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Ist Luisa hier? Das Codewort gegen Belästigung beim Date

Ist Luisa hier? Wie das Codewort in Bars wirkt, woran du teilnehmende Lokale erkennst und was du beim ersten Date tust, wenn das Lokal nicht mitmacht.

Sven Albrecht
Sven Albrecht
Redakteur für Datenschutz und Sicherheit · 2. November 2026 · 21 Min. Lesezeit

„Ist Luisa hier?“ klingt wie eine harmlose Frage nach einer Bekannten. Gemeint ist etwas anderes: Mit diesem Satz gibst du dem Personal einer Bar, eines Clubs oder eines Cafés zu verstehen, dass du dich bedrängt, belästigt oder bedroht fühlst und Hilfe brauchst. Eine Luisa gibt es nicht. Wer in einem teilnehmenden Lokal nach ihr fragt, wird diskret aus der Situation geholt, bekommt einen ruhigen Ort, ein Taxi oder Hilfe dabei, Freundinnen zu erreichen. Das Codewort hat zwei Schwächen, die du kennen solltest: Es gilt nur dort, wo das Lokal sich der Kampagne angeschlossen hat, und auch dort nur, wenn die Person hinter der Theke Bescheid weiß. Für ein erstes Date mit jemandem aus einer Dating-App ist Luisa deshalb ein guter Baustein, aber kein ganzer Plan.

Was „Ist Luisa hier?“ bedeutet und woher das Codewort kommt

Die Frage ist das Herzstück der Kampagne „Luisa ist hier!“. Sie funktioniert wie ein vereinbartes Signal zwischen Gast und Personal. Du musst nicht erklären, was passiert ist, du musst niemanden beschuldigen und du musst nicht laut werden. Die Frage reicht.

Gestartet 2016 vom Frauen-Notruf Münster

Entwickelt hat das Konzept die Beratungsstelle Frauen-Notruf Münster. Laut 1000 Things Magazine wurde die Kampagne zuerst in Münster vom Frauen-Notruf ins Leben gerufen. Utopia nennt 2016 als Startjahr und beschreibt, dass sie seitdem in zahlreichen Bundesländern sowie in Österreich und der Schweiz vertreten ist. Städte und Landkreise übernehmen das Konzept, schulen Betriebe und verteilen das Material vor Ort. Dortmund etwa hat „Luisa ist hier!“ nach Angaben der Stadt Dortmund flächendeckend eingeführt, nachdem das Jugendamt es 2022 zunächst auf Festivals und Veranstaltungen eingesetzt hatte. Wiesbaden hat die Kampagne laut einer Pressemitteilung der Stadt sogar auf Schwimmbäder ausgeweitet.

Das Gegenstück aus England: „Ask for Angela“

Die Idee hat ein englisches Gegenstück. Laut Wikipedia begann „Ask for Angela“ 2016 in Lincolnshire, entwickelt im Umfeld des dortigen County Council. Wer in einem teilnehmenden Pub nach Angela fragt, bekommt diskret Unterstützung beim Verlassen der Situation, etwa ein Taxi. Die Kampagne hat sich auf weitere Teile Großbritanniens ausgebreitet, in London führte die Polizei sie 2017 in Bars und Pubs ein. Wer „ask for angela deutsch“ sucht, landet also bei Luisa: Die deutschsprachige Entsprechung trägt einen anderen Namen, folgt aber derselben Logik.

Andere Namen, gleiche Idee

Je nach Region heißt die Frage etwas anders. In Österreich laufen Kampagnen teils unter „Luisa ist da“, etwa in Graz und Linz, entsprechend lautet die Frage dann „Ist Luisa da?“. Auch die Universität Mannheim nennt in ihrer Übersicht zu Codewörtern diese Form. Für dich bedeutet das: Beide Varianten werden in teilnehmenden Lokalen verstanden, es kommt nicht auf den exakten Wortlaut an. In Fußballstadien gibt es eigene Codes. Borussia Dortmund setzt an Spieltagen das Konzept „PANAMA“ ein: Wer fragt „Wo ist Panama?“ oder einfach das Codewort nennt, bekommt laut BVB Hilfe von geschulten Ordnungskräften. Für ein Date in einer Bar spielt dieser Code keine Rolle, er zeigt aber, dass Codewörter immer an einen bestimmten Ort und an geschultes Personal gebunden sind.

