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Kostenlose Dating-Apps: Wo die versteckten Kosten lauern

Warum kostenlose Dating-Apps trotzdem Geld verdienen müssen, welche Bezahlfunktionen sich häufen und worauf du vor dem ersten Kauf achten solltest.

Mira Hoffmann
Mira Hoffmann
Redaktionsleitung und Testleitung · 24. September 2026 · 16 Min. Lesezeit
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Kostenlos ist eines der wirkungsvollsten Wörter im gesamten Online-Marketing, und Dating-Apps setzen genau dieses Wort entsprechend gezielt und bewusst ein. Anmeldung kostenlos, Profil erstellen kostenlos, erste Kontakte kostenlos. Was in dieser Aufzählung fehlt, ist meistens genau der Teil, der am Ende das Geld bringt.

In meiner Arbeit prüfe ich regelmäßig, was Dating-Plattformen tatsächlich kosten, nicht was auf der Startseite steht. Der Unterschied zwischen beiden Angaben ist bei vielen Gratis-Apps größer, als es der erste Eindruck vermuten lässt.

Dabei geht es mir nicht darum, kostenlose Modelle grundsätzlich schlechtzureden. Manche funktionieren fair und transparent. Problematisch wird es erst, wenn Nutzerinnen und Nutzer erst nach Wochen der Nutzung merken, wie viel Geld über kleine Einzelkäufe zusammengekommen ist, ohne dass sie diese Summe bewusst so geplant hätten.

Warum kein Unternehmen dauerhaft etwas verschenkt

Eine Dating-App zu betreiben, kostet Geld: Server, Entwicklung, Support, Marketing, Moderation. Wenn die Anmeldung kostenlos ist, muss dieses Geld an anderer Stelle wieder hereinkommen. Es gibt dafür im Kern drei Modelle, die sich in der Praxis auch mischen: Werbung innerhalb der App, ein klassisches Abonnement für erweiterte Funktionen, oder der Verkauf einzelner, kleinerer Funktionen gegen eine hausinterne Währung.

Wer eine App als kostenlos wahrnimmt, hat oft nur das Anmeldeformular gesehen, nicht das Geschäftsmodell dahinter. Das ist an sich kein Problem, solange die Kosten später transparent werden. Genau daran hapert es bei manchen Anbietern.

Werbefinanzierte Modelle sind dabei der unauffälligste der drei Wege. Hier bezahlt man nicht direkt, sondern indem man Werbung sieht und Zeit in der App verbringt, die für die Werbevermarktung wertvoll ist. Ein Abonnement ist der klassische Weg, den viele aus anderen Bereichen kennen, etwa von Streaming-Diensten: ein fester Betrag pro Monat für einen erweiterten Funktionsumfang. Der dritte Weg, der Verkauf einzelner Funktionen, ist der am wenigsten transparente, weil er die Gesamtkosten über viele kleine Einzelentscheidungen verteilt, statt sie einmal klar zu benennen.

Das Prinzip der hausinternen Währung

Ein Mechanismus, der in den letzten Jahren deutlich häufiger geworden ist: Statt eines Preises in Euro kauft man Pakete einer eigenen Währung, oft Coins, Credits oder Punkte genannt. Diese Währung wird dann für einzelne Aktionen ausgegeben, etwa um eine Nachricht besonders hervorzuheben, ein virtuelles Geschenk zu schicken oder das eigene Profil für eine gewisse Zeit sichtbarer zu machen.

Der Effekt dieser Umrechnung ist psychologisch gut untersucht und wird deshalb gezielt eingesetzt: Ein Preis von fünfzig Coins fühlt sich abstrakter an als ein Preis von vier Euro fünfzig, selbst wenn beide Beträge exakt demselben Gegenwert entsprechen. Wer mit einer eigenen Währung bezahlt, verliert leichter den Überblick darüber, wie viel Geld tatsächlich schon ausgegeben wurde, weil jede einzelne Transaktion klein und die Umrechnung unbequem ist.

