Lügen beim Online-Dating: Was normal ist und wo Täuschung beginnt
Lügen beim Online-Dating sind meist kleine Schönungen bei Alter, Größe und Fotos. Was Studien zeigen, wo Täuschung beginnt und wie du ehrlich gut wirkst.
Lügen beim Online-Dating sind in den allermeisten Fällen kleine Korrekturen am eigenen Bild: zwei Zentimeter mehr, drei Kilo weniger, das Geburtsjahr leicht verschoben, das Lieblingsfoto aus einem Sommer, der schon ein paar Jahre zurückliegt. Die Forschung findet solche Schönungen bei einem großen Teil der Profile, aber fast immer in einem Ausmaß, das beim ersten Treffen gerade noch durchgehen könnte. Genau da liegt der Haken. Ein Profil ist ein Versprechen, und das erste Date ist der Moment, an dem es eingelöst werden muss.
Das ist gleichzeitig die gute Nachricht. Wer weiß, wo und wie typischerweise geschönt wird, nimmt Profile entspannter, fällt seltener aus allen Wolken und kann ein eigenes Profil bauen, das gut aussieht und trotzdem hält. Und wer einmal selbst ein bisschen zu großzügig war, kann das ohne Drama geraderücken.
Lügen beim Online-Dating: wie verbreitet ist das wirklich?
Die ehrliche Antwort: Wie häufig Lügen in der Dating-App heute sind, lässt sich nicht genau beziffern, für Deutschland gibt es keine verlässliche Quote. Umfragen, in denen Menschen angeben, ob sie selbst schon geflunkert haben, landen bei sehr unterschiedlichen Werten, je nachdem, wer wie gefragt hat. Das Problem solcher Umfragen liegt auf der Hand: Wer im Profil schummelt, ist nicht automatisch ehrlich, wenn ein Fragebogen nach dem Schummeln fragt.
Belastbarer sind Studien, die nicht nur fragen, sondern nachmessen. Die bekannteste stammt von den US-Forschenden Catalina Toma, Jeffrey Hancock und Nicole Ellison. Sie baten 80 Menschen, die auf Singlebörsen aktiv waren, ins Labor, wogen und maßen sie und lasen das Alter aus dem Führerschein ab. Diese Werte verglichen sie mit den Angaben im jeweiligen Profil (Toma, Hancock und Ellison 2008). Die Universität Mannheim hat das Ergebnis auf Deutsch zusammengefasst: Rund zwei Drittel der Teilnehmenden machten falsche Angaben zu ihrem Gewicht, fast die Hälfte zur Körpergröße und knapp ein Fünftel zum Alter (Universität Mannheim).
Das klingt erst mal nach einer Plattform voller Hochstapler. Der zweite Teil des Befunds ist aber genauso wichtig: Die Abweichungen waren in der Regel klein. Schon in einer früheren Auswertung derselben Daten schrieben die Forschenden, dass Täuschung häufig vorkommt, das Ausmaß aber meist gering ist (Hancock, Toma und Ellison 2007). Es geht also eher um aufgerundete Zentimeter als um erfundene Lebensläufe.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Daten sind rund zwei Jahrzehnte alt, und die Stichprobe war klein und stammte aus dem Raum New York. Wie stark sich das auf heutige Swipe-Apps übertragen lässt, weiß niemand genau. Plausibel ist allerdings, dass sich am Grundprinzip wenig geändert hat: Wer ein Profil anlegt, möchte gut ankommen, und wer jemanden treffen will, kann nicht beliebig übertreiben.
Was die Forschung über geschönte Profile zeigt
Hinter den Prozentzahlen steckt ein Muster, das deutlich mehr verrät als die reine Häufigkeit. Mehrere Arbeiten derselben Forschungsgruppe und anderer Teams zeigen ziemlich übereinstimmend, wie, wo und warum geschönt wird.
Männer runden die Größe auf, Frauen das Gewicht ab
In der Messstudie von Toma, Hancock und Ellison zeigte sich ein klarer Unterschied: Männer lagen eher bei der Körpergröße daneben, Frauen eher beim Gewicht. Wer weiter vom Durchschnitt entfernt war, wich auch stärker ab (Toma, Hancock und Ellison 2008). Das passt zu dem, was Menschen auf Dating-Plattformen als besonders gefragt erleben: Größe bei Männern, Schlankheit bei Frauen. Geschönt wird also genau dort, wo man den größten Druck spürt.