Ist Luisa hier? So läuft die Frage in Bar und Club ab

Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten, damit er auch unter Stress funktioniert.

  1. Du gehst zum Personal. Das kann die Theke sein, die Bedienung am Tisch, die Garderobe oder die Security am Eingang. Wenn du dich beobachtet fühlst, nimm den Weg zur Toilette als Anlass und sprich jemanden unterwegs an.
  2. Du stellst die Frage. „Ist Luisa hier?“ oder „Ist Luisa da?“ genügt. Du kannst leise sprechen, das Personal weiß, was gemeint ist.
  3. Das Personal übernimmt. Geschulte Mitarbeitende bringen dich aus der Situation heraus, ohne nach Details zu fragen.
  4. Ihr klärt gemeinsam, was du brauchst. Ob du sofort gehen, jemanden anrufen oder nur kurz durchatmen willst, entscheidest du.

Was das Personal dann für dich tut

Nach einem Bericht von echo24 aus Heilbronn kann das Personal zum Beispiel Freundinnen informieren und ein Taxi rufen. Utopia betont, dass du Hilfe bekommst, ohne dass weitere Fragen gestellt werden. Typisch sind also:

  • ein ruhiger Ort, an dem dich die andere Person nicht sieht, etwa ein Büro oder ein Raum hinter der Theke
  • ein Taxi, das dich an einer anderen Tür abholt
  • Hilfe dabei, eine Freundin, einen Freund oder deine Vertrauensperson zu erreichen
  • auf Wunsch der Kontakt zur Polizei
  • Informationen über Beratungsstellen

Wie genau ein Lokal reagiert, legt die Schulung vor Ort fest. Die Abläufe können sich daher von Stadt zu Stadt unterscheiden.

Was das Personal nicht tut

Das Personal ist keine Polizei und kein Ermittlungsteam. Es wird die Person, die dich bedrängt, in der Regel nicht zur Rede stellen, wenn du das nicht willst, und es wird nicht prüfen, ob dein Gefühl „berechtigt“ ist. Genau darin liegt der Wert des Codeworts: Du musst nichts beweisen. Wenn du Anzeige erstatten willst, ist das ein eigener Schritt, bei dem dir Polizei und Beratungsstellen helfen.

Teilnehmende Lokale erkennen

Am wichtigsten ist das Logo. Laut echo24 erkennst du teilnehmende Betriebe am Luisa-Logo. Meist hängt es als Aufkleber an der Eingangstür, an der Theke oder auf den Toiletten. Ein Bericht der Tiroler Tageszeitung nennt Sticker in Damentoiletten als Weg, Betroffene auf das Angebot aufmerksam zu machen. Wenn du beim Hereinkommen nichts siehst, lohnt sich ein Blick auf dem Weg zur Toilette.

Bevor du ein Lokal für dein Date vorschlägst, kannst du auch vorher nachsehen:

  • Seite deiner Stadt oder deines Landkreises. Viele Kommunen, die die Kampagne betreuen, veröffentlichen Listen der teilnehmenden Orte. Wiesbaden etwa führt auf der Kampagnenseite die beteiligten Locations auf. Suche nach „Luisa ist hier“ plus dem Namen deiner Stadt.
  • Gleichstellungsstelle oder Frauenberatungsstelle vor Ort. Sie koordinieren die Kampagne häufig und wissen, welche Betriebe geschult wurden.
  • Website oder Social-Media-Kanal des Lokals. Manche Bars und Clubs weisen dort auf ihr Awareness-Konzept hin.
  • Direkt fragen. Ein kurzer Anruf oder eine Frage beim ersten Besuch („Macht ihr bei Luisa mit?“) ist völlig normal.

Teilnehmen können laut Wiesbaden nicht nur Bars und Diskotheken, sondern auch Restaurants, Freizeiteinrichtungen, Kioske oder Vereine. Für ein erstes Date ist das praktisch, denn nicht jedes Treffen findet in einem Club statt.

