Zum Inhalt springen
Herzenstreffer
Sicherheit

Love Scamming bei Männern: Maschen mit Frauenprofilen erkennen

Love Scamming bei Männern: Mit welchen Frauenprofilen, Visa-Legenden und Investmentmaschen Betrüger arbeiten, wie du sie entlarvst und wo du Hilfe findest.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
Redakteur für Datenschutz und Sicherheit · 31. Oktober 2026 · 21 Min. Lesezeit

Love Scamming trifft Männer häufiger, als das gängige Bild vom Liebesbetrug vermuten lässt. In den Medien geht es meist um Frauen, denen ein angeblicher Offizier oder Chirurg das Ersparte abnimmt. Die umgekehrte Variante läuft genauso professionell: Eine junge, attraktive Frau meldet sich, verliebt sich in Rekordzeit und braucht dann Geld. Für das Visum, die Operation der Mutter, die Freigabe eines Erbes oder ein Investment, das euch beiden die Zukunft sichern soll. Hinter dem Profil steht in aller Regel keine verliebte Frau, sondern eine Gruppe, die nach Drehbuch arbeitet. Wer die Maschen kennt, die gezielt auf Männer zugeschnitten sind, erkennt ein falsches Frauenprofil meist lange bevor Geld fließt. Und wer schon gezahlt hat, kann mit den richtigen Schritten den Schaden begrenzen.

Die allgemeinen Phasen eines Liebesbetrugs, vom ersten Kontakt bis zur Eskalation, findest du ausführlich im Ratgeber Romance Scam erkennen. Bei Männern unterscheiden sich vor allem drei Dinge: die Köder, die Geschichten und das Schweigen danach.

Love Scamming bei Männern: wie verbreitet es ist

Eine verlässliche Zahl, wie viele Männer in Deutschland betroffen sind, gibt es nicht. Liebesbetrug wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht als eigene Kategorie geführt, die Fälle verschwinden im großen Topf des Betrugs. Darauf weist auch das LKA Rheinland-Pfalz in einem Bericht der Rheinpfalz hin.

Einige Landeskriminalämter werten trotzdem aus. Das LKA Sachsen hat für 2023 in seinem Bundesland 331 Menschen erfasst, die durch Liebesbetrug Schaden erlitten. Frauen machten rund 67 Prozent davon aus, Männer also etwa ein Drittel. Das ist eine regionale Zahl, sie lässt sich nicht einfach auf ganz Deutschland hochrechnen. Sie zeigt aber, dass betroffene Männer kein Randphänomen sind.

Interessant ist eine Einschätzung, die die Rheinpfalz vom LKA Rheinland-Pfalz wiedergibt: Hinter den Profilen stünden meist organisierte Banden, die häufig aus dem Ausland arbeiten. Westafrikanische Gruppen hätten sich eher auf Frauen verlegt, osteuropäische Banden zielten dagegen verstärkt auf Männer. Fallzahlen nennt der Bericht dazu nicht. Für dich heißt das trotzdem: Es gibt Gruppen, die gezielt auf Männer setzen.

Aus Österreich kommt ein weiterer Hinweis. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat Love Scams untersucht und sieht laut Vorarlberg Online junge Männer unter 30 als Gruppe mit besonders hohem Risiko. Auch das sind Zahlen aus einem anderen Land und für Deutschland nur ein Anhaltspunkt.

Hinzu kommt die Dunkelziffer. Das IT-Sicherheitsportal WeLiveSecurity schrieb schon 2021, Männer und Frauen seien gleichermaßen betroffen, die Statistiken dazu aber sehr ungenau. Wenn Männer seltener anzeigen, tauchen sie auch seltener in Statistiken auf. Wie groß dieser Effekt ist, kann niemand belastbar sagen.

Die Köder: Frauenprofile, die auf Männer zugeschnitten sind

Die Betrüger arbeiten mit Profilen, die auf ihre Zielgruppe passen. Gegenüber Frauen sind das oft Männer in Uniform oder im Arztkittel, die Sicherheit und Verantwortung ausstrahlen sollen. Mimikama beschreibt das Gegenstück: Männer würden häufig mit Fotos leicht bekleideter Scammerinnen geködert. Das Prinzip ist dasselbe, nur der Reiz ist ein anderer.

Jung, attraktiv und auffallend interessiert

Das typische Profil zeigt eine Frau, die deutlich jünger ist als der Mann, den sie anschreibt, und die aussieht, als käme sie aus einer Werbekampagne. Die Fotos sind professionell ausgeleuchtet oder wirken bewusst privat, im Bikini, im Bett, im Fitnessstudio. Oft gibt es nur wenige Bilder, die alle aus derselben Serie stammen.

