Fake-Profil mit meinen Bildern: Was du jetzt tun kannst
Fake-Profil mit meinen Bildern entdeckt? So findest du Kopien, sicherst Beweise, meldest das Profil, setzt die Löschung durch und schützt dich vor neuen Fakes.
Ein Fake-Profil mit meinen Bildern: Diesen Satz tippen viele in die Suchmaske, kurz nachdem eine Freundin eine merkwürdige Anfrage weitergeleitet hat oder ein Fremder schreibt, er habe dein Gesicht in einer Dating-App unter einem anderen Namen gesehen. Jemand tritt mit deinem Gesicht auf, und du weißt nicht, was in deinem Namen gerade passiert. Hilflos bist du trotzdem nicht. Vier Schritte bringen die Lage in den Griff: Beweise sichern, das Profil melden, dein Umfeld warnen und, wenn die Plattform nicht reagiert, deine Rechte schriftlich geltend machen. Eine Anzeige kommt dazu, sobald Betrug, Drohungen oder gezielte Rufschädigung im Spiel sind.
Hier geht es um die Sicht der Person, deren Fotos missbraucht werden. Wenn du umgekehrt wissen willst, ob ein Match, mit dem du schreibst, echt ist, hilft dir der Ratgeber Fake-Profile erkennen weiter.
Fake-Profil mit meinen Bildern: Was du in den ersten 24 Stunden tust
Wenn du gerade erst von der Kopie erfahren hast, arbeite diese Liste der Reihe nach ab. Die Reihenfolge ist wichtig, weil ein gemeldetes Profil oft schnell verschwindet und mit ihm die Belege.
- Ruhig bleiben und nicht schreiben. Schick dem Fake-Profil keine wütende Nachricht. Du warnst damit nur die Person dahinter, die dann vielleicht Inhalte löscht oder das Profil umbenennt.
- Beweise sichern. Link zum Profil, Benutzername, Screenshots aller Fotos und Beiträge, dazu Datum und Uhrzeit. Hat das Profil Freunde oder Bekannte angeschrieben, bitte sie um Screenshots dieser Nachrichten.
- Melden. Über die Meldefunktion der Plattform mit dem passenden Grund, etwa Nachahmung oder vorgetäuschte Identität.
- Umfeld informieren. Ein kurzer Hinweis in deinem echten Profil oder in deinen Gruppen-Chats, dass es eine Kopie gibt.
- Eigene Konten absichern. Prüf, ob deine eigenen Konten noch dir gehören, ändere im Zweifel Passwörter und schalte die Zwei-Faktor-Anmeldung ein. Ein Fake-Profil ist etwas anderes als ein gehacktes Konto, beides kann aber zusammen auftreten.
- Weiter suchen. Wo eine Kopie ist, sind manchmal mehrere. Die Bilderrückwärtssuche zeigt dir, ob deine Fotos noch anderswo auftauchen.
Woran du erkennst, welche Art von Fake-Profil es ist
Vom Ziel des Fake-Profils hängt ab, wie dringend die Sache ist und welche Schritte Vorrang haben. Grob lassen sich vier Arten unterscheiden.
| Art des Missbrauchs | Was typischerweise passiert | Wer gefährdet ist | Was zuerst zählt |
|---|---|---|---|
| Kopie deines Profils | Gleicher Name, gleiche Fotos, Freundschaftsanfragen an deine Kontakte | Dein Umfeld | Melden, Umfeld warnen |
| Deine Fotos unter fremdem Namen | Ein erfundener Mensch mit deinem Gesicht, oft in Dating-Apps | Fremde, die sich verlieben oder Geld zahlen sollen | Melden, Belege für die Plattform |
| Rufschädigung in deinem Namen | Peinliche, beleidigende oder sexualisierte Inhalte unter deinem Namen | Du selbst | Beweise, schriftliche Beanstandung, Anzeige prüfen |
| Bildsammlung oder Bearbeitung | Deine Fotos in Sammelprofilen, bearbeitet oder in fremden Zusammenhängen | Du selbst | Beweise, Löschung verlangen |
Die Profilkopie auf Facebook und Instagram
Die bekannteste Form ist die Profilkopie. Jemand legt ein Konto mit deinem Namen und deinem Profilbild an, oft ergänzt um ein paar öffentliche Fotos, und schickt dann deinen Freunden Anfragen. Wer annimmt, bekommt bald Nachrichten mit einer angeblichen Notlage, einer Bitte um Geld oder einem Link. Die Faktenchecker von Mimikama beschreiben genau dieses Muster bei kopierten Facebook-Profilen. Die eigentlichen Opfer sind hier oft deine Bekannten, du bist eher die Tarnung.