Ein großes deutsches Datenset kommt zu einem ähnlichen Bild. Andreas Schmitz, Doreen Zillmann und Hans-Peter Blossfeld werteten eine Online-Befragung von 3.535 Nutzerinnen und Nutzern einer deutschen Dating-Seite aus. Nach ihren Angaben stellen Frauen eher ihre körperliche Attraktivität geschönt dar, Männer eher ihren Familienstand, die Art der gesuchten Beziehung und ihre Größe (Schmitz, Zillmann und Blossfeld 2013). Bemerkenswert ist, dass hier neben dem Aussehen auch Beziehungsstatus und Absichten auftauchen. Darauf kommt der Abschnitt über die Grenze zur Täuschung noch zurück.
Die Leute wissen, was sie tun
Ein weiteres Detail aus der Messstudie ist aufschlussreich. Die Teilnehmenden sollten selbst einschätzen, wie genau ihre Profilangaben sind. Diese Selbsteinschätzung hing deutlich mit den tatsächlich gemessenen Abweichungen zusammen. Die Forschenden folgern daraus, dass die Ungenauigkeiten eher absichtlich als unbewusst zustande kamen (Toma, Hancock und Ellison 2008). Das klingt härter, als es gemeint ist. Die Abweichungen waren in der Regel bewusst gewählte Rundungen und keine Tippfehler. Vermutlich hatten viele dabei das Gefühl, das sei noch fair.
Fotos sind die größte Baustelle
In derselben Studie gaben die Teilnehmenden an, bei ihren Fotos am wenigsten genau zu sein und bei den Angaben zur Beziehung am genauesten. Eine weitere Arbeit hat sich die Bilder gezielt angesehen: Die Profilinhaber hielten ihre Fotos für ziemlich zutreffend, unabhängige Beurteilende stuften aber etwa ein Drittel der Bilder als nicht zutreffend ein (Hancock und Toma 2009). Zwischen dem, was du selbst für ein ehrliches Foto hältst, und dem, was andere darin sehen, kann also eine Lücke liegen. Das liegt nicht unbedingt an Filtern. Auch Licht, Winkel, Auswahl und das Alter des Bildes verschieben den Eindruck.
Wer sich unsicher fühlt, schönt mehr
Toma und Hancock haben in einer weiteren Studie 69 Menschen, die online daten, ihre eigenen Profil-Schummeleien benennen lassen und sie im Labor fotografiert. Unabhängige Beurteilende schätzten die Attraktivität ein. Ergebnis: Je weniger attraktiv jemand eingeschätzt wurde, desto eher wurden Profilfotos aufgehübscht und Größe, Gewicht und Alter geschönt. Bei Angaben, die nichts mit dem Aussehen zu tun haben, etwa Einkommen oder Beruf, zeigte sich dieser Zusammenhang nicht (Toma und Hancock 2010). Geschönt wird also gezielt und begrenzt, dort, wo man einen Nachteil vermutet.
Das Profil als ideales Ich
Nicole Ellison, Rebecca Heino und Jennifer Gibbs haben 34 aktive Nutzerinnen und Nutzer einer großen Dating-Seite ausführlich interviewt. Viele beschrieben eine Spannung: Einerseits wollten sie sich möglichst attraktiv zeigen, um überhaupt aufzufallen. Andererseits wussten sie, dass Falschangaben einer echten Beziehung im Weg stehen, weil beim Treffen ohnehin alles herauskommt. Manche lösten diesen Widerspruch, indem sie Abweichungen als Bild einer möglichen, künftigen Version ihrer selbst verstanden statt als glatte Erfindung (Ellison, Heino und Gibbs 2006). Diesen Gedanken kennen viele: Das Profil zeigt ein bisschen mehr die Person, die man gern wäre, als die, die man gerade ist.
Was das alles zusammen bedeutet
Toma, Hancock und Ellison deuten ihr Ergebnis als Abwägung: Die Teilnehmenden nutzten die Spielräume eines Profils, das man jederzeit bearbeiten kann, und berücksichtigten zugleich, dass sie sich bald gegenübersitzen würden. Daraus erklärt sich das Bild aus häufigen, aber kleinen Abweichungen. Grobe Lügen lohnen sich schon deshalb selten, weil sie beim ersten Treffen platzen.
Typische Schönungen im Dating-Profil
Aus der Forschung und aus den Fragen, die in Suchmaschinen rund um das Thema auftauchen, ergibt sich eine ziemlich klare Liste. Jede dieser Schönungen hat ihre eigene Logik und ihre eigene Sollbruchstelle.