Auffällig ist weniger das Aussehen als das Verhalten. Die Frau zeigt sofort großes Interesse, stellt viele Fragen zu deinem Leben, deiner Arbeit und deiner Wohnsituation und erzählt wenig Überprüfbares über sich. Komplimente kommen schnell und reichlich. Mimikama nennt das als typisches Merkmal: Die Betrüger überhäufen ihre Opfer früh mit Komplimenten und überschwänglichen Liebesbekundungen.

Die Ärztin, die Krankenschwester, die Unternehmerin

Neben dem verführerischen Profil gibt es eine zweite Linie: die seriöse, erfolgreiche Frau. Sie arbeitet angeblich als Ärztin bei einer Hilfsorganisation, als Pflegekraft im Ausland, als Ingenieurin auf einer Baustelle oder führt ein eigenes Geschäft. Es sind dieselben angesehenen Berufe, mit denen Betrüger gegenüber Frauen auftreten, nur weiblich besetzt.

Wie das konkret aussehen kann, zeigen zwei Fälle aus der Lokalpresse. Laut Stuttgarter Zeitung lernte ein Mann aus dem Rems-Murr-Kreis über eine Dating-Plattform eine Frau kennen, die sich als Ärztin in einem Militärcamp im Jemen ausgab. Der Schaden lag bei über zwei Millionen Euro. Im sächsischen Landkreis Zwickau hatte ein Mann laut Freier Presse von Juli 2025 bis März 2026 über eine Chatplattform Kontakt zu einer Person, die sich als Ärztin aus der Ukraine ausgab, und verlor rund 100.000 Euro. Beide Fälle sind Einzelfälle, aber das Muster ist dasselbe: Ein angesehener Beruf erklärt, warum die Frau weit weg ist, wenig Zeit hat und trotzdem Geld bräuchte.

Diese Rolle spiegelt die Uniform-Legenden, mit denen Frauen getäuscht werden. Wie eine solche Legende aufgebaut ist und warum die ständige Abwesenheit darin eingeplant ist, zeigt der Ratgeber zum falschen Soldaten als Love Scammer. Viele Argumente passen eins zu eins auf die Medizinerin im Krisengebiet.

Profile aus der Ukraine und Osteuropa

Ein Teil der Profile gibt an, aus der Ukraine, aus Russland oder einem anderen osteuropäischen Land zu stammen. In einer Warnung des österreichischen Bundeskriminalamts, über die Vorarlberg Online berichtete, gaben sich die meisten Frauen als Russinnen aus. Das passt zur Einschätzung des LKA Rheinland-Pfalz über osteuropäische Banden. Der Krieg in der Ukraine liefert dabei eine Kulisse, die Mitgefühl weckt und viele Geschichten plausibel wirken lässt: Flucht, zerstörte Wohnung, Angehörige in Gefahr, fehlende Papiere.

Wichtig ist eine klare Trennung. Es gibt unzählige echte Frauen aus Osteuropa, die online jemanden kennenlernen wollen. Die Herkunft allein ist kein Warnzeichen. Kritisch wird es, wenn die Herkunft zum Hebel wird, mit dem Geld begründet wird: für die Ausreise, für Dokumente, für die Familie, die noch dort lebt.

Wo der Kontakt entsteht

Der erste Kontakt passiert auf Dating-Apps und Singlebörsen, aber ebenso über soziale Netzwerke, Spiele, Kommentarspalten oder eine angeblich falsch verbundene Nachricht im Messenger. Im österreichischen Flachgau etwa lernte ein 21-Jähriger laut Salzburg24 im September 2025 mehrere angebliche Frauen über eine Social-Media-Plattform kennen. Gemeinsam ist fast allen Fällen der schnelle Wechsel weg von der Plattform, auf WhatsApp, Telegram oder einen anderen Messenger. Dort gibt es keine Moderation, keine Meldefunktion der Plattform und keine Spur, die der Betreiber auswerten könnte. Ein Wechsel nach wenigen Nachrichten ist deshalb für sich schon ein Grund, genauer hinzusehen.

Die Geldforderungen, die Männer zu hören bekommen

Am Anfang geht es nie um Geld. Es geht um Aufmerksamkeit, Gespräche bis spät in die Nacht, Pläne für das erste Treffen. Erst wenn die Bindung steht, taucht ein Problem auf, das nur du lösen kannst. Welche Geschichte gewählt wird, hängt davon ab, was die Täter über dich gelernt haben. Gegenüber Männern wiederholen sich einige Varianten besonders oft.