Deine Fotos auf einer Dating-App
Anders liegt der Fall, wenn deine Bilder unter einem fremden Namen in einer Dating-App auftauchen. Dort braucht der Betrüger keine Verbindung zu deinem Umfeld, er braucht nur ein glaubwürdiges Gesicht. Typisch ist das für Catfishing und für Romance Scams, bei denen über Wochen Vertrauen aufgebaut wird, bis eine Geldforderung kommt. Wie diese Maschen aus Sicht der Getäuschten ablaufen, beschreiben die Ratgeber Catfishing erkennen und Romance Scam erkennen. Für dich ist das tückisch, weil du davon oft lange nichts merkst.
Rufschädigung und sexualisierte Inhalte
Die belastendste Variante ist ein Profil, das dich bloßstellen soll. Es veröffentlicht unter deinem Namen anzügliche Texte, beleidigt andere oder stellt Fotos in einen sexuellen Zusammenhang. Hier ist die Lage rechtlich und emotional ernster, und die Anzeige gehört von Anfang an auf die Liste. Wird dir mit intimen Aufnahmen gedroht oder Geld verlangt, gilt der Sonderfall Erpressung, den der Artikel Sextortion: Wenn intime Fotos zur Erpressung werden Schritt für Schritt behandelt.
So findest du heraus, wer deine Bilder benutzt
Bevor du meldest, lohnt sich ein Blick, ob es bei dieser einen Kopie bleibt. Sonst meldest du ein Profil, während zwei andere weiterlaufen.
Bilderrückwärtssuche mit deinen eigenen Fotos
Eine Bilderrückwärtssuche findet optisch gleiche oder ähnliche Bilder: Du lädst ein Foto hoch, und die Suchmaschine zeigt Seiten mit demselben Motiv. So gehst du vor:
- Wähle die Fotos aus, die öffentlich sichtbar sind oder waren. Profilbilder, Titelbilder, öffentliche Beiträge, Fotos aus beruflichen Profilen. Das sind die Bilder, die Fremde am leichtesten kopieren.
- Prüfe jedes Foto einzeln. Google Lens, die Bing-Bildersuche und spezialisierte Dienste wie TinEye arbeiten unterschiedlich und finden nicht dieselben Treffer. Zwei Dienste sind besser als einer.
- Probier auch Ausschnitte. Wer ein Foto kopiert, schneidet es oft zu oder spiegelt es. Ein Ausschnitt nur mit deinem Gesicht findet manchmal Treffer, die das Originalbild nicht findet.
- Notiere jeden Fund mit Link und Datum. Das ist bereits Teil deiner Beweissicherung.
Rechne nicht damit, auf diesem Weg alles zu finden. Profile in Dating-Apps sind in der Regel nicht öffentlich im Netz abrufbar, und auch viele Facebook- und Instagram-Inhalte erscheinen nicht in Suchmaschinen. Ein leeres Ergebnis heißt deshalb nicht, dass es keine weiteren Kopien gibt.
Suche nach Namen und Varianten
Die zweite Spur ist dein Name. Gib ihn in die Suchfelder von Facebook, Instagram und anderen Netzwerken ein, in denen du aktiv bist, und probier Varianten: mit und ohne zweiten Vornamen, mit vertauschten Buchstaben, mit Zusätzen wie Punkten oder Unterstrichen. Kopierte Profile weichen oft nur um ein Zeichen ab, damit sie neben dem Original existieren können.
Hinweise aus deinem Umfeld
Bei Dating-Apps bist du fast immer auf andere angewiesen. Bitte Freundinnen und Freunde, die selbst Apps nutzen, dir Bescheid zu geben, wenn ihnen dein Gesicht begegnet. Auch Fremde, die von einem Fake mit deinen Bildern getäuscht wurden, melden sich manchmal bei dir. Solche Nachrichten sind eine wertvolle Quelle: Frag nach dem Namen des Profils, der App und nach Screenshots (wie du mit enttäuschten Fremden umgehst, steht unten bei den Sonderfällen).
Beweise sichern, bevor du meldest
Nach einer erfolgreichen Meldung ist das Profil weg. Für eine schriftliche Beanstandung, eine Anzeige oder einen Anwalt brauchst du aber nachvollziehbare Belege.
Was du festhalten solltest
- Die genaue Adresse des Profils. Auf dem Smartphone findest du sie meist über „Profil teilen“ oder „Link kopieren“. Der Link ist oft dauerhafter als der angezeigte Name, der sich jederzeit ändern lässt.
- Den Benutzernamen und, falls sichtbar, die Profil-ID. Bei Instagram ist das der Name nach dem @, bei Facebook steht er in der Adresse.