Alter
Das Alter ist der Klassiker. Viele Apps filtern nach Altersspannen, und wer knapp über einer runden Zahl liegt, hat Angst, aus den Suchergebnissen zu fallen. Also wird aus 41 eben 38. Das Problem: Das Alter fliegt auf, sobald es um Schulzeit, Jahrgänge, Musik der Jugend oder einen Ausweis an der Bar geht. Und dann lautet die eigentliche Botschaft plötzlich: „Ich habe dir von Anfang an etwas vorgemacht.“
Körpergröße
Bei der Größe wird besonders gern aufgerundet, vor allem von Männern. Ein paar Zentimeter wirken harmlos, weil sie im Alltag kaum jemand misst. Beim Date stehen sich zwei Menschen aber direkt gegenüber, oft auch noch mit unterschiedlich hohen Schuhen. Wer im Profil 1,80 Meter angibt und deutlich kleiner ist, merkt oft am Blick des Gegenübers, dass es aufgefallen ist. Peinlich ist dann weniger die Größe als die Zahl im Profil.
Gewicht und Figur
Gewicht steht in vielen Apps gar nicht als Zahl im Profil, dafür gibt es Kategorien wie „sportlich“, „durchschnittlich“ oder „ein paar Kilo mehr“. Diese Begriffe sind dehnbar, und das wird genutzt. Dazu kommt die Bildauswahl: Fotos von schräg oben, nur Gesicht, kein Ganzkörperbild. Für sich genommen ist keines davon eine Lüge. In der Summe kann ein Eindruck entstehen, der beim Treffen nicht hält.
Alte oder stark bearbeitete Fotos
Bei den Fotos schätzten sich die Teilnehmenden der Messstudie selbst als am wenigsten genau ein, und das ist auch intuitiv verständlich. Das Lieblingsbild ist oft das, auf dem man besonders gut aussah, und das ist selten das aktuellste. Dazu kommen Filter, Beauty-Modi der Handykamera und Bildbearbeitung. Ein Foto, das ein paar Monate alt ist, ist völlig normal. Ein Foto, auf dem du eine andere Frisur, einen anderen Bart, zehn Kilo weniger oder deutlich jüngere Haut hast, erzeugt dagegen eine Erwartung, die du am Tisch nicht erfüllen kannst. Wie du Bilder auswählst, die dich gut und trotzdem echt zeigen, steht ausführlich im Ratgeber zu Profilfotos, die wirken.
Beruf, Bildung, Einkommen
Auch hier wird geschönt, allerdings meist weniger, als man denkt. Aus „Sachbearbeiter“ wird „im Projektmanagement“, aus dem abgebrochenen Studium ein „studiert“. Solche Formulierungen bewegen sich oft in einer Grauzone: technisch nicht falsch, aber geschickt gewählt. Kritisch wird es, wenn ein Titel, ein Abschluss oder ein Beruf schlicht erfunden ist. Das lässt sich auf Dauer kaum durchhalten, weil dein Alltag davon erzählt.
Beziehungsstatus
Hier hört der Spaß auf. Wer als „Single“ auftritt und in einer Beziehung oder Ehe lebt, schönt nichts, er täuscht. Interessant ist, dass Menschen in der Messstudie ihre Beziehungsangaben für sehr genau hielten, während die deutsche Befragung den Familienstand zu den Angaben zählt, bei denen Männer eher falsche Angaben machen als Frauen. Beides kann stimmen: Die meisten sind ehrlich, eine Minderheit nicht, und diese Minderheit richtet besonders viel Schaden an.
Absichten
Ähnlich ernst ist es bei der Frage, was jemand sucht. Wer „etwas Festes“ angibt, weil das bei Matches besser ankommt, eigentlich aber nur unverbindlich daten will, verschiebt das Risiko komplett auf die andere Person. Auch das gehört zu den Angaben, die in der deutschen Studie bei Männern häufiger falsch waren. Unklare Absichten sind übrigens etwas anderes als falsche: Wer ehrlich noch nicht weiß, ob es ernst werden soll, darf genau das sagen. Wie man so eine Offenheit formuliert, ohne vage zu werden, beschreibt der Artikel über nichts Ernstes, aber offen für etwas Festes.
Warum Menschen im Dating-Profil schummeln
Wer verstehen will, warum so viele ein bisschen schummeln, muss sich die Situation ansehen, in der ein Profil entsteht. Du schreibst einen Text und wählst Bilder für ein Publikum, das dich nicht kennt, sehr schnell entscheidet und gleichzeitig hunderte andere Profile sieht. Das erzeugt Druck, und Druck führt zu Schönungen.
Filter und Algorithmen. Viele Apps lassen Nutzerinnen und Nutzer nach Alter und teils nach Größe filtern. Wer knapp außerhalb eines üblichen Filters liegt, hat Angst, gar nicht erst gesehen zu werden. Die Schönung wirkt dann wie ein Ticket in die Suchergebnisse.