Ein weiterer Effekt kommt hinzu: Coin-Pakete werden meistens in ungeraden, nicht restlos aufbrauchbaren Mengen verkauft. Wer für eine bestimmte Funktion vierzig Coins braucht, aber nur Pakete zu fünfzig oder hundert Coins kaufen kann, bleibt am Ende auf einem Rest sitzen, der zum nächsten Kauf einlädt, statt einfach verfallen zu dürfen. Dieses Prinzip ist aus anderen Branchen wie Spielhallen oder mobilen Spielen bekannt und wird in Dating-Apps zunehmend in ähnlicher Form eingesetzt.

Einzeln betrachtet wirken die meisten dieser Käufe harmlos. Ein Coin-Paket für ein paar Euro, eine Sichtbarkeits-Funktion für einen begrenzten Zeitraum, ein Boost, der das eigene Profil kurzzeitig weiter oben in der Trefferliste zeigt. Das Problem entsteht durch die Wiederholung. Wer regelmäßig einzelne Funktionen nachkauft, weil die vorherige Wirkung nach ein paar Tagen wieder verpufft, gibt über einen Monat oft mehr aus, als ein klassisches Abo gekostet hätte.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Ein Abo wird einmal abgeschlossen und dann meist nicht mehr aktiv hinterfragt. Einzelkäufe entstehen dagegen aus einem konkreten Impuls heraus, etwa dem Wunsch, ein bestimmtes Profil schneller zu erreichen. Dieser Impuls wird gezielt provoziert, etwa durch die Anzeige, dass ein Nachricht ungelesen bleibt, solange man nicht dafür bezahlt, sie hervorzuheben.

Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht das Ausmaß: Ein einzelner Boost, der das eigene Profil für dreißig Minuten sichtbarer macht, kostet oft nur wenige Euro. Wer diesen Boost aber jeden zweiten Tag bucht, weil die Wirkung schnell nachlässt, kommt über einen Monat gerechnet leicht auf einen zweistelligen Betrag, der über dem Preis der meisten klassischen Monatsabos liegt, ohne dass dabei ein einziges großes Ausgabeereignis stattgefunden hätte, an dem man hätte innehalten können.

Funktionen, die typischerweise erst kostenpflichtig werden

Bei vielen kostenlosen Apps ist ein bestimmtes Muster erkennbar, welche Funktionen zuerst hinter eine Bezahlschranke wandern:

  • Zu sehen, wer das eigene Profil bereits angesehen oder mit Like markiert hat
  • Nachrichten an Personen zu schreiben, die man selbst noch nicht markiert hat
  • Filter für die Suche, etwa nach Entfernung, Alter oder bestimmten Interessen
  • Die eigene Sichtbarkeit in der Trefferliste zu erhöhen
  • Werbung innerhalb der App vollständig auszublenden

Diese Aufzählung erklärt auch, warum die kostenlose Version einer App oft ausreicht, um sich einen Eindruck zu verschaffen, für eine ernsthafte, aktive Nutzung aber schnell an ihre Grenzen stößt. Wer verstehen möchte, wie man aus mehreren Angeboten die passende Plattform auswählt, findet dazu eine Einordnung im Artikel Artikel zur Auswahl einer Singlebörse.

Aus meiner Erfahrung mit Anbietertests lohnt sich vor der Anmeldung ein kurzer Test: In den App-Stores oder auf der Webseite des Anbieters lässt sich oft schon vorab einsehen, welche Funktionen kostenpflichtig sind, ohne dass man dafür ein Konto anlegen müsste. Wer diesen Schritt überspringt und sich erst nach der Anmeldung mit den Preisen beschäftigt, hat bereits Zeit in ein Profil investiert und ist dadurch eher geneigt, die geforderten Kosten zu akzeptieren, statt die App wieder zu verlassen.