Grenzen des Codeworts: was Luisa nicht leisten kann

Luisa ist eine sinnvolle Idee. Trotzdem wäre es falsch, sich blind darauf zu verlassen. Drei Grenzen solltest du im Kopf haben.

Nicht überall, nicht in jeder Schicht

Die Teilnahme ist freiwillig. Ein Lokal ohne Logo muss das Codewort nicht kennen. Selbst in teilnehmenden Lokalen arbeiten Aushilfen, neue Kräfte und wechselnde Schichten. Wiesbaden schreibt eine Schulung vor der Teilnahme vor. Ob jede einzelne Person hinter der Theke an diesem Abend geschult ist, kann aber niemand garantieren. Ein Beispiel aus England zeigt das Risiko: Laut Wikipedia schickte die BBC verdeckt Reporter als Date-Paar in Londoner Lokale, die nach eigener Aussage an „Ask for Angela“ teilnahmen. Nicht überall wusste das Personal, wie es reagieren sollte. Für Deutschland ist kein vergleichbarer Test bekannt. Der Befund ist trotzdem ein Grund, immer einen zweiten Weg parat zu haben.

Keine belastbaren Zahlen zur Wirkung

Wie oft das Codewort genutzt wird und wie vielen Menschen es geholfen hat, lässt sich nicht seriös beziffern. Auch Utopia weist darauf hin, dass es keine offiziellen Zahlen dazu gibt, wie oft die Frage gestellt wurde und wie gut sie funktioniert hat. Eine unabhängige Auswertung für Deutschland ist nicht bekannt. In einer Umfrage von VICE unter Menschen aus dem Nachtleben fallen die Urteile gemischt aus: Für die einen ist Luisa ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, der das Thema sichtbar macht, andere fragen, warum es überhaupt ein Codewort braucht, das sich erst herumsprechen muss.

Für wen das Angebot gedacht ist

Die Kampagne kommt vom Frauen-Notruf und richtet sich in erster Linie an Mädchen und Frauen. Ob und wie Lokale Männern oder nicht-binären Menschen helfen, die das Codewort nutzen, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Ein offenes „Ich brauche Hilfe“ funktioniert unabhängig davon für alle.

„Ist Luisa hier?“ beim ersten Date mit einer Online-Bekanntschaft

Ein Date aus der Dating-App hat eine Besonderheit: Du triffst eine Person, die du bisher nur aus Chat, Fotos und vielleicht einem Telefonat kennst. Die allermeisten dieser Treffen verlaufen unspektakulär. Für den Fall, dass sich etwas falsch anfühlt, hilft es, das Codewort schon vorher in deinen Plan einzubauen. Die allgemeinen Grundregeln für Treffpunkt, Anreise und Vertrauensperson findest du im Ratgeber für ein sicheres erstes Treffen nach dem Online-Dating. Hier geht es darum, wie du das Codewort konkret einsetzt.

Vor dem Date: das Lokal bewusst auswählen

Du hast beim ersten Date meist ein Mitspracherecht beim Ort. Nutze es. Ein Vorschlag wie „Ich kenne da ein nettes Café in der Innenstadt“ wirkt völlig normal und gibt dir die Möglichkeit, ein teilnehmendes Lokal zu wählen. So gehst du vor:

  1. Prüfe auf der Seite deiner Stadt, welche Bars oder Cafés bei Luisa mitmachen.
  2. Wähle eines, das gut erreichbar ist und in dem du dich auskennst.
  3. Merk dir beim Hereinkommen, wo Theke, Toiletten und Ausgang liegen.
  4. Schau nach dem Logo, damit du sicher bist, dass das Lokal noch teilnimmt.
  5. Sag deiner Vertrauensperson neben dem Ort auch, dass das Lokal bei Luisa dabei ist. Dann weiß sie, dass du dort Hilfe holen kannst.