Visum, Flug, Pass: der Besuch, der nie stattfindet

Die Frau will dich unbedingt besuchen. Es fehlt nur das Geld für das Ticket, das Visum, einen neuen Pass oder eine Gebühr bei der Botschaft. Die bereits erwähnte österreichische Warnung beschreibt genau dieses Muster: Die Frauen wollten angeblich nach Österreich kommen, Visum, Flug oder ein neuer Pass seien ihnen aber zu teuer. Das Geld sollte meist über Bargeldtransferdienste fließen, teils auch per Überweisung auf ausländische Konten. Vorarlberg Online gibt dazu den Rat wieder, für ein Treffen nichts im Voraus zu bezahlen.

Der Trick ist psychologisch geschickt. Du zahlst für etwas, das du selbst willst, nämlich das Treffen. Jede Zahlung fühlt sich an wie eine Investition in die Beziehung. Und jedes neue Hindernis, sei es eine Kontrolle am Flughafen, ein fehlendes Dokument oder eine plötzliche Gebühr, wirkt wie Pech, das man gemeinsam überwinden muss.

Die Schwester, der Cousin, die Miete

Die Schwester braucht eine teure Behandlung, ein Cousin sitzt in Untersuchungshaft, die Miete ist nicht bezahlt und die Wohnung droht verloren zu gehen. Solche Geschichten zielen auf ein Bedürfnis, das viele Männer stark empfinden: helfen zu können, wenn es darauf ankommt. Die Beträge beginnen oft klein und steigen, sobald die erste Zahlung angekommen ist.

Gold, Erbe, gesperrtes Konto

Eine dritte Variante dreht die Geldfrage um: Die Frau ist eigentlich reich, kommt aber gerade nicht an ihr Vermögen. Im Rems-Murr-Fall behauptete die angebliche Ärztin laut Stuttgarter Zeitung, Gold im Wert von über 30 Millionen Euro zu besitzen. Für die Transportkosten von rund einer Million Euro sollte er ihr Geld leihen. Im Zollernalbkreis meldete sich laut Schwäbischer Zeitung mitten im Corona-Lockdown eine angeblich 32-jährige Frau per Facebook. Sie erzählte von einem Vater mit 7,8 Millionen Euro auf einem gesperrten Konto in Marokko, das Geld liege für sie beide als Paar bereit. Am Ende hatte der Mann fast 120.000 Euro verloren.

Diese Geschichten funktionieren, weil sie den Mann in die Rolle des Partners auf Augenhöhe bringen. Er bezahlt nicht für eine Bittstellerin, er hilft einer wohlhabenden Frau über eine Hürde und wird am Ende reich belohnt. Je größer das versprochene Vermögen, desto kleiner wirken die Gebühren auf dem Weg dorthin.

Das gemeinsame Investment

Bei einer weiteren Spielart fragt die Frau gar nicht nach Geld. Sie erwähnt nebenbei, wie gut sie mit Trading verdient, schickt Screenshots ihrer Gewinne und bietet an, dich einzuweisen. Gerade Männer, die gern als finanziell versiert gelten, fühlen sich davon angesprochen: Es klingt nach Chance, nicht nach Bitte. Die Handelsplattform ist gefälscht, die Gewinne stehen nur auf dem Bildschirm. Wie diese Masche abläuft, erklärt der Ratgeber zu Pig Butchering beim Dating.

Die Bitte, Geld weiterzuschicken

Manchmal braucht die Frau kein Geld von dir, nur deine Hilfe: Ein Kunde will ihr eine Zahlung schicken, die sie im Ausland nicht empfangen kann. Ob du das Geld annehmen und weiterleiten könntest? Wer darauf eingeht, wird zum Glied einer Kette, über die Betrugsgeld gewaschen wird. Das kann strafrechtliche und finanzielle Folgen haben. Was dahinter steckt und was du tun solltest, steht im Artikel Love Scam Finanzagent.

Die Maschen im Überblick

MascheWas angeblich gebraucht wirdWarum sie nicht aufgeht
Besuch steht bevorTicket, Visum, Pass, BotschaftsgebührWer reisen will, kann Ticket und Termin offen zeigen, und kein Besuch hängt dauerhaft an deinem Geld
Familie in NotKlinikrechnung, Kaution, MieteEchte Notlagen lösen sich nicht dadurch, dass ein Fremder aus dem Internet zahlt, den man nie gesehen hat
Gesperrtes VermögenTransport, Steuern, Anwaltskosten, FreigabegebührWer Millionen besitzt, findet eine Bank und braucht keinen Chatpartner
Gemeinsames InvestmentEinzahlung auf eine PlattformDie Gewinne lassen sich nie auszahlen, die Plattform gehört der Bande
Hilfe bei ZahlungenDein Konto, deine AdresseFremdes Geld weiterzuleiten kann Geldwäsche sein