Der Unterschied zwischen einem Abo und einem Einzelkauf-Modell

Ein Abo hat einen entscheidenden Vorteil: Es ist planbar. Man kennt den monatlichen Betrag, und solange man rechtzeitig kündigt, ist der finanzielle Rahmen klar. Der Nachteil eines Abos ist die automatische Verlängerung, die viele Anbieter standardmäßig aktivieren, sodass ohne aktive Kündigung weiter abgebucht wird. Wie man ein solches Abo rechtzeitig und korrekt beendet, steht ausführlich im Artikel Artikel über das Kündigen eines Dating-Abos.

Ein Einzelkauf-Modell wirkt im ersten Moment flexibler, weil man scheinbar nur für das bezahlt, was man tatsächlich nutzt. In der Praxis führt genau diese Flexibilität aber häufig zu höheren Gesamtkosten, weil jede einzelne Handlung im Kopf isoliert bewertet wird, statt die Summe über einen Monat im Blick zu behalten.

Es gibt auch Mischformen, die beide Modelle kombinieren: ein günstiges Basis-Abo, das grundlegende Funktionen freischaltet, ergänzt um zusätzliche Einzelkäufe für besondere Wirkung. Diese Kombination ist für Anbieter besonders lukrativ, weil sie zwei Zahlungsanreize gleichzeitig bedient, den planbaren monatlichen Betrag und den spontanen Zusatzkauf. Wer ein solches Modell nutzt, sollte beide Kostenblöcke getrennt im Blick behalten, statt nur auf den niedrigen Einstiegspreis des Abos zu schauen.

Warnzeichen beim ersten Blick in die App

Ein paar Anzeichen deuten darauf hin, dass eine App stark auf Zusatzkäufe setzt, noch bevor man den ersten Cent ausgegeben hat. Dazu gehört eine auffällig prominente Anzeige der eigenen Coin-Anzahl direkt auf der Startseite der App, meist in einer auffälligen Farbe. Ebenso ein Hinweis, dass eine Nachricht „wahrscheinlich übersehen“ wird, wenn man sie nicht hervorhebt, was ein gezielter Anstoß zum Kauf ist.

Auch die Anzahl der Bildschirme, die man durchklicken muss, um überhaupt einen Gesamtüberblick über die Preise zu bekommen, ist aufschlussreich. Seriöse Anbieter zeigen eine klare Preistabelle an gut sichtbarer Stelle. Wer Preise erst nach mehreren Klicks und mitten im Kaufprozess findet, sollte besonders genau hinsehen.

Ein weiteres Warnzeichen ist eine künstlich erzeugte Verknappung, etwa die Anzeige, dass ein bestimmtes Angebot nur noch für eine begrenzte Zeit verfügbar sei, obwohl dasselbe Angebot am nächsten Tag mit derselben Frist erneut erscheint. Solche Countdown-Anzeigen sollen eine spontane Kaufentscheidung provozieren, bevor Zeit für eine ruhige Abwägung bleibt. Wer ein solches Muster mehrfach beobachtet, kann sicher sein, dass die angebliche Knappheit keine reale Begrenzung ist, sondern ein wiederkehrendes Verkaufswerkzeug.

Wie man den eigenen Verbrauch im Blick behält

Wer eine App mit Einzelkäufen nutzt, profitiert davon, sich selbst eine einfache Regel zu setzen: ein monatliches Limit, das nicht überschritten wird, unabhängig davon, wie verlockend ein einzelner Kauf gerade wirkt. Ebenso hilfreich ist ein kurzer Blick auf die Kontoauszüge nach ein bis zwei Monaten Nutzung, um zu sehen, wie viel tatsächlich zusammengekommen ist. Diese Summe weicht bei vielen Nutzenden deutlich vom gefühlten Betrag ab, weil einzelne kleine Käufe im Alltag schnell aus dem Blick geraten.

Ein weiterer praktischer Tipp: Push-Benachrichtigungen, die gezielt zu einem Kauf auffordern, lassen sich in den meisten Apps in den Einstellungen des Smartphones deaktivieren, ohne dass die eigentliche Nutzung der App darunter leidet.