Vergleich mit allen anderen. Wenn du glaubst, dass alle anderen ein bisschen runden, fühlt sich die eigene echte Zahl wie ein Nachteil an. Aus „alle machen es“ wird schnell „ich wäre dumm, wenn ich es nicht mache“.
Unsicherheit beim Aussehen. Die Studie von Toma und Hancock zeigt, dass gerade Menschen, die als weniger attraktiv eingeschätzt wurden, eher bei Fotos und Körperangaben schönten. Das ist ein sehr menschlicher Versuch, einen gefühlten Nachteil auszugleichen, und kein Charakterfehler.
Das ideale Ich. Wie die Interviews von Ellison und Kolleginnen zeigen, sehen manche ihre Schönung als Vorgriff auf eine Version von sich, die sie gerade anstreben. Man kann sich das gut vorstellen: Gemeint ist dann vielleicht die Figur nach dem neuen Trainingsplan oder der Job nach der Weiterbildung. Gefühlt ist das keine Lüge, nur ein bisschen Zukunft.
Die Hoffnung, dass es egal ist. Viele denken: Wenn wir uns erst mal sehen und es funkt, spielen zwei Zentimeter keine Rolle mehr. Manchmal stimmt das sogar. Nur hat die andere Person dann eben mit einer anderen Erwartung zugesagt, und die Frage, was noch alles gerundet wurde, steht unausgesprochen im Raum.
Wann aus Schönung Täuschung wird
Nicht jede Abweichung ist gleich schlimm. Ein Foto im besten Licht ist etwas anderes als ein verschwiegener Ehering. Damit du für dich und bei anderen besser einschätzen kannst, wo die Grenze liegt, helfen vier Fragen.
- Hält die Angabe dem ersten Treffen stand? Wenn die Person am Tisch klar als die vom Foto zu erkennen ist und sich die Angaben im Rahmen bewegen, ist das Auswahl, keine Lüge. Wenn das Gegenüber erst überlegen muss, ob du das wirklich bist, ist die Grenze überschritten.
- Betrifft die Abweichung etwas, das für die andere Person eine Entscheidung verändert? Beziehungsstatus, Kinderwunsch, vorhandene Kinder, die Art der gesuchten Beziehung oder ein ganz anderer Wohnort gehören dazu. Wer hier falsche Angaben macht, nimmt der anderen Person die Möglichkeit, frei zu entscheiden.
- Ist es eine Formulierung oder eine erfundene Tatsache? „Arbeitet im Gesundheitswesen“ statt „Pflegekraft“ ist eine Wahl der Worte. Ein erfundener Doktortitel ist eine falsche Tatsache.
- Würdest du es von selbst aufklären? Eine Schönung, die du beim zweiten Date lachend erwähnen könntest, ist meist harmlos. Etwas, das du um jeden Preis verbergen willst, ist es nicht.
Zur schnellen Orientierung:
| Angabe | Eher Schönung | Eher Täuschung |
|---|---|---|
| Körpergröße | 1 bis 2 Zentimeter aufgerundet | deutlich größer angegeben, als du bist |
| Alter | Profil zeigt das echte Alter, Fotos im besten Licht | anderes Geburtsjahr angegeben |
| Fotos | gut ausgeleuchtet, vorteilhafter Winkel, wenige Monate alt | Jahre alt, stark gefiltert oder kaum wiederzuerkennen |
| Figur | Kategorie wohlwollend gewählt | Ganzkörperbilder bewusst vermieden, um eine klar andere Figur zu verbergen |
| Beruf | schöne Formulierung für einen echten Job | erfundener Beruf oder Titel |
| Beziehungsstatus | gibt es nicht | in einer Beziehung oder verheiratet, Profil sagt Single |
| Absichten | noch unsicher und das auch so gesagt | gibt „fest“ an, will aber nur Unverbindliches |
Die Tabelle ist eine Orientierung, kein Gesetzbuch. Was für dich ein Ausschlussgrund ist, entscheidest du. Wenn dir Größe egal ist, sind fünf Zentimeter kein Drama. Wenn dir Ehrlichkeit über alles geht, kann schon eine kleine Rundung ein Gesprächsthema sein.
Abgrenzung: Fake-Profile, Catfishing und Betrug
Alles bisher Beschriebene betrifft echte Menschen, die echt daten wollen und sich ein bisschen besser darstellen, als sie sind. Davon zu unterscheiden sind Profile, hinter denen eine ganz andere Absicht steckt.