- Screenshots aller Fotos, des Profiltexts und der Beiträge. Achte darauf, dass auf dem Screenshot die Uhrzeit und möglichst der Profilname zu sehen sind.
- Nachrichten, die das Profil an andere geschickt hat. Die bekommst du nur über die Empfänger. Bitte sie um vollständige Screenshots, nicht nur um Ausschnitte.
- Deine Originale. Leg die echten Fotos dazu, am besten mit Hinweis, wann und wo du sie selbst veröffentlicht hast. Damit zeigst du später, dass es deine Bilder sind.
Wie du die Belege ordnest
Leg einen Ordner an und speichere jede Datei mit Datum im Namen, etwa „2026-10-15 Instagram Profil Startseite“. Führ dazu eine einfache Liste: Datum, Plattform, Link, was du gesehen hast, was du unternommen hast. Diese Chronik hilft Plattform, Polizei und Anwalt beim Verständnis und dir, wenn das Profil wieder auftaucht.
Ein Bildschirmvideo, in dem du einmal durch das Profil scrollst, ergänzt die Screenshots gut. Bearbeite die Belege nicht. Persönliche Daten Dritter, etwa in weitergeleiteten Chats, gibst du später nur an die Stellen weiter, die sie wirklich brauchen.
Fake-Profil melden: So gehst du bei den Plattformen vor
Die Meldung bei der Plattform ist der schnellste Weg. Die Menüpunkte ändern sich immer wieder, das Prinzip bleibt: Du meldest das Profil, wählst einen Grund, der auf Identitätsmissbrauch passt, und gibst an, dass du selbst die nachgeahmte Person bist.
Auf Facebook öffnest du das gefälschte Profil, tippst auf das Menü mit den drei Punkten und wählst die Option zum Melden. Als Grund passt die Nachahmung beziehungsweise vorgetäuschte Identität, danach fragt Facebook, wen das Profil nachahmt. Mimikama beschreibt diesen Weg für kopierte Profile und empfiehlt, Freunde ebenfalls melden zu lassen. Melde zusätzlich zum Profil auch konkrete Inhalte wie Beiträge oder Nachrichten. Das ist vor allem bei rufschädigenden Profilen sinnvoll, weil einzelne Beiträge oft eindeutiger gegen Regeln verstoßen als das Profil an sich.
Bei Instagram meldest du das Profil in der App über die drei Punkte, wählst den Grund, dass das Konto vorgibt, jemand anderes zu sein, und gibst an, dass es dich selbst nachahmt. Als zweiten Weg nennt Mimikama ein Formular auf der Instagram-Hilfeseite. Den Stand deiner Meldung kannst du laut heise online in den Einstellungen unter Hilfe bei den Support-Anfragen verfolgen. Bei Meldungen wegen Nachahmung kann die Plattform einen Nachweis verlangen, dass du wirklich du bist, etwa ein Ausweisfoto. Schwärze darauf alles, was für die Prüfung nicht nötig ist, zum Beispiel die Ausweisnummer, sofern das Formular sie nicht ausdrücklich verlangt.
Dating-Apps
Dating-Apps haben eine Meldefunktion im Profil, meist hinter den drei Punkten oder einem Flaggensymbol. Das Problem: Du siehst das Fake-Profil oft gar nicht selbst, weil es dir nicht angezeigt wird oder weil du die App nicht nutzt. Dann hast du zwei Wege. Entweder meldet die Person, die dich auf die Kopie hingewiesen hat, das Profil direkt aus der App. Oder du wendest dich über die Hilfe- oder Kontaktseite des Anbieters an den Support und schickst Screenshots und deine Originalfotos mit. Gib dabei so genau wie möglich an, wo das Profil auftaucht: angezeigter Name, Alter, Ort, Datum der Sichtung. Wie Dating-Apps Profile prüfen und was ein Verifizierungshaken belegt, erklärt der Ratgeber zur Dating-App-Verifizierung.
Was im Meldeformular stehen sollte
Ob Formular oder Freitext: Eine gute Meldung ist knapp und eindeutig. Ein Beispiel für das Freitextfeld:
„Dieses Profil verwendet ohne meine Einwilligung Fotos, die mich zeigen. Ich bin die abgebildete Person und habe dieses Konto nicht angelegt. Das Profil gibt vor, ich zu sein, beziehungsweise nutzt mein Gesicht unter falschem Namen. Ich bitte um Löschung des Profils und aller Fotos, die mich zeigen. Belege und mein echtes Profil füge ich bei.“
Lange Erklärungen helfen dem Prüfteam selten, ein klarer Bezug auf dein Recht am eigenen Bild und eindeutige Belege dagegen schon.