Eine weitere hilfreiche Gewohnheit ist eine feste Wartezeit vor jedem Zusatzkauf. Statt eine Funktion sofort zu kaufen, sobald der Wunsch danach aufkommt, hilft es, mindestens einen Tag verstreichen zu lassen, bevor die Zahlung tatsächlich ausgelöst wird. Viele Kaufimpulse, die im Moment dringend wirken, verlieren nach dieser kurzen Pause deutlich an Kraft, weil sie ursprünglich eher aus der Gestaltung der App als aus einem echten Bedürfnis entstanden sind.

Was seriöse Anbieter anders machen

Nicht jedes Modell mit Zusatzkäufen ist automatisch problematisch. Der entscheidende Unterschied liegt in der Transparenz. Ein Anbieter, der Preise klar ausweist, bevor eine Zahlung ausgelöst wird, und der keine künstliche Dringlichkeit erzeugt, etwa durch ablaufende Countdown-Angebote, verdient deutlich mehr Vertrauen als einer, der Preise verschleiert oder Kaufdruck über Benachrichtigungen aufbaut.

Auch die Möglichkeit, ein Konto vollständig und ohne Umwege zu löschen, ist ein gutes Zeichen für einen seriösen Umgang mit Kundinnen und Kunden. Wer versteckte Hürden bei der Kündigung oder Löschung einbaut, zeigt damit häufig auch an anderer Stelle, dass Transparenz nicht an erster Stelle steht.

Ein weiteres gutes Zeichen ist eine klar formulierte Preisübersicht, die vor der Anmeldung einsehbar ist, ohne dass persönliche Daten oder eine Zahlungsmethode hinterlegt werden müssen. Anbieter, die diesen Schritt anbieten, signalisieren, dass sie sich nicht davor scheuen, mit offenen Karten zu spielen, auch bevor überhaupt eine Zahlungsbereitschaft geweckt wurde. Umgekehrt ist ein Anbieter, der Preise erst nach vollständiger Registrierung offenlegt, in der Praxis häufiger mit unübersichtlichen oder überraschenden Kostenstrukturen aufgefallen.

Der Zusammenhang mit dem Schutz persönlicher Daten

Kostenlose Modelle finanzieren sich manchmal nicht nur über Zusatzkäufe, sondern auch über die Auswertung von Nutzungsdaten für Werbezwecke. Je mehr Zeit man in einer App verbringt, desto wertvoller werden die dabei entstehenden Daten für zielgerichtete Werbung. Das ist ein weiterer Grund, warum manche kostenlose Angebote gezielt so gestaltet sind, dass man möglichst lange und häufig in der App bleibt. Mehr zu diesem Zusammenhang steht im Artikel Artikel über Datenschutz beim Online-Dating.

Diese doppelte Finanzierung, einmal über Zusatzkäufe und einmal über Daten, wird selten offen kommuniziert, lässt sich aber an bestimmten Details erkennen. Wer beim Öffnen einer App auffällig oft Werbeanzeigen sieht, die exakt zu kürzlich woanders angesehenen Produkten passen, bekommt einen Hinweis darauf, dass die eigenen Daten über das eigentliche Angebot hinaus verwendet werden. Ein Blick in die Datenschutzhinweise der jeweiligen App vor der Anmeldung schafft hier mehr Klarheit als die reine Werbebeschreibung auf der Startseite.

Wann sich ein kostenpflichtiger Wechsel tatsächlich lohnt

Es gibt Situationen, in denen eine bezahlte Funktion tatsächlich sinnvoll ist, etwa wenn ein zeitlich begrenzter Sichtbarkeits-Boost in einer Phase gebucht wird, in der man aktiv und intensiv sucht. Entscheidend ist, diese Entscheidung bewusst zu treffen, statt sie aus einem spontanen Impuls heraus zu tätigen, der von der App selbst ausgelöst wurde.