Schlägt dein Match einen Ort vor, den du nicht kennst, kannst du ihn vorher nachschlagen oder einen Alternativvorschlag machen. Das ist ganz normale Planung und kein Misstrauensvotum. Jemand, der bei einem Gegenvorschlag für den Treffpunkt beleidigt reagiert, zeigt dir damit schon etwas, das zu den Red Flags beim Dating gehört.

Während des Dates: wann du nach Luisa fragst

Du brauchst keinen „ausreichenden Grund“. Das Codewort ist für Situationen gedacht, in denen du dich bedrängt oder unwohl fühlst und nicht offen sagen willst oder kannst, dass du gehen möchtest. Die Tabelle zeigt typische Lagen beim Date und was jeweils passt.

Situation beim DatePassende Reaktion
Das Gespräch ist langweilig, du willst einfach heimFreundlich verabschieden, kein Codewort nötig
Die Person rückt dir körperlich zu nah und hört auf ein Nein nichtNach Luisa fragen oder das Personal offen ansprechen
Du fühlst dich unter Druck gesetzt, mit nach Hause zu gehenNach Luisa fragen, getrennt gehen lassen
Die Person will dich unbedingt fahren oder begleiten, du willst das nichtNach Luisa fragen, Taxi über das Personal rufen lassen
Die Person wird laut, aggressiv oder droht dirPersonal ansprechen, bei Gefahr sofort 110
Du fühlst dich plötzlich benommen, ohne viel getrunken zu habenPersonal sofort informieren, 112 oder 110 rufen

Beim letzten Punkt geht es nicht mehr um Diskretion. Ein unerklärlicher Filmriss oder plötzliche Benommenheit können auf K.-o.-Tropfen hindeuten. Was dann zu tun ist, beschreibt der Ratgeber zu K.-o.-Tropfen beim Date Schritt für Schritt.

Wenn das Date einfach nicht passt, du dich aber nicht bedroht fühlst, brauchst du kein Codewort. Ein höflicher Abschied reicht, Formulierungen dafür findest du im Ratgeber zum Thema erstes Date beenden.

So kommst du unauffällig zum Personal

Am Tisch fühlt sich der Weg zur Theke manchmal weit an. Diese Wege wirken beim Date alltäglich:

  • Toilette. „Ich bin gleich wieder da“ ist der unauffälligste Grund aufzustehen. Sprich unterwegs jemanden vom Personal an.
  • Bestellen oder Bezahlen. Wenn du an der Theke bestellst oder zahlst, kannst du die Frage in denselben Satz packen.
  • Garderobe. Auch dort arbeitet Personal, das du ansprechen kannst.
  • Bedienung am Tisch. Wenn du nicht aufstehen kannst, frag die Bedienung leise, ob sie kurz mitkommen kann, oder stelle die Frage, wenn die andere Person kurz weg ist.

Du kannst das Codewort auch umschreiben, wenn dich jemand hören könnte: „Ist Luisa heute da? Ich wollte ihr noch etwas sagen.“ Für das geschulte Personal ist das eindeutig, für dein Gegenüber klingt es nach Smalltalk.

Nach der Frage: wie es weitergeht

Was danach passiert, bestimmst du. Häufig bringt dich das Personal in einen Raum, in dem du in Ruhe überlegen kannst. Von dort aus kannst du:

  • deine Vertrauensperson anrufen und dich abholen lassen
  • ein Taxi rufen lassen, das an einem anderen Ausgang wartet
  • warten, bis die andere Person gegangen ist
  • die Polizei rufen, wenn du dich weiter bedroht fühlst

Deine Sachen am Tisch kannst du dir vom Personal holen lassen. Zurück an den Tisch musst du nicht, auch nicht für eine Verabschiedung. Eine kurze Nachricht später wie „Ich bin gegangen, der Abend war für mich vorbei“ reicht völlig. Du schuldest keine Erklärung.

Plan B: wenn das Lokal nicht bei Luisa mitmacht

Viele Dates finden in Lokalen ohne Logo statt, gerade wenn die andere Person den Ort vorschlägt oder ihr spontan weiterzieht. Dann gilt eine einfache Regel: Das Codewort ist nur eine Abkürzung. Das, wofür es steht, kannst du jederzeit offen aussprechen.