Was der Digital Services Act für deine Meldung bedeutet
Seit dem Digital Services Act der EU müssen Hostingdienste, also auch soziale Netzwerke und Dating-Plattformen, ein Melde- und Abhilfeverfahren anbieten. Nach Art. 16 DSA muss es leicht zugänglich und benutzerfreundlich sein und Meldungen auf elektronischem Weg ermöglichen. Melden darf laut einem Fachbeitrag der Kanzlei Lausen nicht nur, wer den Dienst selbst nutzt, sondern jeder beliebige Dritte. Für dich heißt das: Auch ohne Konto bei der betreffenden App hast du Anspruch auf einen funktionierenden Meldeweg. Viele große Plattformen haben dafür eigene Formulare für rechtswidrige Inhalte, die nach dem Grund und dem rechtlichen Hintergrund fragen. Dort kannst du dein Recht am eigenen Bild ausdrücklich nennen.
Wenn die Plattform das Profil nicht löscht
Es kommt vor, dass eine Meldung mit dem Hinweis zurückkommt, das Profil verstoße nicht gegen die Richtlinien. inFranken.de schildert einen solchen Fall: Facebook entfernte ein gemeldetes Fake-Profil nach automatischer Prüfung nicht, obwohl auch Freunde es gemeldet hatten. Das ist frustrierend, aber nicht das Ende.
Erneut melden und präziser werden
Melde ein zweites Mal, diesmal mit anderem Grund oder über das Formular für rechtswidrige Inhalte, und häng deine Belege an. Eine zweite, gut belegte Meldung wird manchmal anders bewertet als die erste.
Schriftliche Beanstandung
Bleibt auch das erfolglos, hilft eine schriftliche Beanstandung, am besten per E-Mail an die im Impressum oder in den Rechtshinweisen genannte Adresse oder über das Kontaktformular für rechtliche Anliegen. Nenne darin den Link zum Profil, beschreibe kurz, dass es deine Fotos ohne Einwilligung nutzt oder sich als dich ausgibt, und fordere die Löschung mit einer angemessenen Frist.
Warum das wichtig ist, zeigt die Rechtsprechung. Das Oberlandesgericht München hat in einem Urteil vom 20. Januar 2026 (Az. 18 U 2360/25) festgehalten, dass ein Social-Media-Konto, das ohne Zustimmung den Namen und Fotos einer Person nutzt und vorgibt, es sei ihr Konto, deren Persönlichkeitsrecht, Namensrecht und Recht am eigenen Bild verletzen kann. Der Anbieter kann danach als sogenannter mittelbarer Störer verpflichtet sein, solche Fake-Accounts nicht weiter zu ermöglichen, und zwar nachdem der Betroffene dies ihm gegenüber in geeigneter Form beanstandet hat. Das Landgericht München I hat im Januar 2025 (Az. 33 O 28/25) per Beschluss im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung gegen einen Plattformbetreiber erlassen: Der Betreiber hatte einen als Fake gemeldeten Account nach eigener Prüfung nicht beanstandet und konnte danach als Störer auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Eine schriftliche, konkrete Beanstandung ist also mehr als eine Formalie.
Wann ein Anwalt sinnvoll ist
Ein Anwalt oder eine Anwältin für Medienrecht lohnt sich, wenn die Plattform trotz Beanstandung nicht reagiert, wenn die Kopien immer wieder auftauchen oder wenn das Profil deinem Ruf massiv schadet. Dann kommt etwa eine einstweilige Verfügung in Betracht. Das kostet Geld, und die Kostenfrage solltest du vorab offen ansprechen. Prüfe auch, ob deine Rechtsschutzversicherung solche Fälle abdeckt. Einzelfallberatung kann dieser Ratgeber nicht ersetzen.
Deine Rechte: Was du verlangen kannst
Bei einem Fake-Profil mit deinen Bildern hast du mehrere Rechte gleichzeitig auf deiner Seite, jedes mit eigenem Ansatzpunkt.
| Recht | Worum es geht | Grundlage |
|---|---|---|
| Recht am eigenen Bild | Bildnisse von dir dürfen grundsätzlich nur mit deiner Einwilligung verbreitet werden | §§ 22, 23 KUG |
| Persönlichkeits- und Namensrecht | Niemand darf vorgeben, du zu sein | Allgemeines Persönlichkeitsrecht, Namensrecht |
| Datenschutz | Fotos und Name sind personenbezogene Daten, unrechtmäßig verarbeitete Daten sind zu löschen | Art. 17 DSGVO |
| Urheberrecht am Foto | Wer ein Foto gemacht hat, kann dessen Nutzung untersagen | § 72 UrhG |
Recht am eigenen Bild
Nach dem Kunsturhebergesetz darf ein Bildnis grundsätzlich nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Ausnahmen, etwa für Bilder aus dem Bereich der Zeitgeschichte, passen auf ein Fake-Profil mit deinem Porträt in aller Regel nicht. Verstöße können nach § 33 KUG strafbar sein, dazu mehr im Abschnitt zur Anzeige.