Eine einfache Faustregel hilft: Bevor eine Zusatzfunktion gekauft wird, lohnt sich die Frage, ob man dieselbe Summe auch dann ausgeben würde, wenn die App gerade keine Erinnerung, keinen Countdown und keine hervorgehobene Anzeige der eigenen Coin-Anzahl zeigen würde. Fällt die Antwort mit Nein aus, war der Kaufimpuls wahrscheinlich stärker von der Gestaltung der App geprägt als vom tatsächlichen Bedarf.

Was Nutzungsbedingungen über Kosten verraten

Ein Blick in die Nutzungsbedingungen einer Plattform lohnt sich, auch wenn kaum jemand sie vollständig liest. Dort finden sich häufig Details, die auf der Werbeseite fehlen, etwa ob eine automatische Verlängerung vorgesehen ist, welche Fristen für eine Kündigung gelten oder ob Guthaben auf dem Konto verfällt, wenn es über einen bestimmten Zeitraum nicht genutzt wird. Gerade die Frage nach dem Verfall von gekauften Coins ist relevant, weil sie bedeutet, dass bereits bezahltes Geld ersatzlos verloren gehen kann, wenn man die App längere Zeit nicht öffnet.

Auch Angaben zur Erstattung sind hier zu finden. Manche Anbieter schließen eine Rückerstattung für bereits gekaufte, aber ungenutzte Coins grundsätzlich aus, andere gewähren sie unter bestimmten Bedingungen. Dieser Unterschied wird selten beworben, ist aber im Streitfall entscheidend, weshalb sich ein kurzer Blick vor dem ersten größeren Kauf auszahlt. Wer sich unsicher ist, ob eine bestimmte Klausel überhaupt zulässig ist, findet bei Verbraucherzentralen kostenlose Beratung zu Fragen rund um Online-Verträge und kann dort im Zweifel gezielt nachfragen, statt sich allein auf die Formulierungen des Anbieters zu verlassen, die naturgemäß eher aus dessen eigener Perspektive geschrieben sind.

Wie sich das Modell auf das Nutzungsverhalten auswirkt

Ein interessanter Nebeneffekt von Modellen mit Einzelkäufen betrifft das eigene Verhalten innerhalb der App. Wer weiß, dass eine Nachricht ohne zusätzliche Zahlung möglicherweise untergeht, verändert oft unbewusst das eigene Verhalten, etwa indem seltener geschrieben wird oder Nachrichten kürzer und vorsichtiger formuliert werden, um den möglichen Verlust bei ausbleibender Antwort geringer zu halten. Das ist eine unschöne Nebenwirkung eines Bezahlmodells, das eigentlich nur Zusatzfunktionen verkaufen sollte, aber tatsächlich das gesamte Kommunikationsverhalten beeinflusst.

Bei einem klaren Abo-Modell entfällt dieser Effekt weitgehend, weil alle im Rahmen des Abos enthaltenen Funktionen gleichermaßen zur Verfügung stehen, unabhängig davon, wie oft man sie nutzt. Wer in seinem Nutzungsverhalten Wert auf Unbefangenheit legt, sollte diesen Unterschied bei der Wahl der Plattform mitbedenken, denn ein Bezahlmodell prägt am Ende auch die Art, wie man mit anderen Menschen kommuniziert, weit über den bloßen Kontostand hinaus.

Wie man Angebote vor der Anmeldung realistisch vergleicht

Ein Vergleich, der nur auf den Satz „kostenlos anmelden“ schaut, greift zu kurz. Sinnvoller ist ein Blick auf drei Fragen: Welche Funktionen sind tatsächlich dauerhaft kostenlos nutzbar, wie ist das Bezahlmodell strukturiert, also Abo oder Einzelkauf, und wie transparent werden die Preise vor dem ersten Kauf angezeigt. Wer diese drei Punkte für mehrere Plattformen nebeneinanderlegt, bekommt ein deutlich klareres Bild als beim bloßen Blick auf das Wort kostenlos auf der Startseite. Eine solche Gegenüberstellung findet sich unter /vergleich.