Der offene Satz. Sprich die Bedienung direkt an: „Ich fühle mich von der Person an meinem Tisch bedrängt. Kann ich kurz bei Ihnen bleiben und ungestört gehen?“ Diesen Satz versteht jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter. Die allermeisten helfen, auch ohne Schulung.

Den Ort wechseln, ohne die Person mitzunehmen. Geh auf die Toilette und ruf von dort deine Vertrauensperson an. Lass dir ein Taxi direkt vor die Tür bestellen oder bestell es selbst über eine App.

Andere Gäste ansprechen. Wenn kein Personal in der Nähe ist, wende dich an einen anderen Gast oder eine Gruppe: „Kann ich mich kurz zu euch setzen? Die Person da drüben lässt mich nicht in Ruhe.“

Deine Vertrauensperson. Ein privat vereinbartes Codewort, auf das hin eine Freundin dich anruft, funktioniert unabhängig vom Lokal. Wie du das vorher absprichst, steht im Ratgeber zum sicheren ersten Treffen.

Der Notruf. Wenn du dich bedroht fühlst, festgehalten oder verfolgt wirst, wählst du die 110. Du musst nicht sicher sein, dass schon eine Straftat passiert ist.

Wenn ihr nach dem ersten Drink den Ort wechseln wollt, überlege dir vorher, ob du das willst. Ein Ortswechsel bedeutet auch, dass dein vorbereiteter Plan nicht mehr gilt. Du kannst ihn ablehnen oder einen anderen Ort vorschlagen, den du kennst.

Verwandte Codewörter und Hilfen im Überblick

Neben Luisa kursieren weitere Codes und Zeichen. Manche sind in Deutschland verbreitet, manche stammen aus anderen Ländern und funktionieren hier nur zufällig.

Code oder HilfeWo es giltWas es bedeutetVerlässlich in Deutschland?
„Ist Luisa hier?“ / „Ist Luisa da?“teilnehmende Bars, Clubs, Cafés, BäderIch brauche diskrete Hilfeja, aber nur mit Luisa-Logo
„Ask for Angela“teilnehmende Lokale in GroßbritannienIch brauche diskrete Hilfenein, englisches Gegenstück
Angel Shoteinzelne Bars, vor allem in den USAIch fühle mich unsicher, je nach Variante Taxi oder Polizeinein
„Wo ist Panama?“Stadion von Borussia Dortmund und Veranstaltungen mit ähnlichem KonzeptIch brauche Hilfenur dort
Signal for Help (Handzeichen)international bekanntIch bin in Gefahr und kann nicht sprechennicht überall bekannt
Heimwegtelefonbundesweit per TelefonBegleitung auf dem Heimwegja, Erreichbarkeit vorher prüfen
Notruf 110 und 112überallPolizei und Rettungsdienstja, immer

Angel Shot: was hinter dem Getränk steckt

Der Angel Shot ist ein Code, der aus den USA bekannt geworden ist. Wer ihn an der Bar bestellt, signalisiert dem Personal, dass er sich unsicher fühlt. Je nach Bar gibt es Varianten: Pur bestellt kann er bedeuten, dass dich jemand zum Auto begleitet, „mit Eis“ steht häufig für ein Taxi, „mit Limette“ für die Polizei. Die Bedeutungen sind aber nicht einheitlich. Selbst in Bars, die den Code nutzen, kennt ihn nicht jede Kraft: Ein Bericht von Axios aus Chicago beschreibt genau dieses Problem und Schulungen, die es lösen sollen. In Deutschland ist der Angel Shot nicht verbreitet. Bestellst du ihn hier, bekommst du im besten Fall eine irritierte Nachfrage, im schlechteren Fall einen Schnaps. Für Deutschland gilt deshalb: Luisa, wo das Logo hängt, sonst der offene Satz.

Das Handzeichen „Signal for Help“

Das stille Handzeichen hat die Canadian Women's Foundation laut Wikipedia im April 2020 eingeführt. Es ging vor allem über soziale Netzwerke um die Welt. So funktioniert es:

  1. Halte eine Hand hoch, die Handfläche zeigt zur anderen Person.
  2. Klapp den Daumen in die Handfläche.
  3. Schließ die Finger über dem Daumen zur Faust.