Persönlichkeits- und Namensrecht
Gibt sich ein Profil als dich aus, geht es um mehr als um ein Foto. Das OLG München nennt deshalb Persönlichkeits- und Namensrecht neben dem Recht am eigenen Bild, was vor allem bei Profilkopien mit deinem Namen zählt.
Löschung nach der DSGVO
Dein Gesicht und dein Name sind personenbezogene Daten. Nach Art. 17 DSGVO kannst du die Löschung verlangen, unter anderem wenn die Daten unrechtmäßig verarbeitet wurden. In der Praxis kann es allerdings haken: Der Datenschutzblog Dr. Datenschutz beschreibt, dass die Identifizierung der betroffenen Person bei Fake-Profilen Schwierigkeiten bereiten kann. Rechne also damit, dass du nachweisen musst, die abgebildete Person zu sein. Wie du Datenschutzrechte gegenüber Plattformen allgemein geltend machst und wann sich eine Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde lohnt, erklärt der Ratgeber Datenschutz beim Online-Dating.
Urheberrecht an deinen Fotos
Hast du ein Foto selbst aufgenommen, etwa ein Selfie, kommt ein weiteres Recht dazu. Auch einfache Fotos ohne künstlerischen Anspruch sind als Lichtbilder nach § 72 UrhG geschützt, und das Recht daran steht dem Lichtbildner zu, also dem, der fotografiert hat. Hat eine Freundin das Bild gemacht, liegt dieses Recht bei ihr. Für dich ist das interessant, weil viele Plattformen eigene Meldewege für Urheberrechtsverletzungen haben.
Fake-Profil anzeigen: Ist Identitätsdiebstahl strafbar?
Ein Fake-Profil ist nicht automatisch eine Straftat.
Was heute gilt
„Identitätsdiebstahl“ ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand. Das betont etwa ein Fachbeitrag bei Wolters Kluwer: Je nach Vorgehen werden aber verschiedene Tatbestände erfüllt. Für Fake-Profile mit fremden Bildern kommen vor allem diese in Frage:
- Verbreiten von Bildnissen ohne Einwilligung. Nach § 33 KUG droht Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe, wenn jemand entgegen §§ 22, 23 KUG ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt. Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt. Sag bei der Anzeige deshalb ausdrücklich, dass du Strafantrag stellst.
- Betrug. Nutzt das Profil dein Gesicht, um anderen Geld abzunehmen, steht ein Betrug im Raum. Geschädigt sind dann vor allem die Getäuschten, du bist aber wichtiger Zeuge.
- Nachstellung. § 238 StGB erfasst unter anderem, wer unter missbräuchlicher Verwendung personenbezogener Daten Dritte veranlasst, mit der betroffenen Person Kontakt aufzunehmen. Veröffentlicht der Täter über das Fake-Profil etwa wiederholt deine Telefonnummer mit der Aufforderung, dich anzurufen, kann das in Betracht kommen. Das Gesetz verlangt dafür unter anderem wiederholtes Handeln, das geeignet ist, dein Leben nicht unerheblich zu beeinträchtigen.
- Beleidigung und üble Nachrede. Werden unter deinem Namen herabwürdigende Inhalte verbreitet, kann je nach Inhalt auch das eine Rolle spielen. Die Einordnung übernehmen Polizei und Staatsanwaltschaft.
Was sich gerade ändert
Am 7. Oktober 2026 hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt beschlossen. Laut beck-aktuell und netzpolitik.org soll unter anderem ein persönlichkeitsrechtsverletzender Identitätsmissbrauch strafbar werden: das Betreiben von Fake-Accounts im Namen einer anderen Person, wenn sie geeignet sind, deren Ansehen erheblich zu schaden. Außerdem sieht der Entwurf laut netzpolitik.org einen Anspruch vor, strafbare Inhalte löschen zu lassen. Wichtig: Der Entwurf ist noch kein Gesetz. Er muss erst das parlamentarische Verfahren durchlaufen und kann sich dabei ändern. Für einen Fall, der heute passiert, gelten die bisherigen Regeln.