Wenn aus dem Flirt eine Erpressung wird

Ein Verlauf, der Männer besonders oft trifft, beginnt wie ein gewöhnlicher Flirt und kippt binnen Stunden. Die Frau schlägt einen Videochat vor, wird schnell intim und bittet dich, dich auszuziehen. Kurz darauf kommt die Nachricht: Das Video ist aufgezeichnet, und es geht an deine Freunde, deine Familie oder deinen Arbeitgeber, wenn du nicht zahlst.

Laut TECHBOOK warnen verschiedene Polizeidienststellen vor dieser Form der Erpressung, die vermehrt junge Männer trifft. t-online berichtete schon 2022 über eine Warnung der Thüringer Polizei: Vor allem die Scham halte viele junge Männer davon ab, solche Fälle anzuzeigen, und die Erpressung höre nach einer Zahlung meist nicht auf. Die Polizei riet, den Chatverlauf per Screenshot zu sichern und sich bei ihr zu melden.

Für den Zusammenhang mit dem Liebesbetrug ist eines wichtig: Manchmal ist die Erpressung der Plan von Anfang an, manchmal ist sie der Ausweg der Bande, wenn ein Mann bei Geldbitten nicht mehr mitspielt. Wer schon intime Bilder geschickt hat, wird damit unter Druck gesetzt. Zahle nicht, eine Zahlung beendet die Forderungen in aller Regel nicht. Wie du Beweise sicherst, die Erpressung anzeigst und mit bereits verbreiteten Aufnahmen umgehst, erklärt der Ratgeber Sextortion: Wenn intime Fotos zur Erpressung werden.

Warum die Masche bei Männern verfängt

Wer von außen auf solche Fälle blickt, fragt sich oft, wie ein erwachsener Mann einer Frau Zehntausende Euro schicken kann, die er nie gesehen hat. Die Antwort hat wenig mit Dummheit zu tun. Love Scammer sind Profis, die gezielt an Bedürfnissen ansetzen, die bei vielen Menschen tief sitzen. Gegenüber Männern bedienen sie einige davon besonders gezielt.

Der Beschützerinstinkt

Viele Männer haben gelernt, dass es zu ihrer Rolle gehört, zu versorgen und Probleme zu lösen. Eine Frau, die in Not ist und ausgerechnet dich um Hilfe bittet, spricht genau dieses Selbstbild an. Zu helfen fühlt sich gut an, es bestätigt, gebraucht zu werden. Abzulehnen fühlt sich dagegen an wie Versagen, als Partner und als Mann.

Bestätigung, die gut tut

Wer länger Single ist, auf Dating-Apps wenig Resonanz bekommt oder nach einer Trennung am eigenen Wert zweifelt, erlebt plötzlich eine attraktive Frau, die ihn bewundert. Diese Aufmerksamkeit wirkt stark. Viele Männer kennen es, dass ihre Nachrichten auf Dating-Apps unbeantwortet bleiben. Diese Erfahrung von Zurückweisung ist das Einfallstor: Die Täter füllen die Lücke mit Komplimenten und täglicher Zuwendung.

Das Gefühl, das Risiko im Griff zu haben

Die KFV-Zahlen aus Österreich deuten auf einen weiteren Faktor hin: Junge Männer schätzen ihr Risiko besonders niedrig ein. Wer überzeugt ist, so etwas würde ihm nie passieren, prüft weniger kritisch. Dazu kommt, dass Liebesbetrug als Problem älterer, einsamer Frauen gilt. Ein Mann, der sich diesem Bild nicht zugehörig fühlt, rechnet nicht damit, selbst Ziel zu sein.

Einsamkeit in jedem Alter

Die Abendzeitung München berichtete über eine Warnung des Münchner Zolls, nach der auffallend viele Männer im gesetzteren Alter unter den Geprellten waren. Die Gründe können sehr verschieden sein: Witwer, geschiedene Väter, Männer, die beruflich viel unterwegs sind oder auf dem Land wenig Gelegenheiten haben, jemanden kennenzulernen. Einsamkeit ist dabei kein Makel. Sie macht nur empfänglicher für jemanden, der Wärme verspricht.