Ein Fake-Profil zeigt eine Person, die es so nicht gibt, oft mit kopierten Bildern und dem Ziel, Geld, Daten oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Woran du so etwas erkennst und wie die Bilderrückwärtssuche funktioniert, steht im Ratgeber Fake-Profile erkennen. Beim Catfishing gibt sich jemand gezielt als jemand anderes aus, mit fremden oder künstlich erzeugten Fotos und einer erfundenen Lebensgeschichte. Die typischen Anzeichen beschreibt der Artikel Catfishing erkennen.
Der Unterschied zur Schönung ist grundsätzlich. Wer zwei Zentimeter aufrundet, will dich treffen und hofft, dass es passt. Wer ein Fake-Profil betreibt, will dich in der Regel gerade nicht treffen, weil dann alles auffliegen würde. Ein Mensch, der Videocalls und Treffen dauerhaft ausweicht, aber schnell über Geld, Notlagen oder Investitionen spricht, fällt deshalb in eine ganz andere Kategorie, auch wenn sein Profil auf den ersten Blick glaubwürdig wirkt. Dann ist Vorsicht wichtiger als Nachsicht.
Ehrlich und trotzdem vorteilhaft: so baust du dein Profil
Die gute Nachricht: Du musst nicht schummeln, um gut zu wirken. Die meisten Stellschrauben, mit denen andere schönen, kannst du auch ehrlich nutzen. Der Unterschied liegt darin, ob du deine echten Stärken zeigst oder fremde vortäuschst.
Schritt 1: Fakten bleiben Fakten
Alter, Größe, Beziehungsstatus und Kinder sind Zahlen und Tatsachen. Die trägst du so ein, wie sie sind. Das klingt banal, nimmt dir aber einen ganzen Batzen Stress ab: Du musst dir nichts merken, nichts erklären und beim Date nicht hoffen, dass niemand nachfragt. Wenn du Angst hast, mit deinem echten Alter aus Filtern zu fallen, schreib lieber in den Text, für welche Altersspanne du offen bist. Das ist ehrlich und erreicht trotzdem die richtigen Leute. Gerade bei der Partnersuche in späteren Jahren lohnt sich dieser offene Umgang, wie der Ratgeber zu Online-Dating ab 60 zeigt.
Schritt 2: Aktuelle Fotos, gut gemacht
Statt alter Lieblingsbilder lohnt sich ein Nachmittag mit einer Person, die dich mag und ein Handy halten kann. Tageslicht, ein echtes Lachen, ein Bild, auf dem man dich ganz sieht, und eines, das zeigt, was du gern machst. Die Studie zu Profilbildern hat gezeigt, dass der eigene Blick auf ein Foto deutlich vom Blick anderer abweichen kann. Auswahl, Licht und Winkel darfst du trotzdem zu deinen Gunsten nutzen, solange das Ergebnis wiederzuerkennen ist.
Eine einfache Probe: Zeig deine Fotos jemandem, der dich in den letzten Wochen gesehen hat, und frag, ob das so aussieht wie du im Moment. Wenn die Antwort zögert, ist ein Bild zu alt oder zu bearbeitet.
Schritt 3: Den Text für deine Stärken nutzen
Im Profiltext gibt es nichts zu runden, dafür viel zu zeigen. Statt dich größer oder jünger zu machen, beschreib, was dich ausmacht: eine Angewohnheit, ein Hobby mit Detail, ein Satz über deinen Humor, der selbst witzig ist. Ein Text mit Persönlichkeit lenkt den Blick weg von reinen Zahlen. Konkrete Beispiele und eine Streichliste findest du im Ratgeber zum Dating-Profiltext schreiben.
Schritt 4: Mögliche Schwachpunkte selbst ansprechen
Wenn es etwas gibt, von dem du vermutest, dass es für manche ein Ausschlusskriterium ist, kannst du es mit Leichtigkeit selbst erwähnen. „1,70 Meter, dafür sehr gute Laune auf Augenhöhe“ ist ehrlicher und sympathischer als 1,76 im Feld darunter. Du musst das nicht tun, aber es filtert früh die Menschen heraus, mit denen es ohnehin nicht passen würde, und es nimmt dir die Angst vor dem Moment, in dem es herauskommt.
Schritt 5: Absichten klar, aber nicht verbissen
Schreib, was du suchst, in einem Satz, der zu dir passt. Wenn du eine Beziehung möchtest, sag das. Wenn du offen bist und erst mal schauen willst, sag auch das. Wer schon im Profil ehrlich über seine Absichten spricht, erspart sich und anderen viele Missverständnisse in den ersten Wochen.