Wie du Anzeige erstattest
Eine Anzeige kannst du bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslands erstatten. Laut Stiftung Warentest gibt es die Onlinewache inzwischen in allen Bundesländern. Wirst du mit Gewalt bedroht, geh nach den Hinweisen von test.de besser persönlich zur Wache. Die Polizei braucht vor allem deine Daten, eine möglichst genaue Schilderung mit Datum und Beweise wie Screenshots. Hier zahlt sich deine Chronik aus. Hänge die wichtigsten Screenshots an.
Realistische Erwartungen
In Foren schildern Betroffene, dass die Polizei bei einer reinen Bildnutzung wenig ausrichten konnte. Auch zivilrechtlich ist die Spur zum Täter schwer: Das Landgericht Koblenz hat laut WBS.LEGAL mit Beschluss vom 25. August 2025 (Az. 2 O 1/25) einen Anspruch auf Herausgabe der Nutzerdaten gegen Instagram bei einem Fake-Profil abgelehnt, weil es nur um Fotos und Textnachrichten ging, nicht um audiovisuelle Inhalte. Andere Gerichte haben in anderen Konstellationen anders entschieden, die Rechtsprechung ist uneinheitlich. Die Anzeige ist trotzdem sinnvoll, wenn Geld gefordert wird, wenn du bedroht wirst, wenn das Profil deinen Ruf schädigt oder wenn es immer wieder auftaucht. Sie dokumentiert den Vorfall offiziell. Wie eine Anzeige bei Online-Betrug abläuft, zeigt auch der Ratgeber Romance Scam: Anzeige erstatten.
Dein Umfeld warnen, ohne Panik zu machen
Eine kurze, sachliche Warnung schützt deine Kontakte und beschleunigt die Löschung, weil mehr Menschen melden.
Ein Beispiel für einen Beitrag oder eine Nachricht:
„Achtung: Es gibt ein falsches Profil mit meinem Namen und meinen Fotos. Ich schicke keine neuen Freundschaftsanfragen und bitte niemanden um Geld. Bitte nehmt keine Anfrage an, schickt nichts und meldet das Profil als vorgetäuschte Identität. Danke!“
Ein paar Punkte, die dabei helfen:
- Kein Link zum Fake im öffentlichen Beitrag. Sonst schickst du dem Profil Besucher. Den Link gibst du nur an Menschen weiter, die melden wollen.
- Wer schon Kontakt hatte, soll sich melden. Frag gezielt nach, ob jemand angeschrieben wurde, und bitte um Screenshots.
- Wer schon gezahlt hat, braucht schnell Hilfe. Rate der Person, sofort ihre Bank zu kontaktieren und selbst Anzeige zu erstatten. Vorwürfe helfen hier niemandem.
- Berufliches Umfeld nicht vergessen. Nutzt das Profil deinen Namen in einem Netzwerk, in dem auch Kollegen oder Kunden sind, kann eine kurze Info an die betroffenen Personen sinnvoll sein.
Wenn das Fake-Profil immer wieder auftaucht
Ein gelöschtes Profil ist leider kein Schlussstrich. Wer einmal deine Fotos gespeichert hat, kann damit jederzeit ein neues Profil unter anderem Namen anlegen.
Eine einfache Routine
- Alle paar Wochen eine Rückwärtssuche mit den zwei, drei Fotos, die schon missbraucht wurden.
- Namenssuche in den Netzwerken, in denen die Kopie schon einmal aufgetaucht ist.
- Neue Funde sofort mit Datum in die Chronik eintragen und mit Verweis auf die frühere Meldung erneut melden.
- Bei der Plattform auf den Wiederholungsfall hinweisen. Schreib dazu, dass dasselbe Profil bereits gelöscht wurde, und nenne das Datum.
Warum die Wiederholung rechtlich zählt
Das Münchner Urteil spricht davon, dass ein Plattformbetreiber nach einer Beanstandung verpflichtet sein kann, einem Nutzer den Betrieb derartiger Fake-Accounts nicht weiter zu ermöglichen. Ob und wie weit diese Pflicht in deinem Fall reicht, klärt nur eine Einzelfallprüfung. Taucht dieselbe Kopie trotz Beanstandungen immer wieder auf, lohnt sich anwaltliche Beratung besonders.
Sonderfälle, die anders laufen
Deine Fotos wurden mit KI verändert
Werden deine Bilder bearbeitet, etwa montiert oder in sexualisierte Darstellungen umgewandelt, gilt das Recht am eigenen Bild genauso. Der neue Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt soll gerade sexualisierte Deepfakes ausdrücklich strafbar machen, gilt aber noch nicht. Sichere Beweise, melde zügig und erstatte Anzeige.