Kleine Schritte, große Summen

Kaum ein Mann würde einer Fremden auf Anhieb 10.000 Euro überweisen. Die Betrüger verlangen das auch nicht. Sie beginnen mit einem kleinen Betrag, der leicht zu verschmerzen ist, und steigern sich. Wer schon bezahlt hat, will das Geld nicht verloren geben und zahlt eher noch einmal, in der Hoffnung, dass sich alles auflöst. Der 21-Jährige aus dem Flachgau tätigte laut Salzburg24 im Lauf eines Jahres mehr als 50 Überweisungen auf elf verschiedene Konten, der Schaden liegt im niedrigen fünfstelligen Bereich. So entstehen Schäden, die in keinem Verhältnis mehr zur ersten Bitte stehen.

Falsches Frauenprofil durchschauen: acht Prüfpunkte

Kein einzelnes Merkmal beweist einen Betrug. Je mehr der folgenden Punkte zusammenkommen, desto klarer ist das Bild. Die allgemeinen Warnzeichen für gefälschte Profile, von der Bilderrückwärtssuche bis zu KI-generierten Fotos, findest du im Ratgeber Fake-Profile erkennen. Speziell bei Frauenprofilen, die Männer anschreiben, helfen diese Prüfschritte:

  1. Fotos rückwärts suchen. Lade zwei oder drei Bilder in eine Bildersuche. Tauchen sie unter anderem Namen auf, bei Models, Influencerinnen oder auf Warnseiten vor Scammern, ist die Sache klar. Mimikama weist darauf hin, dass viele Scammer gestohlene oder öffentlich zugängliche Bilder verwenden.
  2. Tempo der Gefühle beobachten. Liebeserklärungen nach wenigen Tagen, Gespräche über Hochzeit und Kinder vor dem ersten Treffen und Kosenamen von Anfang an sind ein Muster, das echte Kennenlernphasen selten zeigen.
  3. Auf den Videoanruf bestehen. Eine Frau, die angeblich verliebt ist, wird sich zeigen wollen. Wer monatelang Ausreden findet, kaputte Kamera, schlechtes Netz, Schichtdienst, hat einen Grund. Deepfakes machen auch Videoanrufe nicht mehr hundertprozentig sicher, ein spontaner Anruf mit Bitte um eine bestimmte Geste ist trotzdem ein guter Test.
  4. Geschichte auf Widersprüche prüfen. Stimmen Beruf, Wohnort, Zeitzone und Tagesablauf zusammen? Spricht die Ärztin im Jemen wie eine Ärztin? Passen die Fotos zur angegebenen Lebenssituation?
  5. Den Messenger-Wechsel hinterfragen. Wer nach zwei Nachrichten unbedingt auf WhatsApp oder Telegram will, will oft weg von der Kontrolle der Plattform.
  6. Auf das Geldthema achten. Jede Bitte um Geld, Guthabenkarten, Coins, Bankzugänge oder das Weiterleiten von Zahlungen ist das entscheidende Signal. Die DKB rät, spätestens dann den Kontakt abzubrechen.
  7. Druck und Heimlichtuerei registrieren. Wenn du niemandem von der Beziehung erzählen sollst oder die Frau beleidigt reagiert, sobald du Fragen stellst, ist das ein klassisches Mittel, dich von Menschen abzuschirmen, die die Masche erkennen würden.
  8. Eine Außensicht holen. Zeig den Chat einem Freund, dem du vertraust. Was von innen wie große Liebe wirkt, fällt von außen oft in Sekunden als Drehbuch auf.

Ein einfacher Grundsatz fasst die Liste zusammen: Eine Frau, die du nie getroffen hast, bekommt kein Geld von dir, ganz gleich, wie gut die Begründung klingt. Darauf laufen auch die Ratschläge der DKB und des Münchner Zolls hinaus, der dazu rät, keine größeren Summen an Menschen zu überweisen, die man nur aus dem Internet kennt.

Verifizierte Profile auf Plattformen

Viele Dating-Apps bieten eine Verifizierung an, bei der Mitglieder per Selfie oder Video bestätigen, dass sie zu ihren Fotos passen. Ein Haken am Profil ist kein Freibrief, er erhöht aber die Hürde für Fake-Profile. Welche Portale Herzenstreffer aufführt und wie sie eingeordnet sind, zeigt der Anbietervergleich. Verdächtige Profile meldest du direkt in der App, damit andere Mitglieder geschützt werden.

Warum so viele Männer schweigen

Wenn Männer über einen Liebesbetrug sprechen, dann oft erst spät, manchmal nie. Mehrere Quellen führen die hohe Dunkelziffer auf Scham zurück, und bei Männern kommen eigene Gründe hinzu. Im Zollernalb-Fall zitiert die Schwäbische Zeitung die Staatsanwaltschaft Hechingen sinngemäß: Liebesbetrug betreffe einen besonders schambehafteten Bereich, eine Anzeige koste Geschädigte deshalb viel Überwindung.