Schritt 6: Regelmäßig aktualisieren
Profile altern still. Ein Foto, das vor einem Jahr aktuell war, ist es heute vielleicht nicht mehr. Der Job hat gewechselt, die Frisur auch. Einmal im Quartal kurz durch das eigene Profil zu scrollen, verhindert, dass aus einer ehrlichen Angabe mit der Zeit eine unehrliche wird.
Wenn du selbst geschummelt hast
Vielleicht liest du das und denkst gerade an deine eigenen zwei Zentimeter oder an das Foto von vor drei Jahren. Kein Grund für Panik. Die meisten Schönungen lassen sich unkompliziert korrigieren.
Im Profil: Passe die Angabe einfach an. Eine geänderte Größe oder ein neues Foto bemerkt im Normalfall niemand, der dein Profil nicht täglich anschaut. Wenn du gerade mit jemandem schreibst, der dich nach den alten Angaben kennt, kannst du es dort ansprechen.
Im Chat: Je früher, desto leichter. Ein Satz mit etwas Selbstironie genügt meistens: „Kleines Geständnis vor unserem Treffen: Ich bin eher 1,75 als 1,78. Ich wollte nicht, dass du am Treffpunkt nach jemand Größerem Ausschau hältst.“ Das wirkt souverän, und die meisten Menschen rechnen dir die Ehrlichkeit höher an als die Zentimeter.
Beim Alter: Hier ist schnelle Korrektur besonders wichtig, weil es sich kaum verbergen lässt. Ein offenes „Ich habe beim Alter geschummelt, weil ich Angst hatte, wegen der 40 aussortiert zu werden. Eigentlich bin ich 42“ kann sogar ein guter Gesprächseinstieg über Erwartungen sein. Je länger du wartest, desto mehr Gewicht bekommt es.
Bei Status oder Absichten: Wenn du verschwiegen hast, dass du gebunden bist, oder eine Beziehung angekündigt hast, die du gar nicht willst, ist ein schneller, klarer Satz die einzige faire Lösung. Hier geht es um die Entscheidung der anderen Person, das Image ist zweitrangig.
Abweichungen im Chat erkennen und ansprechen
Schreibst du mit jemandem, ist es völlig normal, eine gewisse Restunsicherheit zu haben. Du musst kein Detektiv sein, aber ein paar Gewohnheiten helfen, Überraschungen kleiner zu halten.
Konkrete Fragen statt Verhör
Fragen nach dem Alltag liefern ganz nebenbei Informationen, die zum Profil passen oder eben nicht. Was jemand am Wochenende gemacht hat, wo er zur Schule gegangen ist, welches Konzert das erste war. Nichts davon ist ein Test, alles davon ist ganz normales Kennenlernen. Wenn Antworten auffällig ausweichend bleiben oder nicht zusammenpassen, ist das ein Hinweis, mehr nicht. Wie du ein Gespräch im Chat lebendig hältst, steht in den Tipps für den Online-Dating-Chat.
Ein aktuelles Bild oder ein kurzer Videocall
Es ist völlig legitim, vor einem Treffen um ein aktuelles Foto zu bitten oder einen kurzen Videocall vorzuschlagen. Formuliere es ohne Misstrauen: „Lust auf zehn Minuten Video, bevor wir uns treffen? Dann ist es beim ersten Kaffee weniger komisch.“ Wer echt ist und dich treffen will, sagt meist Ja. Wer dauerhaft ausweicht, gibt dir auch eine Antwort. Manche Apps bieten außerdem eine Profilverifizierung an, die zumindest bestätigt, dass Fotos und Person zusammengehören.
Eine Unstimmigkeit ansprechen
Fällt dir im Chat etwas auf, das nicht zum Profil passt, frag direkt und freundlich. Zum Beispiel: „Du hattest im Profil Hamburg stehen, jetzt klingt es eher nach Lüneburg. Wo bist du gerade zu Hause?“ Die meisten Menschen erklären das ohne Umschweife. Wichtig ist der Ton. Eine Frage lässt Raum für eine gute Erklärung, ein Vorwurf provoziert eine Verteidigung.
Die deutsche Studie von Schmitz, Zillmann und Blossfeld beschreibt übrigens einen interessanten Unterschied: Frauen bemerkten falsche Angaben von Männern eher schon im frühen Austausch per Nachricht, Männer bemerkten falsche Angaben von Frauen eher erst beim ersten persönlichen Treffen (Schmitz, Zillmann und Blossfeld 2013). Das passt zu den unterschiedlichen Schummelfeldern: Beziehungsstatus und Absichten zeigen sich im Gespräch, Aussehen erst beim Treffen.