Jemand, den du kennst, steckt dahinter
Manchmal ist die Person hinter dem Fake kein anonymer Betrüger, sondern ein Ex-Partner, eine frühere Freundin oder ein Kollege. Hinweise darauf sind Fotos, die nie öffentlich waren, oder Details, die nur dein Umfeld kennt. Dann kann eine Anzeige aussichtsreicher sein, weil du einen konkreten Verdacht benennen kannst. Konfrontiere die Person nicht allein, schon gar nicht, wenn sie dich bereits bedroht hat. Wenn das Fake Teil eines Musters aus Kontrolle, Drohungen oder Nachstellung ist, steht deine Sicherheit an erster Stelle.
Fremde fühlen sich von dir betrogen
Hat jemand über Wochen mit einem Fake-Profil mit deinem Gesicht geschrieben und vielleicht Geld gezahlt, macht diese Person dich womöglich verantwortlich. Bleib sachlich: Du bist die Person auf den Fotos, betreibst das Profil aber nicht. Rate ihr, kein Geld mehr zu zahlen, und verweise auf die Polizei, ohne weitere private Informationen herauszugeben.
Vorbeugen: So machst du es Fake-Profilen schwerer
Jedes öffentliche Foto lässt sich kopieren. Du kannst aber steuern, wie viel Material frei herumliegt und wie schnell ein Fake auffällt.
Sichtbarkeit einschränken
- Profilbild und Titelbild bewusst wählen. Diese Bilder sind auf vielen Plattformen immer öffentlich. Nimm dort keine Fotos, die du lieber nur Freunden zeigst.
- Ältere Fotos und Alben auf „nur Freunde“ stellen. Das empfiehlt auch Mimikama bei kopierten Profilen.
- Freundesliste verbergen. Sie ist das wichtigste Werkzeug für Profilkopien, weil sie dem Täter zeigt, wen er anschreiben kann.
- Profilangaben sparsam halten. Wohnort, Arbeitgeber und Familienstand machen ein Fake glaubwürdiger.
Nutze in Dating-Apps Fotos, die nicht gleichzeitig auf deinem öffentlichen Instagram-Profil stehen. Welche Einstellungen in Dating-Apps dabei helfen, beschreibt der Ratgeber zu den Privatsphäre-Einstellungen in der Dating-App.
Echtheit sichtbar machen
Ein verifiziertes Profil hilft indirekt: Wer zwei Profile mit demselben Gesicht findet, eines mit Haken und eines ohne, erkennt leichter, welches echt ist. Viele Dating-Apps bieten dafür eine Foto-Verifizierung per Selfie an.
Typische Fehler, die die Sache schlimmer machen
Die wichtigsten Fehler kennst du schon aus den Abschnitten oben: dem Fake schreiben, vor der Beweissicherung melden, den Link öffentlich teilen, nach der ersten Ablehnung aufgeben, den Ausweis ungeschwärzt verschicken. Dazu kommen drei weitere:
- Nur blockieren. Blockieren schützt dich vor Kontakt, ändert am Profil aber nichts. Erst eine Meldung setzt eine Prüfung in Gang.
- Alle eigenen Konten löschen. Ein echtes, gepflegtes Profil hilft anderen, die Kopie als Kopie zu erkennen. Wer komplett verschwindet, überlässt dem Fake das Feld. Wenn du ein Dating-Konto trotzdem aufgeben willst, hilft der Ratgeber Dating-App-Konto löschen.
- Dir selbst die Schuld geben. Ein öffentliches Foto ist keine Einladung zum Missbrauch.
Wenn dich die Sache belastet
Zu wissen, dass jemand mit deinem Gesicht auftritt, kann stark belasten: Gefühle von Ausgeliefertsein oder Scham, ständiges Nachsehen, ob die Kopie wieder da ist. Das ist eine verständliche Reaktion auf einen echten Übergriff. Sprich mit Menschen, denen du vertraust, und teile die Arbeit auf: Eine Freundin kann die Rückwärtssuche übernehmen, ein Freund die Chronik führen. Wenn dich die Situation nicht mehr loslässt, findest du bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos jemanden zum Reden, unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Bei Drohungen oder Angst um deine Sicherheit wählst du den Notruf 110.
Fazit: Sichern, melden, nachhaken
Ein Fake-Profil mit deinen Bildern ist ein Eingriff in dein Recht am eigenen Bild und oft auch in dein Persönlichkeitsrecht. Die Reihenfolge entscheidet: Beweise sichern, melden, Umfeld warnen. Löscht die Plattform nicht, beanstandest du schriftlich, notfalls mit anwaltlicher Hilfe. Eine Anzeige gehört dazu, wenn Geld, Drohungen oder Rufschädigung im Spiel sind. Und weil Kopien wiederkommen können, hilft eine kleine Suchroutine. Und wer nach dieser Erfahrung wieder online daten möchte, kann im Anbietervergleich nachlesen, wie die einzelnen Plattformen eingeordnet sind.