Was Männern das Reden schwer macht

Ein Mann, der auf eine erfundene Frau hereingefallen ist, fühlt sich doppelt vorgeführt. Er hat Geld verloren, und er hat geglaubt, eine attraktive junge Frau habe sich in ihn verliebt. Viele fürchten, dass Freunde lachen, Kollegen tuscheln oder die Familie von Leichtgläubigkeit spricht. Wer freizügige Bilder geschickt hat oder sexuelle Gespräche geführt hat, fürchtet zusätzlich, dass das bei einer Anzeige ans Licht kommt.

Dazu kommt ein verbreitetes Rollenbild: Männer lösen Probleme selbst, sie bitten nicht um Hilfe, sie lassen sich nicht hereinlegen. Wer so denkt, versucht den Schaden allein auszubügeln, leiht sich im schlimmsten Fall weiteres Geld oder glaubt der nächsten Geschichte, die verspricht, dass sich alles noch zum Guten wendet.

Wem dein Schweigen nützt

Jeder Fall, der nicht angezeigt wird, ist ein Fall, den keine Ermittlungsbehörde kennt. Konten, über die Geld fließt, bleiben offen. Profile, mit denen du betrogen wurdest, schreiben den nächsten Mann an. Dein Schweigen schützt am Ende die Täter. Schon die österreichische Warnung bei Vorarlberg Online hielt fest, dass viele Betroffene aus Scham auf eine Anzeige verzichten, und genau damit rechnen die Gruppen hinter den Profilen.

Es hilft, sich klarzumachen, gegen wen du verloren hast. Auf der anderen Seite saß keine einzelne Frau, die dich durchschaut hat. Es war eine Organisation mit Erfahrung, Drehbüchern, gestohlenen Fotos und viel Zeit. Auch kluge, beruflich erfolgreiche Männer fallen darauf herein, wie der Fall aus dem Rems-Murr-Kreis mit einem Schaden in Millionenhöhe zeigt. Das sagt etwas über die Professionalität der Täter aus, wenig über deinen Verstand.

Wenn zu Hause jemand wartet

Ein Teil der betroffenen Männer ist gar nicht Single. Manche chatten heimlich neben einer Ehe oder Partnerschaft, andere haben sich gerade getrennt und wollen der Ex nichts erklären müssen. Für die Täter ist das ein zusätzlicher Hebel. Wer etwas zu verbergen hat, holt sich seltener Rat, zahlt eher still und lässt sich leichter erpressen, sobald intime Fotos oder eindeutige Nachrichten im Spiel sind.

Das Heimliche macht die Lage schlimmer, als sie sein müsste. Solange niemand Bescheid weiß, bestimmen die Betrüger, wann und wie die Wahrheit ans Licht kommt. Ein offenes Gespräch ist schmerzhaft, nimmt ihnen aber das Druckmittel. Ob du deiner Partnerin alles erzählst, wie viel und in welchem Rahmen, kannst nur du entscheiden. Eine Paar- oder Lebensberatung kann helfen, dieses Gespräch vorzubereiten. Was du auf keinen Fall tun solltest: weiter zahlen, damit es geheim bleibt.

Peinlichkeit und Schuld auseinanderhalten

Scham ist das Gefühl, als Person falsch zu sein. Schuld bezieht sich auf eine Handlung. Beim Liebesbetrug liegt die Schuld bei denen, die dich gezielt getäuscht haben. Du hast einem Menschen vertraut, der dieses Vertrauen bewusst missbraucht hat. Vertrauen zu können ist keine Schwäche. Was du daraus lernen kannst, ist, wie diese Täuschung funktioniert, damit sie dir kein zweites Mal passiert.

Erste Schritte nach dem Verdacht

Ob du gerade erst misstrauisch geworden bist oder schon viel verloren hast, die Reihenfolge ist dieselbe. Den genauen Ablauf einer Anzeige und realistische Erwartungen an eine Rückerstattung beschreibt der Ratgeber Romance Scam: Anzeige erstatten und richtig reagieren. In Kurzform:

  1. Zahlungsstopp. Egal, was als Nächstes kommt, ein letzter Betrag, eine Drohung, Tränen oder Vorwürfe: Es geht kein Cent mehr raus.
  2. Chat und Profil dokumentieren, bevor du blockierst. Solche Profile verschwinden oft schnell.
  3. Geldinstitut und Polizei einschalten. Die Commerzbank nennt als Weg die örtliche Dienststelle oder die Online-Wache deines Bundeslandes und ordnet Liebesbetrug in der Regel als Betrug nach Paragraf 263 StGB ein.
  4. Keine Rückholdienste. Wer dir gegen Vorkasse verspricht, das Geld zurückzuholen, ist meist der nächste Betrüger, siehe Recovery Scam erkennen.