Beim Date: wenn das Gegenüber anders aussieht als erwartet
Der Moment ist für beide unangenehm. Du siehst eine Person, die dir bekannt vorkommt, aber eben nicht ganz. Vielleicht älter, kleiner, kräftiger, mit anderer Frisur. Und jetzt?
Erst mal durchatmen
Kein Foto zeigt einen Menschen vollständig. Selbst ehrliche Bilder können Erwartungen wecken, die die echte Person nicht trifft, weil Stimme, Bewegung und Ausstrahlung fehlen. Manchmal fühlt sich eine kleine Abweichung im ersten Moment größer an, als sie ist. Gib dem Treffen ein paar Minuten, bevor du ein Urteil fällst.
Du darfst es kurz halten
Wenn die Abweichung so groß ist, dass du dich getäuscht fühlst, musst du keinen langen Abend durchziehen. Ein Getränk, ein freundliches Gespräch und ein höflicher Abschied sind völlig in Ordnung. Wie du ein Treffen beendest, ohne verletzend zu sein, beschreibt der Ratgeber erstes Date beenden.
Ansprechen oder nicht?
Wenn du die Person trotzdem interessant findest, lohnt sich eine leichte, ehrliche Frage, sobald das Gespräch ein bisschen warm ist: „Deine Fotos sind schon etwas älter, oder?“ Ohne Vorwurf gestellt, kann daraus ein gutes Gespräch über Druck in Dating-Apps werden. Wenn du die Person nicht wiedersehen willst, musst du die Abweichung nicht thematisieren. Eine klare, freundliche Absage nach dem Treffen reicht.
Wann du gehen solltest
Anders sieht es aus, wenn am Tisch eine Person sitzt, die offensichtlich nicht die vom Profil ist, oder wenn im Gespräch herauskommt, dass dein Gegenüber verheiratet ist und das verschwiegen hat. Dann ist das keine Schönung mehr, und du darfst gehen, ohne dich zu rechtfertigen. Gerade bei Treffen mit Menschen aus dem Internet gilt ohnehin: öffentlicher Ort, eigene Anreise, jemand weiß Bescheid. Die wichtigsten Regeln stehen im Ratgeber zur Sicherheit beim ersten Treffen.
Was die Abweichung über die Person verrät
Eine aufgerundete Größe sagt meist wenig über den Charakter, eher etwas über Unsicherheit und den Druck auf Dating-Plattformen. Spannender ist, wie die Person reagiert, wenn es zur Sprache kommt. Lacht sie darüber und erklärt es, ist das ein gutes Zeichen. Weicht sie aus, wird pampig oder dreht den Spieß um, ist das wichtiger als jede Zentimeterzahl. Welche Muster beim Kennenlernen wirklich bedenklich sind, sortiert der Artikel über Red Flags beim Dating.
Was hilft, wenn dich das Thema verunsichert
Wer ein paar Mal erlebt hat, dass Profile und Menschen auseinanderliegen, wird misstrauischer. Das ist verständlich, kann aber jede neue Begegnung belasten. Ein paar Gedanken helfen, gelassener zu bleiben.
Erwartungen auf Profilniveau halten. Ein Profil ist eine Visitenkarte, kein Ausweis. Wenn du davon ausgehst, dass Bilder ein bisschen vorteilhafter sind als die Wirklichkeit, bist du beim Treffen seltener enttäuscht und öfter positiv überrascht.
Früh treffen statt lange schreiben. Je länger du chattest, desto detaillierter wird das Bild im Kopf, und desto größer kann die Lücke zur echten Person werden. Ein Treffen nach ein paar Tagen guten Austauschs reduziert die Fallhöhe.
Eigene Ausschlusskriterien kennen. Überleg dir, was für dich wirklich zählt. Ist die Größe ein echtes Kriterium oder nur eine Gewohnheit beim Filtern? Viele merken bei ehrlichem Nachdenken, dass ihnen andere Dinge wichtiger sind, als die Suchmaske vermuten lässt.
Den Anbieter bewusst wählen. Plattformen unterscheiden sich darin, wie viel Wert sie auf ausführliche Profile, Verifizierung und Seriosität legen. Wer sich mehr Verlässlichkeit wünscht, kann bei der Wahl der Plattform darauf achten. Die Portale in unserem Anbietervergleich sind derzeit alle Chat- und Unterhaltungsportale und dort auch so gekennzeichnet, für die Partnersuche sind sie nicht gedacht.