Was das für unterschiedliche Nutzungstypen bedeutet

Nicht jede Person nutzt Dating-Apps auf dieselbe Weise, und das beste Kostenmodell hängt stark davon ab, welcher Typ man selbst ist. Wer nur gelegentlich, etwa an einzelnen Wochenenden, aktiv sucht und sonst kaum in die App schaut, fährt mit Einzelkäufen häufig günstiger, weil sich ein durchgehendes Abo für diese sporadische Nutzung kaum lohnt. Wer dagegen täglich mehrere Gespräche führt und die Plattform intensiv nutzt, gerät bei Einzelkäufen schnell in eine Summe, die über einem festen Abo liegt, weil sich viele kleine Käufe über den Monat summieren.

Eine dritte Gruppe nutzt Dating-Apps eher unregelmäßig über längere Phasen, mit intensiven Wochen und ruhigeren Pausen dazwischen. Für diese Gruppe kann ein Abo mit der Möglichkeit, es monatlich zu pausieren oder zu kündigen, den besten Mittelweg bieten, sofern der Anbieter eine solche Flexibilität tatsächlich einräumt. Nicht jeder Anbieter bietet eine Pausierung an, manche verlangen stattdessen eine vollständige Kündigung mit anschließender Neuanmeldung, was zusätzlichen Aufwand bedeutet und bei manchen Plattformen sogar den vollständigen Verlust des bisherigen Profils und aller bisherigen Chatverläufe zur Folge haben kann. Es lohnt sich, vor der Wahl eines Modells ehrlich einzuschätzen, zu welcher dieser Gruppen man selbst am ehesten gehört, statt sich am günstigsten wirkenden Einstiegsangebot zu orientieren.

Ein Rechenbeispiel zur Einordnung

Ohne auf konkrete, unbestätigte Preise einzelner Anbieter zurückzugreifen, hilft ein allgemeines Rechenbeispiel, das Prinzip zu verdeutlichen. Angenommen, ein einzelner Boost kostet umgerechnet drei Euro und wird durchschnittlich zehnmal im Monat gebucht, weil die Wirkung schnell nachlässt. Das ergibt bereits dreißig Euro monatlich, allein für diese eine Funktion. Kommen weitere Einzelkäufe hinzu, etwa um bestimmte Nachrichten hervorzuheben oder zusätzliche Filter freizuschalten, übersteigt die Gesamtsumme schnell den Betrag, den ein Anbieter mit klassischem Abo für einen vollständigen Funktionsumfang verlangen würde, obwohl sich die Nutzung in beiden Fällen ähnlich angefühlt haben mag.

Dieses Beispiel zeigt vor allem eines: Die einzelnen Beträge wirken für sich genommen klein und harmlos, ihre Summe am Monatsende dagegen selten. Wer sich diesen Mechanismus einmal bewusst gemacht hat, betrachtet einzelne Kaufangebote in der App automatisch kritischer, weil die Frage nicht mehr lautet, ob drei Euro viel Geld sind, sondern wie oft sich dieser Betrag im Monat wiederholt.

Wie sich das Thema in Gesprächen mit anderen Nutzenden zeigt

In Gesprächen mit anderen Nutzenden, die ich im Rahmen meiner Arbeit führe, taucht ein wiederkehrendes Muster auf: Viele wissen zu Beginn der Nutzung nicht, wie viel sie über mehrere Monate tatsächlich ausgegeben haben, bis sie gezielt in ihre Kontoauszüge schauen. Die Reaktion darauf ist fast immer dieselbe, nämlich Überraschung über die Höhe der Summe, verglichen mit dem gefühlten Wert der einzelnen Käufe. Dieses Muster zieht sich durch unterschiedliche Altersgruppen und unterschiedliche Einkommensniveaus, was dafürspricht, dass es weniger mit individuellem Kaufverhalten zu tun hat als mit der gezielten Gestaltung der jeweiligen App, die auf genau diese Unterschätzung der Summe ausgelegt ist.