Häufige Fragen
Was kann ich tun, wenn jemand ein Fake-Profil mit meinen Bildern erstellt hat?
Sichere zuerst Link, Profilnamen und Screenshots, bevor du etwas meldest. Melde das Profil dann über die Meldefunktion der Plattform mit dem Grund Nachahmung oder vorgetäuschte Identität, bitte Freunde, ebenfalls zu melden, und warne dein Umfeld. Bleibt die Plattform untätig, hilft eine schriftliche Beanstandung, bei Betrug oder Bedrohung zusätzlich eine Anzeige.
Ist ein Fake-Profil mit fremden Bildern in Deutschland strafbar?
Einen eigenen Straftatbestand für Identitätsdiebstahl gibt es in Deutschland bisher nicht. Strafbar sein kann aber das Verbreiten fremder Bildnisse ohne Einwilligung nach dem Kunsturhebergesetz, und je nach Fall kommen Betrug oder Nachstellung in Betracht. Ein Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt, den das Bundeskabinett im Oktober 2026 beschlossen hat, soll ansehensschädigende Fake-Accounts ausdrücklich unter Strafe stellen, ist aber noch nicht in Kraft.
Kann die Polizei herausfinden, wer hinter einem Fake-Account steckt?
Das hängt vom Fall ab. Bei Betrug oder Bedrohung kann die Staatsanwaltschaft bei Plattformen Daten anfragen, bei reiner Bildnutzung sind die Möglichkeiten oft begrenzt. Ein Zivilgericht hat 2025 einen Anspruch auf Herausgabe der Nutzerdaten gegen Instagram bei einem Fake-Profil mit Fotos abgelehnt. Eine Anzeige ist trotzdem sinnvoll, weil sie den Vorfall dokumentiert.
Was tun, wenn mein Facebook-Profil kopiert wurde?
Melde das kopierte Profil über das Drei-Punkte-Menü als Nachahmung beziehungsweise vorgetäuschte Identität, und bitte Freunde, das ebenfalls zu tun. Schreib in einem eigenen Beitrag, dass es eine Kopie gibt und niemand Anfragen annehmen soll. Stell danach deine Freundesliste auf nur für dich sichtbar, denn kopierte Profile nutzen sie, um gezielt dein Umfeld anzuschreiben.
Wie finde ich heraus, ob jemand meine Bilder benutzt?
Lade deine öffentlich sichtbaren Fotos in eine Bilderrückwärtssuche wie Google Lens oder die Bing-Bildersuche und prüfe die Treffer. Such zusätzlich nach deinem Namen in den Suchfeldern von Facebook und Instagram. Profile in Dating-Apps tauchen dort meist nicht auf, die findest du oft nur über Hinweise von Bekannten.
Quellen
- Was kann ich tun, wenn mein Facebook-Profil kopiert wurde?, Mimikama
- Instagram: Fake-Profil melden, Mimikama
- Fake-Profile auf Facebook melden und löschen lassen: Experte erklärt, wie es funktioniert, inFranken.de
- Instagram-Account melden: so geht's, heise online
- OLG München, Endurteil vom 20.01.2026, 18 U 2360/25, Bayern.Recht
- LG München I, Beschluss vom 27.01.2025, 33 O 28/25, Bayern.Recht
- § 33 KunstUrhG: Strafvorschrift, LexMea
- Art. 17 DSGVO: Recht auf Löschung, lxgesetze.de
- Fake-Profile: Das Problem der Identifizierung beim Recht auf Löschung, Dr. Datenschutz
- Art. 16 DSA: Melde- und Abhilfeverfahren, lxgesetze.de
- Melde- und Abhilfeverfahren für Hostingdiensteanbieter nach dem Digital Services Act (DSA), Lausen Rechtsanwälte
- § 72 UrhG: Lichtbilder, buzer.de
- Identitätsdiebstahl: Fälle aus der Beraterpraxis, Wolters Kluwer
- § 238 StGB: Nachstellung, lxgesetze.de
- Fake-Profil auf Instagram: Gericht lehnt Anspruch auf Täter-Auskunft ab, WBS.LEGAL
- Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt: Kabinett beschließt Strafbarkeit von Deepfakes und Cyberstalking, beck-aktuell
- Gesetz gegen digitale Gewalt: Fake-Accounts und Vergewaltigungsvideos sollen strafbar werden, netzpolitik.org
- Strafanzeige: So erstatten Sie eine Online-Anzeige, Stiftung Warentest
Zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2026