Das Zeichen ist für Situationen gedacht, in denen du nicht sprechen kannst, etwa weil die andere Person direkt neben dir sitzt oder im Videocall mithört. Es soll den Weg zum Notruf öffnen und ersetzt ihn nicht. Die Universität Mannheim beschreibt das Zeichen neben dem Luisa-Codewort. Weil nicht jeder Mensch es kennt, ist es eher ein Zusatz. Wenn du es siehst, frag die Person unauffällig mit Fragen, die sie mit Ja oder Nein beantworten kann, ob sie Hilfe braucht, und ruf bei akuter Gefahr die 110.

Das Heimwegtelefon

Nach dem Date beginnt der Heimweg, und der ist manchmal der unangenehmste Teil. Beim bundesweiten Heimwegtelefon unter 030 12074182 telefonieren laut GIGA Ehrenamtliche mit dir, bis du sicher angekommen bist. Sie fragen nach deinem Standort, damit sie im Notfall Hilfe schicken können. Die Nummer hat eine Berliner Vorwahl, ist aber für ganz Deutschland gedacht. Genutzt wird das Angebot durchaus: Laut taz nahmen die Telefonistinnen und Telefonisten 2025 bundesweit knapp 5.000 Anrufe entgegen. Prüfe vorher die aktuellen Erreichbarkeitszeiten auf der Seite des Angebots, damit du dich nachts nicht auf eine unbesetzte Leitung verlässt. Speicher die Nummer vor dem Date ein, dann musst du später nicht suchen.

Notruf 110 und 112

Codewörter sind für Situationen gedacht, in denen du diskret Hilfe willst. Sobald du dich bedroht fühlst, jemand dich festhält, dir folgt oder dir droht, ist die 110 die richtige Nummer. Bei medizinischen Problemen, etwa plötzlicher Benommenheit, Atemnot oder Übelkeit, gilt die 112. Du kannst auch das Personal bitten, für dich anzurufen.

Wie Begleitpersonen und Freundinnen helfen können

Eine Freundin oder ein Freund im Hintergrund macht das Codewort deutlich wirksamer. Wer dich unterstützen will, kann vor, während und nach dem Date helfen.

Vor dem Date: Luisa in die Absprachen aufnehmen

Ort, Uhrzeit, Rückmeldezeiten und ein privates Codewort gehören ohnehin zu jedem ersten Treffen. Ergänze diese Absprachen um zwei Punkte: Sag deiner Vertrauensperson, ob das Lokal bei Luisa mitmacht, und vereinbart, was sie tut, wenn du schreibst, dass du nach Luisa gefragt hast. Sinnvoll ist etwa, dass sie dich sofort anruft und dich abholt oder dir ein Taxi schickt. Dann weiß sie im Ernstfall, dass du schon beim Personal bist und nicht mehr am Tisch sitzt.

Als Freundin im selben Lokal

Manche nehmen eine Freundin mit, die ein paar Tische weiter sitzt. Das ist ungewöhnlich, aber legitim, gerade bei einem ersten Treffen mit jemandem, den du nur aus der App kennst. Die Freundin sollte dann wissen, wo das Personal steht und dass sie bei Bedarf selbst nach Luisa fragen kann. Auch ein Hinweis einer Begleitperson an das Personal ist sinnvoll, wenn du selbst nicht wegkommst.

Wenn du jemanden siehst, der Hilfe braucht

Auch als Gast in einer Bar kannst du helfen, wenn du siehst, dass sich jemand sichtlich unwohl fühlt. Sprich die Person direkt, aber beiläufig an, etwa mit einer Frage nach der Uhrzeit oder dem Weg. Das unterbricht die Situation und gibt ihr die Möglichkeit, aufzustehen. Informiere das Personal. Ist die Lage aggressiv, stell dich nicht allein dazwischen. Hol Hilfe und ruf bei Gefahr die 110.

