucht dann nicht in Lecks anderer Dienste auf, und du siehst sofort, wenn dort etwas Ungewöhnliches ankommt.

Gewohnheiten, die Übernahmen erschweren

  • Apps nur aus dem offiziellen Store installieren.
  • Das Handy mit PIN oder biometrischer Sperre schützen und nicht entsperrt herumliegen lassen.
  • Ab und zu in den Einstellungen nachsehen, welche Geräte angemeldet sind und welche Apps Zugriff auf dein Google-, Apple- oder Facebook-Konto haben.
  • So wenige persönliche Angaben wie nötig im Profil: Arbeitgeber, vollständiger Name und Wohnadresse helfen Angreifern, sich beim Support oder beim Mobilfunkanbieter als du auszugeben.

Wer ohnehin gerade überlegt, ob die eigene Plattform gut zu den eigenen Ansprüchen an Sicherheit passt, sollte wissen: Die Portale im Anbietervergleich sind derzeit Chat- und Unterhaltungsportale und dort auch so gekennzeichnet.

Typische Fehler nach einem Hack

  • Nur das Dating-Passwort ändern, während E-Mail, Social-Login oder Telefonnummer noch in fremder Hand sind.
  • Auf dem möglicherweise infizierten Gerät weitermachen oder fremde Sitzungen offen lassen.
  • Das Konto sofort löschen und damit Beweise vernichten.
  • Aus Scham schweigen. Wer niemanden warnt, lässt den Angreifern Zeit, weitere Menschen zu täuschen.
  • Angeblichen Helfern vertrauen, die gegen Bezahlung versprechen, das Konto zurückzuholen. Seriöse Hilfe gibt es nur über den offiziellen Support der Plattform.

Fazit: Erst den Schlüssel sichern, dann das Konto

Ist dein Dating-App-Account gehackt, gehst du von außen nach innen vor: erst Gerät und Login-Konto, dann das Dating-Konto, Sitzungen, Profil und Zahlungsmittel. Kommst du nicht mehr hinein, hilft nur der offizielle Support. Genauso wichtig ist die Warnung an deine Matches, damit niemand in deinem Namen betrogen wird. Ist Schaden entstanden, erstattest du Anzeige mit Strafantrag. Ein eigenes Passwort pro Dienst und ein Login-Konto mit zweitem Faktor sorgen danach dafür, dass sich der Vorfall nicht wiederholt.

Häufige Fragen

Woran merke ich, dass mein Dating-Account gehackt wurde?

Typisch sind Nachrichten in deinen Chats, die du nicht geschrieben hast, Fotos oder Profiltexte, die du nicht hochgeladen hast, ein Passwort, das plötzlich nicht mehr funktioniert, und E-Mails oder SMS über Anmeldungen, Code-Anfragen oder geänderte Kontodaten, die du nicht ausgelöst hast. Auch unbekannte Abbuchungen für Premium-Funktionen können ein Hinweis sein.

Was mache ich, wenn ich gar nicht mehr in mein Dating-Konto komme?

Sichere zuerst das Konto, über das du dich anmeldest, also E-Mail-Postfach, Google-, Apple- oder Facebook-Konto. Versuch dann, das Passwort über die offizielle App zurückzusetzen. Klappt das nicht, weil die Angreifer E-Mail, Telefonnummer oder einen zweiten Faktor geändert haben, wende dich über die offizielle Hilfe der Plattform an den Support und beschreibe, wann dir die Übernahme aufgefallen ist.

Muss ich meine Matches informieren, wenn mein Profil gehackt wurde?

Ja, sobald du es kannst. Wer dein Konto übernommen hat, nutzt oft das Vertrauen, das du aufgebaut hast, um Geld, Fotos oder Codes zu erbitten. Eine kurze Nachricht an deine aktiven Kontakte, notfalls über einen anderen Kanal, verhindert, dass jemand in deinem Namen betrogen wird.

Ist es strafbar, einen fremden Dating-Account zu hacken?

Wer sich unbefugt Zugang zu besonders gesicherten Daten verschafft, etwa indem er ein Passwort überwindet, kann sich nach § 202a StGB wegen Ausspähens von Daten strafbar machen. Nutzt der Täter das Konto zusätzlich, um andere um Geld zu bringen, kommen weitere Straftaten in Betracht. Ob und wie verfolgt wird, entscheiden Polizei und Staatsanwaltschaft im Einzelfall.

Bieten Dating-Apps eine Zwei-Faktor-Authentifizierung an?

Das ist je nach Plattform unterschiedlich und ändert sich mit der Zeit. Schau in den Sicherheitseinstellungen deiner App nach. Bumble etwa empfiehlt in seiner Hilfe, die Zwei-Faktor-Authentifizierung für das verknüpfte Apple-, Google- oder Facebook-Konto einzuschalten. Gibt es in der App selbst keinen zweiten Faktor, schützt du so wenigstens den Login dahinter.

Kann ich vom Anbieter erfahren, was mit meinen Daten passiert ist?

Du kannst nach Art. 15 DSGVO Auskunft darüber verlangen, welche personenbezogenen Daten der Anbieter über dich speichert. Liegt dem Hack eine Datenpanne beim Anbieter zugrunde, die voraussichtlich ein hohes Risiko für dich bedeutet, muss er dich nach Art. 34 DSGVO grundsätzlich benachrichtigen. Reagiert er nicht, kannst du dich bei einer Datenschutz-Aufsichtsbehörde beschweren.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 27. Oktober 2026

Sven Albrecht
Über die Autorin / den Autor
Sven Albrecht

Sven prüft, was Dating-Plattformen mit den Daten ihrer Mitglieder machen: Wie lange wird gespeichert, wie leicht lässt sich ein Konto löschen, wie ernst wird Sicherheit genommen. Er kennt die gängigen Maschen von Fake-Profilen und erklärt, woran man sie erkennt.

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