Wer diese Erfahrung schon einmal selbst gemacht hat, entwickelt danach häufig ein deutlich wacheres Bewusstsein für den eigenen Verbrauch. Genau dieses Bewusstsein lässt sich auch vorab aufbauen, indem man sich die hier beschriebenen Mechanismen bewusst macht, bevor der erste Kauf überhaupt getätigt wird.

Am Ende gilt für Dating-Apps dasselbe wie für jedes andere kostenlose Angebot: Wenn nicht klar ist, wo das Geld verdient wird, lohnt sich ein genauerer Blick. Kostenlos ist selten wirklich kostenlos, es verschiebt die Kosten nur an eine Stelle, die man erst später sieht, sei es in Form von Einzelkäufen, Werbung oder den eigenen Daten. Wer das von Anfang an einkalkuliert, trifft am Ende die informierte Entscheidung, statt sich über eine überraschende Kontoabbuchung zu ärgern.

Diese Einschätzung soll niemanden grundsätzlich von der Nutzung solcher Plattformen abhalten, dafür bieten viele davon durchaus einen echten Mehrwert. Sie soll dabei helfen, mit offenen Augen hineinzugehen, statt sich von einem einzigen Wort auf der Startseite leiten zu lassen. Wer die eigenen Gewohnheiten kennt, das Bezahlmodell versteht und regelmäßig einen Blick auf die tatsächlichen Ausgaben wirft, kann eine kostenlose Dating-App genauso bewusst nutzen wie ein bezahltes Abo, ohne von versteckten Kosten überrascht zu werden. Diese kleine Portion Aufmerksamkeit am Anfang zahlt sich über Monate hinweg deutlich stärker aus als jeder einzelne vermeintlich clevere Trick, mit dem sich ein Anbieter kurzfristig hervorheben will.

Häufige Fragen

Warum ist eine App kostenlos, wenn sie am Ende doch Geld kostet?

Weil kostenlos meist nur die Anmeldung und ein Grundfunktionsumfang sind. Die eigentlichen Einnahmen entstehen über Zusatzkäufe, die erst sichtbar werden, sobald man bestimmte Funktionen nutzen möchte.

Was sind Coins oder Credits in einer Dating-App?

Eine hausinterne Währung, die man mit echtem Geld kauft und dann für einzelne Funktionen ausgibt, etwa um eine Nachricht hervorzuheben oder ein Profil sichtbarer zu machen. Sie verschleiert, wie viel eine einzelne Aktion tatsächlich in Euro kostet.

Wie erkenne ich, ob eine App auf Zusatzkäufe statt auf ein Abo setzt?

Ein Blick in den Preisbereich der App vor der Anmeldung hilft. Werden Pakete mit einer hausinternen Währung angeboten statt einem klaren monatlichen Preis, ist das ein deutliches Zeichen für ein Modell mit Einzelkäufen.

Lohnt sich ein Abo eher als Einzelkäufe?

Das hängt von der Nutzung ab. Wer eine Plattform intensiv und regelmäßig nutzt, fährt mit einem festen Abo oft günstiger. Wer nur gelegentlich eine einzelne Funktion braucht, kann mit Einzelkäufen besser fahren, sollte aber den Überblick über die Summe behalten.

Zuletzt aktualisiert am 24. September 2026

Mira Hoffmann
Über die Autorin / den Autor
Mira Hoffmann

Mira verantwortet die Anbietertests bei Herzenstreffer. Sie meldet sich bei jeder Plattform selbst an, legt ein vollständiges Profil an und schreibt echte Nachrichten, bevor sie eine Bewertung vergibt. Ihre Texte sind nüchtern und konkret: Was kostet es, was bekommt man dafür, wo hakt es.

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