Wenn du dir noch nicht sicher bist

Viele Männer stehen an einem Punkt, an dem sie zweifeln, aber noch hoffen. Die Frau wirkt echt, die Gefühle sind es auf deiner Seite ohnehin. In dieser Lage hilft ein einfacher Test: Sag freundlich und klar, dass du kein Geld schicken wirst, und bitte um einen Videoanruf in den nächsten Tagen. Eine echte Partnerin wird das verstehen. Eine Betrügerin reagiert mit Druck, Vorwürfen, gekränktem Rückzug oder einer neuen, noch dringenderen Geschichte. Die Reaktion sagt dir mehr als jede Beteuerung.

Reden hilft: Anlaufstellen und Gespräche

Der finanzielle Schaden ist das eine. Für viele Männer wiegt schwerer, was danach bleibt: das Gefühl, betrogen worden zu sein, die Trauer um eine Beziehung, die sich echt angefühlt hat, und die Frage, ob man je wieder jemandem vertrauen kann. Dafür gibt es Unterstützung, auch für Männer, auch anonym.

Das Hilfetelefon 116 006

In einem Informationsblatt zum Liebesbetrug betont der WEISSE RING, dass Männer ebenso darunter fallen wie Frauen. Sein Opfer-Telefon 116 006 ist laut Informationsblatt bundesweit kostenfrei und täglich von 7 bis 22 Uhr erreichbar. Für viele Männer ist der Anruf bei einer fremden, geschulten Stimme leichter als das Gespräch mit Bekannten, die man danach wiedersieht.

Präventionsangebote der Länder

Die Polizeiliche Kriminalprävention erklärt auf polizei-beratung.de, wie Scamming funktioniert und wie du dich schützt. Bei vielen Polizeidienststellen gibt es außerdem Ansprechpersonen für Prävention, mit denen du auch ohne fertige Anzeige sprechen kannst.

Freunde und Familie einbeziehen

Der schwierigste Schritt ist oft das erste Gespräch mit einem Freund, Bruder oder Kollegen. Du musst nicht alles erzählen. Ein Satz wie „Ich bin auf einen Betrug im Internet reingefallen und brauche jemanden zum Reden“ reicht für den Anfang. Viele erleben, dass die Reaktion verständnisvoller ausfällt als befürchtet. Machst du dir umgekehrt Sorgen um einen Vater, Freund oder Kollegen, findest du Hinweise im Ratgeber darüber, wie Familie und Freunde bei Liebesbetrug helfen können.

Wenn es dir nicht gut geht

Ein Liebesbetrug kann in eine echte Krise führen, besonders wenn Schulden dazukommen oder Erpressung im Spiel ist. Die Telefonseelsorge ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar, unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Du musst dafür nicht in einer akuten Notlage sein. Auch wenn du einfach jemanden brauchst, der zuhört, ist das der richtige Ort.

Wieder daten, aber mit klaren Regeln

Viele Männer ziehen sich nach einem Betrug ganz aus dem Online-Dating zurück. Das ist verständlich und für eine Weile vielleicht richtig. Auf Dauer musst du dir die Partnersuche aber nicht von Betrügern nehmen lassen. Ein paar Regeln schützen zuverlässig: früh ein Videoanruf, ein Treffen an einem öffentlichen Ort innerhalb überschaubarer Zeit, kein Geld und keine Kontodaten an Menschen, die du nicht persönlich kennst, und Misstrauen gegenüber jeder Geschichte, die mit einer Zahlung endet. Wer so vorgeht, verliert keine echte Frau, er filtert nur die falschen heraus.

Fazit

Liebesbetrug im Internet ist kein Problem, das nur Frauen betrifft. Männer werden gezielt mit Profilen junger, attraktiver oder beruflich erfolgreicher Frauen angesprochen, und die Geschichten sind auf sie zugeschnitten: der Besuch, für den nur das Visum fehlt, die Familie in Not, das gesperrte Millionenvermögen, das gemeinsame Investment oder das Konto, über das angeblich nur eine Zahlung laufen soll. Manchmal endet der Flirt in einer Erpressung mit intimen Aufnahmen.

Die Zahlen sind lückenhaft, regionale Statistiken wie die aus Sachsen zählen aber rund ein Drittel Männer unter den Betrogenen, und das LKA Rheinland-Pfalz sieht osteuropäische Banden, die verstärkt auf Männer zielen. Viele Fälle bleiben im Dunkeln, weil betroffene Männer sich schämen.