Nach dem Date: wenn es zu Belästigung gekommen ist

Mit dem Verlassen des Lokals ist die Sache nicht immer vorbei. Manche Matches schreiben weiter, tauchen wieder auf oder setzen dich unter Druck. Speziell nach einem Abend, an dem du nach Luisa gefragt hast, lohnt sich ein Gedanke: Das Personal hat mitbekommen, dass du Hilfe gebraucht hast. Notiere dir noch am selben Abend Datum, Uhrzeit, Lokal und wenn möglich den Namen der Person, die dir geholfen hat. Entscheidest du dich später für eine Anzeige, kann es hilfreich sein, dass jemand Außenstehendes die Situation mitbekommen hat. Eine Anzeige musst du nicht in derselben Nacht erstatten, und reden kannst du jederzeit mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle.

Für Frauen gibt es das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016. Es ist laut Bundesfamilienministerium ein Angebot des Bundes, rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und auf Wunsch anonym, auch per Chat und E-Mail. Anrufen dürfen auch Angehörige und Freundinnen, die eine Betroffene unterstützen wollen.

Wenn die Person nach dem Date nicht lockerlässt, dich mit Nachrichten überzieht oder vor deiner Tür steht, geht es um mehr als einen schlechten Abend. Wie du eine klare Absage formulierst, Beweise sicherst und rechtlich gegen Nachstellung vorgehst, steht im Ratgeber zu Belästigung nach dem Date.

Fühlt sich der Abend auch Tage später noch schwer an, schläfst du schlecht oder kreisen deine Gedanken ständig darum, ist das eine verständliche Reaktion. Neben dem Hilfetelefon erreichst du die Telefonseelsorge kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Typische Fehler im Umgang mit Codewörtern

Codewörter wirken einfach, trotzdem passieren immer wieder dieselben Denkfehler.

Sich darauf verlassen, dass jedes Lokal mitmacht. Viele haben schon einmal von Luisa gehört und gehen davon aus, dass jede Bar das Codewort kennt. Das stimmt nicht. Ohne Logo ist der offene Satz die sicherere Wahl.

Zu lange warten. Viele warten, bis es „wirklich schlimm“ wird. Das Codewort ist aber gerade für den Moment gedacht, in dem du dich unwohl fühlst und nicht weißt, wie du aus der Situation kommst. Du musst keine Grenze abwarten.

Codes aus dem Ausland ausprobieren. Ein Angel Shot oder die Frage nach Angela funktionieren in Deutschland meist nicht. Im Ernstfall verlierst du Zeit, wenn das Personal den Code nicht kennt. Umgekehrt gilt das genauso: In einer Bar im Ausland kannst du dich nicht darauf verlassen, dass jemand Luisa kennt. Worauf du bei Treffen auf Reisen achtest, steht im Ratgeber zur Dating-App im Urlaub.

Sich zurück an den Tisch begeben. Nach der Frage nach Luisa fühlen sich manche verpflichtet, sich noch zu verabschieden oder die Rechnung zu teilen. Das musst du nicht. Bitte das Personal, deine Jacke zu holen, die Rechnung lässt sich später klären.

Sich vom Date nach Hause bringen lassen. Wenn du dich während des Abends unwohl gefühlt hast, steig nicht in sein Auto und lass dich nicht bis zur Haustür begleiten. Ein Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel und ein Anruf beim Heimwegtelefon sind die bessere Wahl. Wohin der Abend sonst führen kann und warum ein Treffen in der eigenen Wohnung erst später passt, beschreibt der Ratgeber zum Date zuhause und deiner Sicherheit.

Sich selbst Vorwürfe machen. Wer das Codewort nutzt, „übertreibt“ nicht. Wenn du nach Luisa fragst und sich später herausstellt, dass die Person harmlos war, ist nichts verloren. Umgekehrt kann Zögern dich in eine Lage bringen, aus der es schwerer wird, herauszukommen.