Fazit: Kleine Schönungen sind normal, Ehrlichkeit trägt weiter
Lügen beim Online-Dating sind in den meisten Fällen kleine Schönungen bei Größe, Gewicht, Alter und Fotos. Die Forschung findet sie häufig, aber meist in einem Umfang, der erkennbar bleibt. Menschen wägen ab: so gut wie möglich aussehen, aber nicht so übertrieben, dass das erste Treffen zur Enttäuschung wird. Ernst wird es dort, wo Angaben eine Entscheidung der anderen Person verändern, vor allem beim Beziehungsstatus und bei den Absichten. Das ist keine Schönung mehr, sondern Täuschung.
Für dein eigenes Profil heißt das: Fakten ehrlich eintragen, Fotos aktuell und gut machen, im Text zeigen, was dich ausmacht, und mögliche Schwachpunkte lieber mit Humor selbst ansprechen. Bei anderen hilft ein entspannter Blick auf kleine Abweichungen und ein klarer Blick auf große. Und wenn beim Date jemand anders aussieht als im Profil, darfst du freundlich bleiben, nachfragen oder gehen. Das Profil bringt euch zusammen, entscheiden wird ohnehin am Tisch.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen lügen im Dating-Profil?
Die bekannteste Messung stammt von Toma, Hancock und Ellison: Sie verglichen die Profile von 80 Nutzerinnen und Nutzern mit gemessenen Werten. Laut der Zusammenfassung der Universität Mannheim wichen rund zwei Drittel beim Gewicht ab, fast die Hälfte bei der Größe und knapp ein Fünftel beim Alter. Die Abweichungen waren meist klein. Die Studie ist älter und klein, eine genaue Quote für heutige Apps gibt es nicht.
Ist es schlimm, im Dating-Profil beim Alter zu schummeln?
Es ist eine der Angaben, die spätestens beim Kennenlernen auffliegen, und dann stört meist das Verstecken mehr als das Alter selbst. Wenn du fürchtest, wegen deines Alters aus Filtern zu fallen, stell die Altersspanne der Suche bewusst ein und überzeug mit Fotos und Text. Das echte Geburtsjahr gehört ins Profil.
Wie alt dürfen Fotos im Dating-Profil sein?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Als Faustregel gilt: Die Person auf den Fotos muss die sein, die beim ersten Treffen am Tisch sitzt. Wenn sich Frisur, Gewicht, Bart oder Brille deutlich verändert haben, gehören neue Bilder hinein, auch wenn die alten schöner waren.
Was mache ich, wenn mein Date ganz anders aussieht als auf den Fotos?
Du darfst das Treffen freundlich und kurz halten, du schuldest niemandem einen langen Abend. Ob du die Abweichung ansprichst, hängt davon ab, ob du die Person wiedersehen willst. Wenn ja, frag ruhig und ohne Vorwurf. Wenn nein, reicht ein höflicher Abschied und danach eine klare Absage.
Woran erkenne ich, ob jemand im Profil lügt?
Sicher erkennen lässt sich das vorab kaum. Hinweise sind nur Fotos aus großer Entfernung oder mit Sonnenbrille, ausweichende Antworten auf konkrete Fragen und ein Widerwille gegen einen kurzen Videocall. Einzelne Hinweise beweisen nichts. Je mehr davon zusammenkommen, desto eher lohnt eine direkte Nachfrage vor dem Treffen.
Quellen
- Separating Fact From Fiction: An Examination of Deceptive Self-Presentation in Online Dating Profiles (Personality and Social Psychology Bulletin 34, 2008, S. 1023 bis 1036), Catalina L. Toma, Jeffrey T. Hancock, Nicole B. Ellison, Stanford Social Media Lab
- Schön, schlank, schlau sucht, Universität Mannheim
- The Truth about Lying in Online Dating Profiles (Proceedings of CHI 2007), Jeffrey T. Hancock, Catalina Toma, Nicole Ellison, Stanford Social Media Lab
- Putting Your Best Face Forward: The Accuracy of Online Dating Photographs (Journal of Communication 59, 2009), Jeffrey T. Hancock, Catalina L. Toma, Stanford Social Media Lab
- Looks and Lies: The Role of Physical Attractiveness in Online Dating Self-Presentation and Deception (Communication Research 37, 2010), Catalina L. Toma, Jeffrey T. Hancock, Stanford Social Media Lab
- Managing Impressions Online: Self-Presentation Processes in the Online Dating Environment (Journal of Computer-Mediated Communication 11, 2006), Nicole Ellison, Rebecca Heino, Jennifer Gibbs, Oxford Academic
- Do Women Pick Up Lies before Men? The Association between Gender, Deception Patterns, and Detection Modes in Online Dating (Online Journal of Communication and Media Technologies 3(3), 2013, S. 52 bis 73), Andreas Schmitz, Doreen Zillmann, Hans-Peter Blossfeld
Zuletzt aktualisiert am 27. Oktober 2026