Die wichtigste Regel ist einfach: Eine Frau, die du nie getroffen hast, bekommt kein Geld. Prüfe Fotos, bestehe auf einem Videoanruf und hol dir eine Außensicht. Ist es schon passiert, zahle nichts mehr, sichere Beweise, ruf deine Bank an und erstatte Anzeige. Und sprich mit jemandem darüber. Nicht du hast etwas falsch gemacht, du bist an professionelle Betrüger geraten.

Häufige Fragen

Werden auch Männer Opfer von Love Scamming?

Ja. Polizei und Opferhilfe betonen, dass Männer ebenso betroffen sein können. In Sachsen waren 2023 rund ein Drittel der erfassten Geschädigten Männer. Das LKA Rheinland-Pfalz beobachtet laut einem Zeitungsbericht, dass osteuropäische Banden verstärkt Männer ins Visier nehmen. Wie viele Männer insgesamt betroffen sind, weiß niemand genau, weil Love Scamming in der bundesweiten Kriminalstatistik nicht gesondert erfasst wird und viele Fälle nie angezeigt werden.

Wie erkenne ich einen Love Scammer mit Frauenprofil?

Typisch sind auffallend attraktive, oft freizügige Fotos, ein schneller Wechsel in einen Messenger, sehr frühe Liebesbekundungen und immer neue Gründe, warum ein Videoanruf oder Treffen gerade nicht klappt. Das sicherste Zeichen ist die Bitte um Geld, egal ob für ein Visum, eine Operation oder ein Investment. Eine Bilderrückwärtssuche deckt gestohlene Fotos oft schnell auf.

Was steckt hinter Love Scamming und wer sind die Täter?

Hinter den Profilen stehen nach Angaben des LKA Rheinland-Pfalz meist organisierte Banden, die häufig aus dem Ausland arbeiten. Die Frau auf den Fotos existiert in der Regel nicht so, wie sie sich präsentiert: Die Bilder sind gestohlen, und am anderen Ende schreiben oft wechselnde Personen nach eingeübten Mustern.

Soll ich als Mann Love Scamming anzeigen, obwohl es mir peinlich ist?

Ja. Eine Anzeige ist kostenlos, geht persönlich bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslandes und ist die Grundlage dafür, dass Konten gesperrt und Täterstrukturen verfolgt werden können. Die Polizei kennt solche Fälle und behandelt sie als Betrug, nicht als Privatsache. Scham ist der wichtigste Grund, warum Täter weitermachen können.

Ich habe einer Frau aus dem Internet Geld geschickt. Bekomme ich es zurück?

Das gelingt selten vollständig, weil das Geld meist schnell weitergeleitet wird und die Täter im Ausland sitzen. Je früher du deine Bank informierst, desto größer ist die Chance, eine Überweisung noch zu stoppen. Vorsicht vor Firmen oder Personen, die dir gegen Vorkasse die Rückholung versprechen: Das ist häufig die nächste Betrugsmasche.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 31. Oktober 2026

Sven Albrecht
Über die Autorin / den Autor
Sven Albrecht

Sven prüft, was Dating-Plattformen mit den Daten ihrer Mitglieder machen: Wie lange wird gespeichert, wie leicht lässt sich ein Konto löschen, wie ernst wird Sicherheit genommen. Er kennt die gängigen Maschen von Fake-Profilen und erklärt, woran man sie erkennt.

Das könnte dich auch interessieren

Sicherheit

Date vorher googeln: So prüfst du dein Match sinnvoll und fair

Vor dem ersten Treffen kurz nachsehen, ob es dein Match wirklich gibt: Das ist vernünftig. Wie du mit Vorname, Beruf, Stadt, Fotos und Handynummer in wenigen Schritten die Identität prüfst, was die Suche zeigen kann und was nicht, wo Neugier zur Grenzüberschreitung wird und wie du Widersprüche ansprichst, ohne ein Verhör daraus zu machen.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
5. November 2026 · 21 Min. Lesezeit
Sicherheit

Bilder-Rückwärtssuche beim Dating: So prüfst du Fotos eines Matches

Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt in wenigen Minuten, ob das Foto deines Matches schon anderswo im Netz steht. Wie du das Profilbild sauber sicherst, Google Lens, Bing und TinEye am Handy nutzt, Treffer richtig deutest, warum ein leeres Ergebnis nichts beweist, weshalb Gesichtssuchmaschinen wie PimEyes heikel sind und was du nach einem Treffer tust.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
1. November 2026 · 21 Min. Lesezeit