Checkliste: Luisa und die anderen Hilfen in deinem Date-Plan

Bevor du zum ersten Date mit einer Online-Bekanntschaft aufbrichst, helfen dir diese Punkte:

  • Lokal ausgewählt, das bei Luisa mitmacht, oder bewusst entschieden, ohne Codewort zu planen
  • Ort, Uhrzeit und Namen des Matches an eine Vertrauensperson geschickt
  • privates Codewort mit der Vertrauensperson vereinbart
  • Heimwegtelefon 030 12074182 im Handy gespeichert
  • Akku geladen, Geld oder App für ein Taxi parat
  • eigene Anreise und eigener Heimweg geplant
  • beim Ankommen Logo, Theke, Toiletten und Ausgang angesehen
  • 110 für Gefahr, 112 für medizinische Notfälle im Kopf

Welche Portale Herzenstreffer aufführt und wie sie eingeordnet sind, zeigt der Anbietervergleich.

Fazit

„Ist Luisa hier?“ ist ein einfaches, gut gemachtes Werkzeug: eine harmlose Frage, mit der du in teilnehmenden Lokalen diskret Hilfe bekommst, ohne dich erklären zu müssen. Die Kampagne des Frauen-Notrufs Münster funktioniert wie das englische „Ask for Angela“ und ist inzwischen in vielen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu finden. Ihre Grenzen sind ebenso klar: Sie gilt nur dort, wo das Luisa-Logo hängt, sie setzt geschultes Personal voraus, und belastbare Zahlen zu ihrer Wirkung gibt es nicht. Für dein erstes Date mit jemandem aus der Dating-App heißt das: Wähle wenn möglich ein teilnehmendes Lokal, kenne den offenen Satz für alle anderen Orte, lass eine Vertrauensperson im Bild und speichere Heimwegtelefon und Notrufnummern. Codes aus dem Ausland wie der Angel Shot helfen dir in Deutschland kaum. Was zählt, ist dein Recht, jederzeit zu gehen, und das Wissen, wen du dafür ansprechen kannst.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Frage 'Ist Luisa hier?'?

Luisa ist keine echte Person. Die Frage ist ein Codewort, mit dem du dem Personal in einer teilnehmenden Bar oder einem Club signalisierst, dass du dich belästigt oder bedroht fühlst. Das Personal hilft dir dann diskret aus der Situation, ohne dass du erklären musst, was passiert ist.

Woher kommt das Codewort Luisa?

Die Kampagne 'Luisa ist hier!' hat der Frauen-Notruf Münster entwickelt und 2016 in Münster gestartet. Nach demselben Prinzip funktioniert die englische Kampagne 'Ask for Angela', die im selben Jahr in Lincolnshire begann. Inzwischen machen Lokale in vielen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit.

Was ist ein Angel Shot?

Ein Angel Shot ist kein echtes Getränk, sondern ein Code aus englischsprachigen Ländern, vor allem den USA. Wer ihn bestellt, zeigt dem Barpersonal, dass er sich unsicher fühlt. Je nach Bar stehen Varianten wie 'mit Eis' oder 'mit Limette' für unterschiedliche Hilfe. In Deutschland ist der Code nicht verbreitet, verlass dich hier nicht darauf.

Was mache ich, wenn das Lokal nicht bei Luisa mitmacht?

Sprich das Personal direkt an und sag klar, dass du dich bedrängt fühlst und ungestört gehen möchtest. Diesen Satz versteht jede Bedienung. Zieh dich auf die Toilette zurück, ruf eine Vertrauensperson an oder bestell dir selbst ein Taxi. Bei akuter Gefahr wählst du sofort 110.

Gilt 'Ist Luisa hier?' auch für Männer?

Die Kampagne kommt vom Frauen-Notruf und richtet sich in erster Linie an Mädchen und Frauen. Wie Lokale mit anderen Gästen umgehen, beschreiben Quellen unterschiedlich. Unabhängig vom Codewort kann jede Person das Personal offen um Hilfe bitten.

Quellen

Zuletzt aktualisiert am 2. November 2026

Sven Albrecht
Über die Autorin / den Autor
Sven Albrecht

Sven prüft, was Dating-Plattformen mit den Daten ihrer Mitglieder machen: Wie lange wird gespeichert, wie leicht lässt sich ein Konto löschen, wie ernst wird Sicherheit genommen. Er kennt die gängigen Maschen von Fake-Profilen und erklärt, woran man sie erkennt.

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